Donnerstag, 22. Februar 2018

Weiter geht es :-)

Freiheitsdrang!

Wer sehnt sich nicht danach!
Hunde übrigens auch!
Logisch, oder? Wer möchte nicht lieber am Strand toben, anstatt an einer Leine gehen zu müssen ...?!
 Daher habe ich euch zu diesem Thema ... Ein Cover, einen Link ... und eine Leseprobe mitgebracht! :-)



Erinnerungen
Manchmal fühle ich mich noch immer wie in einem Traum. Nein, ich habe das Gefühl, in einem falschen Film zu sein. Wo war dieser Horrorfilm abgeblieben? Mein Albtraum, in dem ich als Straßenhund so gelitten hatte? Versteht mich nicht falsch. Natürlich ist ein Leben ohne Tritte und Prügel sehr viel lebenswerter. Sich nicht mehr verstecken zu müssen und mit knurrendem Magen durch die Gegend zu schleichen, fehlte mir keinesfalls. Auch die nach mir geworfenen Steine und Beschimpfungen der Menschen, die fast noch mehr geschmerzt hatten, fehlten mir nicht.
Trotzdem war es so, dass ich mein Glück in einigen Momenten nicht wirklich fassen kann. Der Hundegott, oder wer auch immer dafür verantwortlich war, hatte ein Einsehen mit mir gehabt. Irgendjemand war der Meinung, dass ich genügend Leid erlebt hatte. Tatsächlich wurde ich dazu auserkoren, in einen neuen Lebensabschnitt springen zu dürfen. Falsch! Es war nicht einfach nur ein neuer Abschnitt.
Als dieser Typ mich bei meiner Pflegefamilie in Eckernförde besuchen kam, begann mein Leben erst richtig - zumindest mein neues Leben.
Es war der Moment, in dem der Horrorfilm geendet hatte und ich in einen Abenteuerfilm einsteigen durfte. Nur einsteigen? Nein, ich war als Besetzung für eine der beiden Hauptrollen auserkoren worden. Ich durfte die begehrte Rolle neben einem Menschen spielen. Wieder falsch! Nicht spielen, sondern leben.

Mein Abenteuer hatte gleich mehrere Namen. Ich hatte einen eigenen Menschen bekommen. Einen, der von diesem Tag an mein Herrchen war. Ben hieß dieser Kerl, und er schaffte es in kürzester Zeit, dass ich ihm mein Vertrauen schenkte. Warum es so war? Weil er mir ebenfalls bedingungslos vertraute. Er tat es, ohne mich wirklich zu kennen, was mir wahnsinnig imponierte. Aber nicht nur das. Ich bekam auch etwas anderes von meinem Herrchen. Mir wurde Liebe geschenkt. Auch wenn ich sie bis zu diesem Augenblick nicht gekannt hatte, genoss ich sie sofort. Diese Liebe ließ mich aufblühen. Meine Ängste verschwanden mit jedem Tag etwas mehr, und irgendwann war ich bereit dazu, selbst Liebe zu schenken. Ben hatte es verdient, meine Liebe zu bekommen. Wir waren nicht nur Hund und Herrchen. Nein, uns verband viel mehr. Ich durfte sein gleichberechtigter Freund sein, und jeder Tag begann mit einer Menge Vorfreude auf die schönen Dinge, die mich erwarteten. Nein! Auf die Sachen, die von UNS in Angriff genommen wurden.
Unser Abenteuerfilm war ein Blockbuster, und ich genoss ihn sehr. Nicht nur, weil er auf dem schönsten Fleckchen der Welt spielte und ich mich direkt am ersten Tag in die Insel Sylt verliebt hatte.

Erinnert ihr euch noch an die letzten Worte aus meiner ersten Story? An meine Träume und Wünsche, die ich gemeinsam mit Ben erreichen wollte?
Mit meinem neuen blauen Ball möchte ich gemeinsam mit Ben spielen. Auf drei Beinen zu pieschern, war mein großer Wunsch, und dann wurde es auch Zeit, endlich Hundefreundschaften zu schließen.
Allerdings hatte ich auch noch meinen größten Traum. Nur zu gerne wollte ich ohne Leine laufen. Zumindest am Strand. Dort, wo es die meisten anderen Hunde auch taten.
Ob sich meine Träume und Wünsche erfüllen? Ob ich meine Ziele erreiche? Und ob Ben und ich noch andere tolle Dinge erleben?
Ihr werdet es erfahren. Zwar noch nicht heute, allerdings schon ganz bald!

