Freitag, 23. Februar 2018

Bald wieder!

Freuen wir uns nicht bereits alle darauf?

S T R A N D L E B E N !!!

Das dritte Abenteuer von Jake ...
Immerhin sind ja aller guten Dinger DREI ;-)





Obwohl die Zeit mit Ben großartig war und ich meine Heimat Sylt auch bei Kälte und Regen toll fand, sehnte ich mich nach Sonne - nach Wärme und blauem Himmel. Danach, keine nassen und kalten Pfoten mehr zu bekommen.
Ich wollte die Farbenpracht der Insel endlich auch in anderen Facetten erleben und hatte auch keinen Bock mehr darauf, nach einem Spaziergang trocken gerubbelt zu werden oder mich zum Aufwärmen in meine Decke kuscheln zu müssen.
Auch Ben erging es wie mir. Er sagte es zwar nicht, trotzdem war es mir bewusst, da er immer häufiger einen sehnsuchtsvollen Blick auf die wunderbaren Sommerfotos warf, die unsere Wohnung verzierten. In den letzten Tagen hatte er sogar Fotoalben aus dem Schrank geholt und blätterte unaufhörlich in ihnen herum. Meistens hockte er sich dabei auf den Fußboden und ließ mich daran teilhaben.
Es gab Fotos von Orten, an denen ich bisher noch nicht war. Zum Glück noch nicht, da ich sie so, wie sie von meinem Herrchen auf den Bildern festgehalten wurden, erleben wollte. Sylt hatte Farben und Gegenden zu bieten, die es wahrscheinlich nirgendwo sonst auf der Welt gibt.
Selbst wenn es sie irgendwo geben würde, würde dieser Ort nicht mit meiner Heimat mithalten können. Ich musste über meinen Gedanken lachen. Der Sylt-Virus hatte mich voll erwischt, und ich war mir sicher, dass es keinen schöneren Ort für mein Zuhause geben konnte.
Gedankenversunken lag ich an der Stelle des Sofas, die bereits seit meiner Ankunft zu meinem Stammplatz geworden war. Damals, als ich diese vier Wände zum ersten Mal betreten hatte, lag genau auf diesem Platz eine ebensolche Decke, wie Ben sie auch für mich in seinen Wagen gelegt hatte. Mir war sofort klar, dass dieser Platz mein Rückzugsort werden sollte, und ich fand noch immer, dass mein Herrchen damals eine gute Wahl getroffen hatte.

Mein Blick war jetzt aus dem Fenster gerichtet, und ich beobachtete die Wolken dabei, wie sie in einem schnellen Tempo an unserem Balkon vorbeiflogen.
Ob Sylter Wolken wohl besser schmeckten als die Wolken an anderen Orten? Nachdenklich sah ich zu meinem Herrchen. Wie ich darauf gekommen war? Warum ich überhaupt darüber nachdachte, ob Wolken schmecken? Ich hatte keinen Schimmer, vermutete allerdings, dass es daran lag, dass ich inzwischen zu einem genauso hoffnungsvollen Träumer wie Ben geworden war.
„Sylter Wolken schmecken.“ Als wenn mein Herrchen mich verstanden hatte, kam prompt eine Antwort. Zufrieden rollte ich mich zusammen und schloss die Augen. Einmal mehr hatte das Leben mir bewiesen, wie besonders dieses WIR war.

Als meine braunen Schlappohren vorsichtige und leise Schritte vernahmen, wusste ich, dass sich auch in wenigen Sekunden das Sofa bewegen würde. Also, natürlich lediglich die Sitzkissen, da Ben sich neben mich setzen würde.
Okay, ich hatte es nicht nur ausschließlich an den Bewegungen erkannt. Mein ausgeprägtes Zeitgefühl für unsere Rituale war ebenfalls daran schuld.
Es war jetzt die Zeit für meine Ohren. Jeden Abend gegen 20 Uhr wurde ich zur „Cremeschnitte“. Seit Wochen war es bereits so, da ich diese dusselige Ohrspitzenkrankheit hatte. Leider hatte ich sie wie viele andere griechische Straßenhunde auch. Nachdem wir damals einige Tage dieses Ebenolzeugs benutzt hatten, wurden sie jetzt zum Glück nur noch mit Melkfett eingerieben. Allerdings störte es mich nicht mehr. Es gehörte zu meinem Leben dazu, und es gab durchaus schlimmere Dinge. Ja, die gab es allerdings. Viele musste ich in meiner Vergangenheit als Straßenhund erleben. Gegen all diese Sachen war, Ohren eingecremt zu bekommen, wie ein Leben auf dem Ponyhof.
Vielleicht sogar wie reiten auf einem Einhorn. Ich amüsierte mich, da ich noch nie ein Einhorn gesehen hatte. Manchmal glaubte ich sogar, dass es gar keine gab. Allerdings hielt ich es wie Ben. Wenn man an etwas glaubt, wird man es irgendwann auch erleben. Außerdem war Träumen erlaubt.
Erst neulich hatte ich in meinem Traum ein rosafarbenes Einhorn getroffen. Ein niedliches Wesen war es, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass es in einem coolen Blau auf mich zugekommen wäre.
Ach ja - die Ohren! Ich war schon wieder in meine Wunschwelt gerutscht und hatte dadurch vergessen, Ben meine Schlappohren zu präsentieren. Nein, es nervte mich wirklich nicht. Ganz im Gegenteil, es war ein cooles Ritual, da wir anschließend immer direkt in unsere Kuschelphase übergingen.
Mach schon. Wie lange soll ich die Lauschlappen denn noch so halten? Irgendwie war Ben abgelenkt.
„Gleich, kleiner Mann. Sei mal kurz leise.“
Leise? Hast du 'nen Knall? Ich hab gar nix gesagt, und zu denken wird ja wohl noch erlaubt sein.
„Gleich, Jake. Hör doch mal.“ Gebannt hatte Ben seinen Blick zum Fernseher gerichtet.
Tagesschau. Ja und? Ist mal wieder etwas Schlimmes passiert? Ach nö. Kein Krieg und kein Anschlag. Bitte nicht schon wieder. Auch wenn ich nicht immer alles kapierte, worüber in der Tagesschau berichtet wurde, hatte ich durchaus geschnallt, dass es viel zu viele Idioten auf der Welt gab.
„Hast du das gehört?“ Ben strahlte vor Freude.
Äh … Nein … Ich habe geträumt. Was ist passiert? Habe ich etwas Tolles verpasst? Es konnte nur was Schönes gewesen sein, da mir mein Herrchen ansonsten nicht dieses Dauergrinsen auf seinem Gesicht präsentieren würde.
„Das Wetter, Jake, wir bekommen Wetter.“
Was redest du denn für ein wirres Zeugs? Wir bekommen Wetter? Wir haben jeden Tag Wetter. Leider nur kein schönes. Kopfschüttelnd sah ich zu meinem Herrchen.
„Ab morgen wird es gut. Der Frühling kommt. 18 Grad haben sie angesagt und dazu noch strahlenden Sonnenschein.“
Und das glaubst du denen? Schau mal raus, du naives Kerlchen. Es weht wie verrückt, und der Himmel ist voller schwarzer Wolken. Okay, es ist auch schon dunkel draußen. Aber Wolken sind dort trotzdem reichlich. Noch immer kopfschüttelnd amüsierte ich mich darüber, dass Ben den Wetterfuzzis auch heute wieder vertraute.

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