Mittwoch, 21. Februar 2018

Und dann zieht man plötzlich um

Kennt ihr, oder?

Klar kennt ihr das :-)

Daher solltet ihr doch auch einfach einen Umzug mit mir erleben ;-)
Erst kommt der Link zum Buch ... und gleich danach die Leseprobe :-) ;-)




Immer weiter


Das Leben lässt sich nicht planen!
Und ich musste ganz ehrlich zugeben, dass ich froh darüber war.

Auch wenn ich, vor gar nicht so langer Zeit, mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hatte, wurde ich unruhig. Irgendeine Macht zog mich in ihren Bann und ich brauchte eine ganze Weile, bis ich begriff, welche Macht es war.
Als ich endlich darauf gekommen war, musste ich lachen. Total unnötiger Weise hatte ich mir einige Wochen, oder waren es sogar Monate, meinen Kopf darüber zerbrochen. Ich war unruhig, unausgeglichen und mir gingen total unwichtige Kleinigkeiten auf den Keks.
Ich erkannte mich zunächst selbst nicht wieder.

Doch als ich endlich kapiert hatte, was es war, machte ich mich auf den Weg. Ich wurde gerufen. Gerufen von einem guten Freund.
Nein, nicht von einem anderen Menschen.
Gerufen wurde ich von mir selbst. Von meinem unbändigen Drang nach Freiheit.
Ich hatte keine Chance. Ich musste auf mich hören, auch wenn ich mal wieder keine Ahnung hatte, was mich erwarten würde.
Aber genau das, machte die Sache ja erst so richtig interessant!

Auf geht’s, begleitet mich doch einfach auf meiner

„Männertour… Die Zweite…!“

Oder auch, auf dem „Umzug nach Sylt…!“


Dann müssen wir wohl weg!


Kann man einen Ort als seine Heimat bezeichnen, wenn man sich dort nicht mehr so richtig wohlfühlt?
Oder eine Beziehung?
Ist eine Beziehung noch eine Beziehung, wenn man mehr aneinander vorbeilebt, anstatt gemeinsame Dinge zu erleben?
Kann man irgendwo bleiben, wenn einen der Drang nach Freiheit fortzieht?

In dem Moment, als ich mir fast täglich diese Fragen stellte, wusste ich, dass ich mal wieder irgendetwas in meinem Leben verändern musste.
Ich hatte Glück.
Oder musste ich sagen, dass Carlos Pech hatte?
Wie auch immer. Carlos erging es ähnlich wie mir und so rissen wir einfach aus. Natürlich war es nicht mutig von uns, sich einfach nur mit einem Brief von Antje und Vicky zu verabschieden. Trotzdem wählten wir diesen Weg und machten uns aus dem Staub.

Weg von Rügen.
Endlich wieder los. Ab in die weite Welt hinaus. Wir wollten versuchen, unsere Köpfe wieder frei zu bekommen. Es sollte auch gar keine lange Tour werden.
Wir brauchten einfach etwas Zeit für uns. Das Gewohnte zurücklassen und nur für uns da sein. Das machen, was wir so liebten.
Waren wir zu egoistisch? Ich glaube nicht. Wenn es tatsächlich Egoismus war, dann nur ein gesunder. Wir hatten keine andere Chance. Wir mussten es machen. Die Enge war einfach unerträglich für uns geworden. Leider nicht nur die Enge.

Auch unsere Mädels hatten sich verändert. Zumindest empfanden wir es so. Wir mussten diese Tour starten, um herauszufinden, ob wir noch ein Leben führten, wie wir es mochten. Ich musste endlich für mich feststellen, ob ich Antje noch liebte und ob eine Beziehung mit ihr noch Sinn hatte.
Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ob der Vorschlag von mir kam. Es könnte auch Carlos gewesen sein, der sagte,
„Los Alter, lass uns ein paar Tage abhauen.“

Anton hatte sich seit einiger Zeit bereits von uns abgewandt.
Seine Beziehung zu Anna war zerbrochen, da sie diese Enge und Eifersucht von ihm nicht mehr ertragen konnte. Was mit unserer Freundschaft passiert war, ist nur schwer zu erklären. Wir verbrachten einfach immer weniger Zeit miteinander und irgendwann war der Kontakt komplett abgebrochen.
Zunächst fand ich es sehr schade. Je mehr Gedanken ich mir jedoch darüber machte, je klarer wurde mir, dass unsere Freundschaft zuletzt nur noch eine leere Hülle war. Gespräche hatten wir nur noch über Pillepalle geführt, und wenn einer ein Problem hatte, machte er sein Problem lieber mit sich alleine aus.
Ich hatte zum Glück noch immer Carlos an meiner Seite und freute mich sehr, einen Menschen zu kennen, der einem nicht nach dem Mund redete, sondern mir klipp und klar seinen Standpunkt zu unseren gemeinsamen Problemen mitteilte.

Außerdem war Anton, nennen wir es mal vorsichtig, größenwahnsinnig geworden. Sein Dasein als Besitzer einer Bar hatte ihn zu einem anderen Menschen gemacht. Leider zu keinem Besseren.


Carlos und ich


Als Carlos und ich die Grenze nach Dänemark überquert hatten, war die Sonne dabei aufzugehen und nach längerer Zeit hatten wir endlich wieder das Gefühl von Freiheit.
Unser schlechtes Gewissen wurde mit jedem Kilometer, den wir uns weiter von Rügen entfernten, besser. Die Freiheit rief nach uns und wir folgten ihr gerne.
Bobby saß in ihrer Kiste und vertilgte den Löwenzahn, den wir ihr beim letzten Zwischenstopp gepflückt hatten. Ganz entspannt wartete sie darauf, endlich wieder einen Ausflug machen zu dürfen. Da wir genauso wenig Lust wie sie, auf weitere Kilometer Autofahrt hatten, entschieden wir uns für einen Stopp beim nächsten Campingplatz.