Genauso waren meine Worte, und ich kann euch versprechen, dass es ebenso spannend und lustig weitergeht.

Habt Freude mit meinen neuen Erlebnissen.


Begegnungen


In den letzten Tagen und Wochen hatte ich viele Begegnungen mit fremden Menschen und Hunden gehabt. Zum Glück musste ich dabei keinerlei negative Erfahrungen machen, was meinem Selbstbewusstsein natürlich sehr gut tat. Außerdem war es ein tolles Gefühl für mich, da ich so endlich begriff, dass nicht alle Menschen böse waren. Alle anderen Menschen außer Ben natürlich!
Von negativen Erlebnissen gab es in meinem Leben vor Sylt immerhin schon genug. Es waren so viele, wie andere Hunde sie vielleicht in ihrem ganzen Leben nicht hatten. Nein, nicht falsch verstehen. Ich wünsche anderen Vierbeinern nichts Schlechtes. Allerdings war ich der Meinung, dass eine gerechtere Verteilung durchaus angebracht gewesen wäre. Bei der Verteilung aus dem Gülleeimer hatte ich damals leider viel zu laut und ohne es eigentlich auch zu wollen, HIER geschrien.
Dafür durfte ich jetzt aber auch etwas erleben, was ebenfalls nicht viele Hunde erfahren durften. Zumindest ging ich davon aus, und wenn es nicht so sein sollte, würde ich es allen anderen Hunden selbstverständlich von ganzem Herzen gönnen.
Ich hatte einen Menschen abbekommen. Allerdings nicht irgendeinen, sondern einen ganz besonderen. Schon damals bei unserer ersten Begegnung hatte er diese außergewöhnlichen Worte gewählt, die wir seit diesem Tage gemeinsam lebten. Auf die Frage meiner damaligen Pflegefamilie, ob er sich mit Hunden auskannte und bereits einen Hund gehabt hatte, war seine Antwort:
„Nein ich hatte noch keinen Hund. Aber ich glaube zu wissen, dass alle Hunde Vertrauen und Liebe geschenkt bekommen möchten. Genau das möchte ich mit diesem kleinen Mann erleben; es ihm schenken.“
Ich muss allerdings zugeben, dass ich nicht mehr ganz genau weiß, ob es damals genau diese Worte waren. Dafür war ich in diesem, für mich großartigen Augenblick viel zu aufgeregt gewesen. Aber dieser Satz kommt der Aussage meines Herrchens ziemlich nahe. Die Worte „Vertrauen und Liebe schenken“ waren auf jeden Fall dabei, und ich weiß schon jetzt genau, dass sie uns ein Leben lang begleiten werden.
Damals? Irgendwie muss ich direkt über meinen Gedanken lachen. Immerhin war ich gerade mal wenige Wochen bei meinem Menschen. Allerdings waren wir bereits ein solch eingespieltes Team, das mir unsere gemeinsame Zeit schon sehr viel länger vorkommt. Nur noch selten denke ich an die Vergangenheit zurück, in der ich Ben noch nicht begleiten durfte. Ich war ein Straßenhund auf Zypern gewesen und kam, nachdem ich von einer Tierfreundin eingefangen wurde, nach Eckernförde.
Tja, und dann kam Ben.

Seit dem 31. Januar lebe ich mit meinem Menschen auf Sylt, darf die Sonnenseiten des Lebens kennenlernen und kann glücklich sein, ohne Angst haben zu müssen, dass mich mein altes Leben doch wieder einholt.

