Freitag, 29. Juni 2018

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Erklärung

Westerland, den 12. März

Unruhig lief ich in meiner kleinen Ferienwohnung auf und ab. Vier Tage war es her, seit Matz mich in der Kneipe geküsst hatte. Vier Tage, in denen ich versuchte, zu verdrängen, was geschehen war. In denen ich versuchte, mein schlechtes Gewissen in den Griff zu bekommen, und in denen ich versuchte, Matz aus dem Weg zu gehen. Ich hatte es vermieden, zur selben Zeit mit Percy an den Strand zu gehen wie sonst, weil ich ihm nicht begegnen wollte. Matz hatte sicher feste Zeiten, in denen er seine Hunderunden drehte, und ich hoffte, ein Aufeinandertreffen so umgehen zu können. Am Tag nach unserem Kuss in der Kneipe war ich gar nicht am Strand gewesen, sondern stattdessen durch das Südwäldchen von Westerland gelaufen.
Ich wollte ihn nicht sehen. Nein, falsch! Ich wollte ihn unbedingt sehen, aber ich durfte es nicht! Mein schlechtes Gewissen verbot es mir. Mein schlechtes Gewissen gegenüber Matz, weil ich einfach abgehauen war, und vor allem mein schlechtes Gewissen gegenüber Nick. Er war mein Mann und ich liebte ihn. Dieser Kuss hätte nicht passieren dürfen! Und vor allem hätte er sich nie so anfühlen dürfen, wie er es getan hatte. Ich hatte das Gefühl, noch niemals in meinem Leben so geküsst worden zu sein wie von ihm. Es hatte mir mehr als nur ein wenig gefallen, aber das durfte nicht sein. Verdammt, ja, ich liebte Nick, und das Letzte, was ich wollte, war, ihn zu betrügen. Und doch hatte ich es getan. Ich hatte zugelassen, dass Matz mich küsste. Hatte seinen Kuss erwidert und ich hatte es genossen. Sogar sehr genossen!
Seitdem hatte ich mich in meiner Arbeit vergraben und alle angefallenen Rechnungen und Kostenvoranschläge geschrieben und abgearbeitet. Mittlerweile war alles fertig. Ich hatte nichts mehr zu tun, und es drängte mich nach draußen, den Sonnenschein zu genießen – am liebsten natürlich am Strand. Nachdenklich schaute ich auf die Uhr an meinem Handy. Konnte ich es wagen? Es war kurz nach dreizehn Uhr. Eigentlich eine typische Zeit für Gassirunden und von daher für mich passé. Andererseits war heute mein letzter Urlaubstag, morgen ging es zurück nach Hamburg, und diesen letzten Tag wollte ich noch einmal am Strand verbringen und meiner Hündin den Sand unter den Pfoten gönnen.
Ein leises Fiepen und eine feuchte Hundenase, die mich gegen die Hand stupste, rissen mich aus meinen Überlegungen.
„Okay, Percy. Wollen wir es wagen? Wollen wir raus? Ein bisschen laufen?“, fragte ich meine Hündin mit klopfendem Herzen. Sofort wurde ihr Fiepen lauter und sie hüpfte im Kreis vor mir herum. Laufen war wie ein magisches Wort für sie. Seufzend zog ich mich an und griff nach der Leine.
Auf der Strandstraße angekommen, blieb ich zögernd stehen. Vor mir, in vielleicht hundert Metern Entfernung, lag der Übergang, der mich auf die Promenade und weiter an den Strand bringen würde. Konnte ich es wirklich wagen? Oder sollte ich doch lieber kneifen und mich auf den Weg in das Wäldchen begeben?
Percy zog an der Leine in Richtung Meer. Natürlich wusste sie genau, wohin dieser Weg führte. Wir waren ihn oft genug gemeinsam gegangen, auch wenn ich es in den letzten drei Tagen vermieden hatte. Einige Touristen waren unterwegs. So viele, dass ich darauf hoffen konnte, dass es auf der Promenade voll sein würde.
Okay, wenn es voll ist, kann ich mich in der Menge verstecken. Selbst wenn Matz irgendwo dort herumläuft, würde er mich sicher nicht sehen, dachte ich und atmete noch einmal tief durch, bevor ich mir einen Ruck gab und mich auf den Weg machte.

Wie erwartet, war die Promenade brechend voll. Vor dem kleinen Lokal von Gosch war jeder Tisch im Außenbereich bis auf den letzten Platz besetzt, und ein Blick über den Strand verriet mir, dass auch dort ordentlich was los war. Ein wenig erleichtert, dass mein Plan aufzugehen schien, schlug ich rechtsherum den Weg in Richtung Sunset Beach ein. Zu dieser Holzhütte, die für mich eine Mischung aus Restaurant, Bar und Café war. Dort wollte ich an den Strand gehen und Percy eine Runde toben lassen.

Ich war noch sicher zwanzig Meter vom Sunset Beach entfernt, als meine Hündin auf einmal wie wild an der Leine zerrte.
„Hey, du Spinnerin! Was hast du denn auf einmal?“, fragte ich sie und blieb stehen, damit sie aufhörte zu ziehen. Percy warf mir einen kurzen Blick zu, dann fing sie an zu fiepen und trat unruhig von einem Bein aufs andere. Ihr Blick war wie gebannt auf etwas vor uns gerichtet.
„Was ist denn los?“, fragte ich und schaute, was ihre Aufmerksamkeit erregte. Ein paar Sekunden später lief es mir eiskalt den Rücken hinunter und mein Herz klopfte wie wild in meiner Brust.
„O nein! Bitte nicht!“ Vor uns, im Außenbereich des Sunset Beach, saß Matz auf einer der Holzbänke, vor sich auf dem Tisch eine Tasse Milchkaffee. Kurz überlegte ich, ob ich einfach umdrehen und gehen sollte, doch er hatte mich bereits entdeckt. Auch Anton hing in seiner Leine und zog sichtlich zu Percy. „Verdammt! Das musste ja passieren.“ Einen Moment lang blieb ich einfach nur stehen und sah Matz an. Sein Blick, mit dem er mich musterte, war undurchdringlich. So hatte ich ihn noch nie gesehen. Abwartend und vorsichtig, als würde auch er damit rechnen, dass ich umdrehte und ihn ignorierte.
„Okay, nützt ja nichts. Vielleicht ist es auch besser so. Ich denke, ich sollte ihm da noch was erklären, oder, Percy? Immerhin habe ich ihn ganz schön dumm stehen gelassen neulich“, murmelte ich leise. Wieder warf meine Hündin mir nur einen kurzen und mittlerweile ziemlich ungeduldigen Blick zu, dann fiepte sie leise. Sie konnte es nicht länger abwarten und verstand nicht, warum sie nicht zu Anton durfte. Nach einem letzten tiefen Durchatmen machten wir uns auf den Weg zu Anton und Matz. Mit jedem Meter, den ich mich näherte, hellte sich Matz’ Gesicht mehr auf. Die Vorsicht darin verschwand, und als ich bei den beiden ankam, lächelte er.
„Hey, da bist du ja. Wir haben euch schon vermisst“, begrüßte er mich.


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