In den nächsten Tagen wollten wir die Küsten Dänemarks erobern. Aus diesem Grund bauten wir das Vorzelt gar nicht erst auf. Während Carlos die Surfbretter fertig machte, sah ich Bobby dabei zu, wie sie sich die nähere Umgebung vom Wohnmobil ansah.
Carlos rief bereits ungeduldig nach mir, da er fertig mit dem Aufbau der Surfbretter war und endlich auf das Wasser hinaus wollte.
Ich stand auf und machte einen Schritt nach hinten. Gerade noch rechtzeitig sah ich Bobby dort sitzen und konnte zum Glück einen großen Ausweichschritt machen.
Als ich meinen nackten Fuß auf den Rasen gesetzt hatte, war ich zunächst froh, dass ich nicht Bobby erwischt hatte. Allerdings stand ich in einer schleimigen Masse. Bobby hatte gerade ihr Geschäft gemacht und wer schon mal Schildkröten-Pische gesehen hat, der weiß, dass es sich um eine ziemlich ekelige Masse handelt. Etwas dicklich, klebrig und schleimig sieht das Zeug aus und mit dem Fuß darin zu stehen, war nicht wirklich angenehm.
Ich hob mein Fuß und sah dabei zu, wie der Schleim langsam zu Boden glitt. Nach einem weiteren Schritt blieb ich stehen und wischte meinen Fuß im feuchten Gras ab.
Carlos amüsierte sich prächtig. Als Bobby wieder in ihrem Gehege im Wohnmobil saß, machten wir uns endlich auf den Weg zum Wasser.

Leider hatte ich in den letzten Wochen nicht sehr viel Zeit auf dem Wasser verbracht und so brauchte ich einen Augenblick, um wieder sicher auf dem Brett zu stehen. Der Wind war zum Glück für mich nicht sehr kräftig. Während ich dabei war, vorne im Weißwasser meine Bahnen zu drehen und kleinere Wellen abzureiten, gab Carlos bereits Gas. Er war weiter draußen. Dort war der Wind erheblich stärker und so konnte er einige coole Sprünge und waghalsige Manöver durchführen.

Nach zwei Stunden saßen wir kaputt, aber glücklich im Sand und ließen die Seelen baumeln. Wir waren am Meer, genau wie wir es sonst auch auf Rügen vor der Nase hatten. Trotzdem war es ganz anders. Wir hatten das Gefühl, als wenn wir in eine ganz andere Welt eingetaucht wären.
Eine Welt ohne Vorgaben, ohne Stress und vor allem ohne Vorschriften.
Carlos und ich brauchten normalerweise keine Worte um uns zu verständigen. Doch heute war es anders. Heute benötigten wir nicht mal Blicke dafür. Ganz automatisch standen wir zur gleichen Zeit auf, griffen nach unseren Brettern und gingen wieder hinaus auf das Wasser.
Ich fuhr hinter Carlos her und als wir weit genug draußen waren, spürte ich den Wind in meinem Segel. Der Druck des Windes wurde größer und ich nutze ihn, um auf große Geschwindigkeit zu kommen. Parallel zum Strand fuhr ich über das Wasser, und als ich eine Welle sah, brauchte ich nicht lange um mich zu entscheiden.
Ich fuhr sie an und sprang. Nicht vom Brett, sondern mit meinem Brett hoch in die Luft. Ich kam mir vor, als könnte ich fliegen. Erst als ich voll ins Wasser klatschte und merkte, dass Wasser ganz schön hart sein kann, wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Der Schmerz verging relativ schnell. Mein Lachen hatte ich noch am Abend auf den Lippen und immer wieder erzählte ich Carlos von meinem Sprung, der bei jeder Erzählung einen Meter höher wurde.

Die Würstchen dampften auf dem Grill, und immer wenn sich Flammen bildeten, löschten wir diese mit dem Inhalt unserer Bierflaschen. Den Tisch hatten wir gar nicht erst gedeckt. Wir aßen direkt vom Grill und genossen es, Mann sein zu dürfen.
Es gab keine Vorschriften und es gab keine Uhr. Kein, Aber um zehn Uhr bist du doch zu Hause. Oder?
Dafür gab es Freundschaft und Surfen, und da es noch nicht dunkel war, griffen wir nach dem Essen erneut nach unseren Brettern und gingen nochmals aufs Wasser hinaus.

Etwa eine Stunde später war es stockdunkel und somit zu gefährlich, um noch weiter auf dem Wasser zu bleiben.
Wir duschten uns kurz ab und setzten uns gemütlich auf unsere Liegestühle vor das Wohnmobil. Das Bier schmeckte uns, und als wir nach dem zweiten Bier pinkeln mussten, gingen wir nicht ins Wohnmobil.
Heute waren wir echte Männer. Wir gingen zum nächsten Baum und entledigten uns im Stehen. Jeder stand auf einer Seite des Baumes, und als wir uns um den Baumstamm herum ansahen, mussten wir lachen. Carlos stand über mir und war bereits fertig.
Als ich sah, dass sich ein kleiner Fluss dabei war, sich auf den Weg zu meinen Füßen zu machen, packte ich schnell ein und sprang zur Seite.

„Ne Mücke?“, wollte Carlos von mir wissen.
„Nein. Dein Bier.“
„Dann ist ja gut.“, wir grinsten und gingen zurück zu unseren Liegestühlen.

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