Gestern hatte es hier auf der Insel ein besonderes Fest gegeben. Die Biike sorgte jedes Jahr dafür, dass viele Menschen auf die Insel kamen und feierten. Es gab Fackelumzüge, Grünkohl wurde gegessen, und am Abend versammelten sich die Menschen am Feuer. An mehreren Orten auf Sylt wurden diese Feuer entzündet, und wahrscheinlich hatten alle einen Heidenspaß. Leider konnte ich den Spaß nicht selbst beurteilen, da Ben an diesem Tag einen großen Bogen um die Feierlichkeiten gemacht hatte. Zum Glück, da mir viele Menschen und laute Geräusche noch immer Angst machten.
„Nächstes Jahr laufen wir beim Fackelumzug mit. Und wenn du magst, dann gehen wir sogar abends zum Feuer.“
Muss das sein? Okay, aber nur, wenn ich dann keine Angst mehr vor solchen Dingen habe.
Klar freute ich mich darüber, dass Ben mir auch solche besonderen Ereignisse auf Sylt zeigen wollte. Wenn ich jetzt jedoch daran dachte, dabei sein zu müssen, ging mir ganz schön der Stift. Bestimmt gab es hier auch andere tolle Ereignisse, an denen nicht gleich solche Menschenmassen teilnahmen.
Bereits einige Tage vorher war die Insel ziemlich voll geworden. Unzählige Urlauber waren angereist und hatten meinen bis dahin fast leeren Strand in ein Menschengewimmel verwandelt. Allerdings waren auch viele Hunde am Strand unterwegs, und ich sah häufig mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu ihnen hinüber. Natürlich freute ich mehr sehr, dass ich die Urlaubshunde beschnuppern konnte. Mich mit ihnen auszutauschen, machte mir viel Spaß, und häufig war ich ordentlich aufgeregt, wenn ein großer Hund auf mich zukam. Da ich Ben an meiner Seite hatte, stieg jedoch nie ein Angstgefühl in mir auf.
Mein weinendes Auge kam immer dann zum Vorschein, wenn ich die anderen Hunde toben und spielen sah. Klar tobte ich auch. Allerdings immer nur an dieser blöden Leine, ohne die mich Ben noch immer nicht laufen ließ. Zumindest am Strand hätte mein Herrchen es doch machen können? Was sollte dort passieren? Autos gab es hier doch schließlich keine.
Selbstverständlich erkannte Ben meinen traurigen Gesichtsausdruck immer sofort. Auch konnte ich seine Worte verstehen, die er mir fast immer sofort leise in meine kleinen Schlappohren flüsterte:
„Ach Jake. Ich weiß, dass du auch gerne mit den Hunden toben möchtest. Dass du flitzen willst und dass es ohne Leine viel besser geht. Aber du musst mich auch ein wenig verstehen. Wir trainieren doch noch. Bald versuchen wir es mal ohne Leine.“ Meistens kniete er bei seinen Worten neben mir im Sand und strich dabei sanft über mein Fell.
Aber wann ist dieses bald? Hast du schon eine Idee? Leider hatte ich auf meine Fragen bisher keine Antworten bekommen. Doch ich bemühte mich, geduldig zu sein.

Wir hatten uns heute gerade auf den Weg zum Strand gemacht, und der Übergang an der Strandstraße lag bereits vor uns. Gleich würden wir die Promenade erreichen, und dann waren es nur noch einige Schritte und eine der coolen Holztreppen, die zwischen uns und dem Strand.
Natürlich mussten wir einen Zwischenstopp machen. Wie fast immer ging mein Herrchen auch heute auf diesen kleinen Aussichtspunkt und machte von dort aus ein Foto. Ein Foto? Nein, in jede Richtung schoss er ein Bild, damit er diese Fotos mit seinen Freunden teilen konnte. Nachdem er es endlich auf irgendwelchen Internetplattformen hochgeladen hatte, ging es weiter. Zügig liefen wir die Treppe hinab und waren direkt an der Ecke angekommen, wo links Gosch an der Promenade lag.
Dann erschrak ich. Etwas Unheimliches war auf uns zugekommen. Wie aus dem Nichts war es plötzlich aufgetaucht und hatte dafür gesorgt, dass ich zur Seite sprang und einfach nur weg wollte! Ich zog an der Leine und hörte auch nicht wieder damit auf.
„Jak … Stopp ... Bleib!“ Doch ich hörte nicht auf meinen Menschen. Ganz im Gegenteil, ich zog immer mehr, immer stärker und heftiger. Mein Ziel war es, vor diesem mir unbekannten Ungetüm zu flüchten. Wir mussten weg hier, damit wir schnell in Sicherheit waren.
„Sitz!“ Laut und deutlich hatte ich Bens Wort gehört.
Aber nur kurz. Komm Ben, lass uns abhauen. Kannst du das unheimliche Teil nicht sehen? Das will uns angreifen. Nur meinem Herrchen zuliebe hatte ich eine sitzende Position eingenommen. Allerdings berührte mein Hintern nicht den Boden der Promenade, da ich in dieser Habachtstellung besser losrennen konnte. Ängstlich sah ich zu Ben und wartete darauf, dass wir von hier verschwinden.
„Was ist los, kleiner Mann? Warum hast du Angst?“ Während Ben sprach, hatte er sich neben mich gehockt.
Stell dich wieder hin. Biete dem Ding keine Angriffsmöglichkeit. Hey, ich brauche dich noch. Das Teil da will uns angreifen. Komm lass uns an den Strand verschwinden. Vielleicht finden wir zwischen den Tetrapoden ein gutes Versteck. Dort können wir uns verschanzen, bis die Gefahr vorbei ist.
„Hast du wirklich Angst davor? Komm wir gehen hin.“ Das gefährliche Ding hatte sich inzwischen drei Meter entfernt von uns auf die Lauer gelegt. Flach und ruhig lag es auf der Promenade, und es schien so, als würde es nur darauf warten, uns aus dem Hinterhalt anspringen zu können. Es stellte sich tot und glaubte wirklich, uns damit reinlegen zu können.
Hingehen willst du? Übertreibe es nicht. Manchmal ist Angst besser als Mut. Lass uns lieber schnell verschwinden. Noch liegt es ruhig da, aber gleich wird es uns bestimmt angreifen.
„Komm jetzt.“ Ben war wieder aus der Hocke aufgestanden und machte den ersten Schritt auf unseren gefährlichen Gegner zu.
Muss das sein? Ängstlich schlich ich hinter meinem Herrchen her, blieb allerdings hinter seinem Rücken versteckt. Immerhin war es seine Idee, auf das Ding zuzugehen, und genau aus diesem Grund durfte er gerne die vorderste Front sein.

Als wir nur noch einen Meter entfernt waren, frischte der Wind wieder auf. Eine kleine Windböe wirbelte über die Promenade, und im gleichen Augenblick entschloss sich auch das Teil dazu, uns anzugreifen. Es sprang los und kam auf uns zu. Das Ding war clever - es hatte auf den Wind gewartet und nutzte ihn auf eine ähnliche Art und Weise, wie es auch die Surfer mit den Wellen taten.
Pass auf, Ben. Jetzt greift es an. Komm wir hauen ab. Noch immer stand ich hinter meinem Herrchen. Dann lief Ben los, und ich folgte ihm.
Hey falsche Richtung! Du läufst ja hinter dem gefährlichen Ding her. Ich verstand nicht warum, musste Ben aber folgen, da ich an der Leine hing.
Mit einem langen letzten Schritt, der fast ein Sprung war, hatte mein Herrchen das böse Biest eingeholt und getötet. Mit seinem Fuß stand er auf unserem Gegner; auf dem Teil, das jetzt zu unserem Opfer geworden war. Wir hatten es besiegt und somit nicht nur uns, sondern auch die anderen Menschen auf der Promenade gerettet. Mein Mensch war ein Held. In diesem Augenblick war er zum Retter der Insel geworden. Von jetzt an wusste ich, dass er mich vor jedem noch so gemeinen Gegner beschützen würde. Mein Herrchen flüchtete nicht vor Gefahren, sondern sah ihnen ins Auge und kämpfte gegen sie. Nein, er vernichtete sie sogar. So, wie er es jetzt auch getan hatte.
Ben mein Held! Danke fürs Retten.
Mein Blick war stolz auf mein Herrchen gerichtet. Sein Fuß stand noch immer auf dem Teil, was dafür sorgte, dass es sich nicht rühren konnte. Ob es vielleicht sogar bereits gestorben war, konnte ich nicht erkennen. Näher ran wollte ich zum Nachsehen allerdings auch nicht. Die Windböe von eben war inzwischen verschwunden, und es herrschte Stille auf der Promenade. Wie in einem Film war es. Wie im Moment des Happyends, wenn das Gute über das Böse gesiegt hatte.
Dann bückte sich mein Herrchen und griff mit der Hand nach dem von ihm überwältigten Feind.
Pass auf, Ben! Vielleicht stellt es sich nur tot. Ich hatte Angst um mein Herrchen.
Als Ben das gefährliche Ding in der Hand hielt, sah er mich zunächst nur an. Dann begann er zu lachen, und noch einen Augenblick später sagte er:
„Jake, du kleiner Feigling. Das ist doch nur eine Plastiktüte. Die tut keinem was.“
Tatsächlich? Bist du dir ganz sicher?
„Komm, kleiner Mann, wir bringen dieses Umwelt verschmutzende Teil in den Müll.“ Schon hatten wir uns auf den Weg zum nächsten Abfalleimer gemacht, um diese Plastiktüte zu entsorgen.
Auch wenn ich keine Angst vor dem Ding haben musste, war ich froh, als Ben den Deckel vom Mülleimer wieder verschlossen hatte.
Woher weiß mein Herrchen nur all diese Dinge?, dachte ich und war stolz auf meinen Begleiter.

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