Freitag, 26. Januar 2018

LeseSpaß!

Way of Love

Sexy Holidays





Beachboys




Mit meinem Handtuch über dem Arm und einem alkoholfreien Cocktail in der Hand stapfte ich durch den warmen, weichen Sand auf der Suche nach einer freien Sonnenliege. Leider gestaltete sich die Sache nicht so einfach. Wie bereits oft, wenn ich im Urlaub gewesen war, schüttelte ich innerlich den Kopf, als ich die vielen Liegen sah, die mit Handtüchern reserviert waren. Von den Besitzern war weit und breit nichts zu sehen, vermutlich hielten sie sich nicht mal hier am Strand auf. Keine Tasche, kein Buch, kein Glas auf dem dazugehörigen Tischchen deutete darauf hin, dass diese Plätze tatsächlich belegt waren.

Woher kam nur diese angeblich typisch deutsche Eigenschaft, bereits bei Sonnenaufgang die besten Liegen zu vereinnahmen? Ich konnte es nicht begreifen. Schon in anderen Urlauben war es mir aufgefallen. Immer wieder konnte ich beobachten, dass die Handtücher den ganzen Tag über einsam auf den Sonnenliegen blieben und kein Mensch sich zu ihnen gesellte, um sich darauf niederzulassen. Oftmals kamen erst am späten Nachmittag die Besitzer – um die Handtücher einzusammeln und wieder zu verschwinden. Ich konnte es nicht begreifen und würde es vermutlich auch nie verstehen. Warum reservierte man eine Liege, die man den ganzen Tag nicht nutzte, und nahm damit anderen Urlaubern die Möglichkeit, sich dort hinzulegen?

Bevor ich mich darüber ärgerte, ging ich schnell weiter. Ich hatte im hinteren Bereich einen freien Platz entdeckt, auf dem ich mich nun niederließ.

Entspannt und zufrieden ließ ich meinen Blick zwischen den Liegen hindurch über den Strand und die leichten Wellen des Meeres gleiten. Ja, es war die richtige Entscheidung gewesen, spontan diesen Urlaub zu buchen. Lächelnd dachte ich zurück an den Tag vor genau einer Woche, als ich bei meiner Freundin im Reisebüro gesessen hatte. In Hamburg hatte es bei unangenehmen 15 Grad Bindfäden geregnet, und da der Wetterbericht auch für die nächsten Tage keine Besserung versprach, hatte ich beschlossen, in die Wärme zu fliegen. Wenn der Juli in Hamburg schon derart beschissen war, wollte ich anderswo ein wenig Sonne tanken.

So war ich mit den Worten: „Du musst mir unbedingt was buchen! Ich brauche jetzt Sonne!“, in das Reisebüro gestiefelt, in dem meine Freundin Nicki arbeitete, und hatte mich vor ihrem Schreibtisch auf den freien Stuhl fallen lassen.

Ich musste ihr nicht viel erklären, was ich mir vorstellte. Als meine beste Freundin kannte sie mich und meinen Geschmack gut genug.

Schon bald hatte sie drei infrage kommende Hotels für mich herausgesucht, die sie mir gleich auf ihrem Schreibtisch präsentierte. Nacheinander zeigte sie mir die Seiten der ausgewählten Hotelanlagen und sprach beim dritten auch eine Empfehlung aus.

„Also ich finde das hier für dich am besten“, sagte sie und deutete auf eine Seite im Reisekatalog. „Die Anlage hat super Bewertungen. Sie liegt direkt am Strand, hat All-inclusive-Verpflegung, eine tolle Poolanlage und reichlich Animation, falls du mal die Nase voll hast vom Strand.“

„Animation brauche ich nicht. Ich mache selbst genug Animation, wenn ich arbeite – ich möchte einfach nur meine Ruhe haben und Sonne tanken“, unterbrach ich meine Freundin. 

„Du musst ja nicht mitmachen, wenn du nicht willst. Es wird dich keiner zwingen. Aber hier gibt es noch mehr. Es läuft fast jeden Abend ein Showprogramm und eine Disco ist auch auf dem Gelände. Es ist bei Singles sehr beliebt und der Vorteil ist – es ist ab 18“, erklärte sie mit einem breiten Grinsen.

Bei den Worten „Ab 18“ gepaart mit Nickis Gesichtsausdruck sprang mein Kopfkino an. Ich konnte mir bildlich vorstellen, was da abgehen musste, und das entsprach nicht dem, was ich mir von meinem Urlaub vorstellte. Sofort wiegelte ich ab.

„Also ich wollte jetzt nicht in einen Swingerklub reisen. Mag ja sein, dass ich nach einem Jahr Singledasein ein wenig untervögelt bin, aber so was … Nee, lass mal.“ Nicki lachte laut auf und schüttelte den Kopf.

„Doch nicht das, was du denkst, Lotta! Ich wollte damit nur sagen, dass du kein nerviges Kindergeschrei am Pool ertragen musst. Keine halbstarken Kids, die vom Beckenrand springen und dich auf deiner Liege nass spritzen. Das ist kein Swingerklub, es kommen einfach nur Leute ab 18 rein. Das machen mittlerweile viele Hotels, das ist nichts Ungewöhnliches mehr. Ich dachte, wenn du schon Urlaub hast, möchtest du mal abschalten von den Kids. Wie du selbst sagst, in deinem Job bist du die Animateurin.“

Jetzt musste ich auch lachen. Da hatte ich meine Freundin ja mal so richtig schön falsch verstanden. Vielleicht war mein Wunsch nach Sex doch inzwischen so groß, dass ich in „ab 18“ gleich eine Zweideutigkeit hineinbaute.

Nachdenklich schaute ich auf die Bilder im Katalog und las die Hotelbeschreibung. Ja, womöglich hatte sie recht und ein Hotel ab 18 wäre wirklich das Richtige für mich. Ich hatte nichts gegen Kinder – im Gegenteil, ich liebte sie sehr! Ansonsten wäre ich in meinem Job auch vollkommen falsch. Als Erzieherin in einem Kindergarten hatte ich fünf Tage die Woche, acht Stunden am Tag einen Lautstärkepegel von gefühlten 273 Dezibel um mich herum. Da waren zwei Wochen ohne Kinder wirklich mal ganz schön. Außerdem kannte ich mich selbst gut genug. Wenn ich Kinder um mich hatte, schaltete ich in den Aufpassermodus. Ich behielt sie immer im Auge und schaute, dass ihnen nichts passierte. Dieses Verhalten war so in mir verankert, dass ich es nicht einfach abschalten konnte.

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