Montag, 2. Juli 2018

Noch mee(h)r Sylt!

Jep …

Von Sylt kann man nie genug bekommen :-)


Auch in Büchern nicht! :-)



Weiter geht die Lesereise durch den "vielleicht" frischesten Sylt-Roman!


Weltfrauentag


Goschs Kneipe auf Sylt, 08. März



„Du?“ Ich war erstaunt darüber, dass Steffi mich zu dieser Uhrzeit anrief.

„Ich störe wohl?“ So ganz sicher war ich mir nicht, ob die Worte meiner Freundin ernst oder witzig gemeint waren.

„Natürlich störst du nicht. Ich wundere mich nur darüber, dass du jetzt anrufst. Und dann auch noch von zu Hause und nicht aus dem Geschäft. Oder ist etwas passiert?“ Es war 10:00 Uhr und eigentlich hatte der Frisörsalon bereits seit dreißig Minuten geöffnet.

„Ich habe mir heute freigenommen. Gestern Abend ist mir die Idee gekommen. Die paar Kunden schafft Mel auch alleine. So kann ich schon einige Dinge für unsere Mädelstour besorgen.“

„Stimmt.“ Mehr antwortete ich nicht. Tatsächlich war ich sprachlos. Sprachlos vor Enttäuschung. Für jeden Scheiß konnte sie sich freie Tage genehmigen. Nur für mich hatte sie es in den letzten zwei Jahren nie getan.

„Matz? Bist du noch dran?“

„Ja, bin ich.“ Da mir Schmollen jetzt nicht half und ja auch sowieso keine Lösung war, entschied ich mich dafür, meinen Schlechtelaunehebel wieder umzuschalten. „Ich habe neulich total schöne Fotos vom Hörnumer Leuchtturm gemacht. Von allen Seiten habe ich ihn geknipst und er strahlte im Sonnenlicht irgendwie ganz besonders. Mit den Bildern habe ich bestimmt gute Chancen bei dem Fotowettbewerb.“ Schon vor meiner Fahrt nach Sylt hatte ich Steffi von diesem Wettbewerb erzählt.

„Welcher Wettbewerb? Kannst du nicht mal vernünftige Dinge fotografieren? Vielleicht mal den Kreidefelsen oder dieses alte Gemäuer, das damals von Hitler erbaut wurde und die ganze Küste verschandelt.“

„Ich bin auf Sylt und nicht auf Rügen.“ Tatsächlich fielen mir keine anderen Worte ein. Ich hatte auch keine Lust auf einen blöden Spruch und darauf, einen Witz zu machen, schon gar nicht. Dieses Desinteresse an meinem Leben nervte mich einfach extrem. Es wurde immer schlimmer und manchmal kamen mir tatsächlich Gedanken an eine Trennung in den Kopf.

„Ach ja.“ Steffis Antwort war der Hammer.

„Gibt es noch etwas? Ansonsten schnappe ich mir Anton und gehe mit ihm an den Strand. Er hibbelt hier schon ziemlich herum, wahrscheinlich muss er pischern.“ Ich fand es netter, meinen Hund, der ja eigentlich unser Hund war, als Notlüge zu benutzen. Steffi an den Kopf zu knallen, dass ich einfach keinen Bock auf ein längeres Gespräch hatte, fand ich irgendwie doch gemein. Allerdings amüsierte ich mich auch darüber, dass Steffi nicht auffiel, dass ich Anton nun schon das zweite Mal vorschob, um ein Telefonat zu beenden.

„Ja, geht mal raus. Ich muss sowieso los, da ich noch Strohhüte, lustige Sonnenbrillen und einheitliche T-Shirts besorgen muss. Unsere Strandtage werden bestimmt total cool und wenn ich dann noch an die Abende denke. Hui, da wird die Post abgehen. Dort ist es nicht so langweilig wie bei dir an der Ostsee.“

„Nordsee.“ Den Zusatz, dass sie an lange Strohhalme und Eimer denken sollte, verkniff ich mir. Nach einem „Tschüss und viel Spaß“ legte ich einfach auf.

„Okay, wenn ich dich schon als Ausrede benutzt habe, können wir auch raus. Was meinst du?“ Als wenn mein treuer Gefährte die Worte verstanden hätte, stand er auf und machte sich auf den Weg zur Tür.



Den ganzen Tag über war ich von dem Telefonat mit Steffi genervt. Vom Telefonat? Vielmehr von ihrem Verhalten und davon, dass sie sich für andere Dinge durchaus freinehmen konnte.

Selbst nach der Nachmittagsrunde mit Anton ging es mir nicht besser. Als wir an der Promenade ankamen, erkannte ich, dass wir es bereits 17:00 Uhr hatten, und fand, dass dies genau die richtige Zeit für ein kühles Frustbier war, daher machte ich mich direkt auf den Weg in die Friedrichstraße.

Als ich keine zehn Minuten später die Gosch-Kneipe betrat, glaubte ich, in einem falschen Film zu sein. Brechend voll war es. Zumindest im hinteren Teil, da sich dort eine große Frauenclique befand und ordentlich feierte. Sie hatten merkwürdige Hüte auf und an ihrer Kleidung irgendwelche blinkenden Teile befestigt.

„Was ist denn hier los?“ Fragend sah ich eine der Bedienungen an und bekam zur Antwort, dass die Mädels bereits seit zwei Stunden den Weltfrauentag feierten.

„Na ja, wahrscheinlich feiern sie eher sich selbst. Bekomme ich ein Bier?“ Lachend und mit einem Nicken ging die Bedienung zum Tresen und gab meine Bestellung weiter.

Zum dritten kleinen Bier bekam ich einen Jägermeister dazu und sah den Kellner fragend an.

„Der ist von den Frauen.“ Mit einer Kopfbewegung deutete er zu der ausgelassenen Frauengruppe, die sogleich ihre Gläser hoben und mir zuprosteten.

„Auf den Weltfrauentag.“ Leise sagte ich diese Worte zu mir selbst und ließ den Schnaps anschließend durch meine Kehle laufen. Deutlich konnte ich seinen Weg bis hin zu meinem Magen verfolgen. Warm und brennend hinterließ er seine Spur, die ich mit einem Ganzkörperschütteln quittierte. Selbst Anton schien es bemerkt zu haben, da er mich mit seinen bernsteinfarbenen Augen ansah. Ich mochte ein solches Zeug nicht und trank es daher normalerweise auch nie. Warum ich es heute getan hatte? Wahrscheinlich war es ein Automatismus, da die Mädels ebenfalls tranken.



Von meinem Fensterplatz aus beobachtete ich das Treiben auf der Friedrichstraße. Wonach ich Ausschau hielt? Auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, war es trotzdem so, dass ich hoffte, Zoe zu erblicken. Ich wünschte mir ihre Gesellschaft, um endlich das blöde Gespräch mit Steffi zu vergessen. Zumindest wollte ich es verdrängen, und ich ging stark davon aus, dass es mir in Zoes Gegenwart gelingen würde. Auch im Südkap hatte ich mich in ihrer Gesellschaft sehr wohlgefühlt. Zoe schien sich für die gleichen Dinge wie ich zu interessieren, sie hörte zu, wenn ich etwas erzählte, und sie liebte Sylt ebenso, wie ich es tat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen