Freitag, 7. April 2017

Träumen :-)

Oder auch

... Ein Traum von Sylt!


Während ich mich auf den Weg zurück zu meinem Jeep machte, stand Hasi auf einer Leiter und wechselte, auf dem Hof unseres Anwesens, eine Glühlampe aus.

Für ihn war diese Arbeit mindestens genauso gefährlich wie für mich, da wir beide schon bei niedrigsten Höhen eine tierische Höhenangst bekamen.
Als er wie aus dem Nichts angesprochen wurde, fiel er fast von der Leiter und kletterte, mit einer Mords Wut im Bauch und fiesen Schimpfwörtern im Kopf, von der Leiter hinab. Kurz bevor er loslegen wollte, drehte er sich um und sah in zwei wunderschöne, etwas verunsicherte Augen.
„Hallo, Casimir“, hörte er die Frau sagen.
„Guten Tag, Frau Falkenstein. Ach quatsch, Guten Tag, Pia.“

Jetzt schwiegen beide und wäre es ein Comic, so würde man, in den über den Köpfen schwebenden Gedankenblasen, jetzt folgende Texte lesen können:
„Was will Pia denn hier? Grad jetzt, wo Ben nicht da ist.“
„Ob es wirklich richtig war, hierher zu kommen? Casimir schaut mich so komisch an!“

Pia war es, die das Schweigen unterbrach und dabei mit einem Brief in der Hand fuchtelte.
„Ich habe doch bei der Eröffnungsfeier diesen Übernachtungsgutschein gewonnen. Den würde ich jetzt gerne einlösen.“
„Jetzt?“, fragte Hasi. „Warum gerade heute?“
„Weil ich ihn doch irgendwann mal einlösen muss und ich außerdem gerade heute den Mut hatte, hierher zu kommen. Ist Ben auch da?“
„Genau das ist es doch Pia. Ben ist gestern Abend abgereist und ich kann Dir nicht genau sagen, wann er wieder da ist. Er musste dringend nach Hamburg.“

Pias Gesichtsausdruck wurde immer trauriger. Enttäuscht sah sie Hasi an und fragte.
„Darf ich trotzdem bleiben? Oder ist es besser, wenn ich gehe? Vielleicht ist es grade gut, wenn ich meinen Gutschein einlöse, wenn Ben nicht da ist. So sehen wir uns nicht wieder und nur so ist es für mich möglich, ihn endlich zu vergessen.“
„Warum um alles in der Welt willst Du Ben vergessen?“
„Na zum einen, da er mir zuletzt immer aus dem Weg gegangen ist und zum anderen, damit ich mich nicht in die Beziehung von Ben und dieser Porschefahrerin einmische. Da ihr Wagen nicht auf dem Hof steht, gehe ich davon aus, dass Ben mit Ihr in Hamburg ist.“
„Du meinst Sandra!? Ben und Sandra? Da bist Du auf dem falschen Dampfer. Was zwischen den beiden war, ist eine Ewigkeit her. Die zwei haben einfach nur geschafft, gute Freunde zu bleiben. Außerdem ist Sandra Teilhaberin an diesem Anwesen.“

Als Hasi weiterreden wollte, wurde er von einem heranflitzenden Porsche unterbrochen. Sandra kam zurück von einem Geschäftsfrühstück und sah sehr glücklich aus.

„Moin, Hasi, Hallo Frau Falkenstein. Ist Ben in der Küche? Ich habe gute Neuigkeiten.“
„Nein, Ben ist nicht da.“
„Dann wird er wohl bald wiederkommen. Sag mir Bescheid, wir drei müssen uns dann sofort treffen und beratschlagen. Es ist eine einmalige Chance für uns und wir haben nicht mehr viel Zeit zum Überlegen. Es ist ein kleines Wunder, dass wir überhaupt Zeit bekommen haben.“
„Ben ist in Hamburg und ich kann Dir nicht sagen, wann er wieder da ist. Er ist gestern, nachdem der Anwalt da war, sofort losgefahren.“
„Ist etwas schlimmes passiert?“, wollte Sandra wissen.
„Nein, im Gegenteil“, antwortete Hasi.
„Dann rufen wir Ben doch einfach schnell mal an“, schlug Sandra vor und bekam von Hasi zu hören, dass Ben sein Handy ausgeschaltet hat und sich bald melden wird.

Diese Antwort war Sandra nicht genug.
„Was bedeutet das? Wann ist er wieder da?“
„Das, liebe Sandra, weiß ich leider auch nicht. Aber Ben, wird uns und das Anwesen, bestimmt nicht lange alleine lassen.“
„Dann fahre ich jetzt gleich nach Hamburg und suche Ben. Er wird ja bei seinen Eltern oder bei Fiete und Lola sein. Ich gehe packen“, sagte Sandra und war bereits auf dem Weg in ihre Wohnung.
„Lass es besser bleiben Sandra. Ben ist in einem Hotel und ich vermute, Du wirst Ihn weder finden noch überzeugen.“
„Wenn jemand seine Lieblingsplätze kennt, dann wohl ich“, rief Sandra und ging weiter.
„Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen. Aber diese Plätze kennst nicht mal Du. Selbst ich kenn nur den einen und weiß von dem anderen nur von Erzählungen. Wo er ist, habe ich aber keine Ahnung.“
„Also Hasi, was machen wir? Willst Du nach Hamburg fahren? Sandra klang nun etwas verzweifelt.
„Nein, auch ich fahre nicht. Aber ich habe eine Idee“, als Hasi diesen Satz sagte, sah er kurz zu Sandra, schwenkte sein Blick allerdings sofort weiter auf Pia.

„Du fährst, Pia. Ihr habt sowieso noch einiges zu klären und wenn Ben eine Person sehen möchte, dann dich!“
„Mich? Wie kommst Du denn auf diese verrückte Idee. Ben will gar nichts von mir wissen und sehen will er mich bestimmt sowieso nicht. Außerdem ... „
„Was außerdem?“, fragte Hasi.
„Außerdem weiß ich nicht, ob ich Ben überhaupt sehen will.“
„Quatsch!“
„Warum sagst Du Quatsch, Casimir. Du kennst mich doch gar nicht richtig.“
„Ganz einfach. Du bist hier und Du würdest hier nie stehen, wenn Du Ben nicht hättest sehen wollen. Komm mit, ich sage Dir, wo er sein könnte.“

Ich war inzwischen bei Oma Anna und saß wie fast immer, auf der steinernen Bank, vor dem Rhododendron.

Doch heute war es etwas anders als sonst.
Normalerweise erzähle ich sehr viel von den Dingen, die in der letzten Zeit passiert waren. Ich informierte Oma Anna über mein Erbe, über das Anwesen und wie wir es nach und nach aufgebaut hatten.
Oma Anna war ebenfalls immer auf dem neuesten Stand meiner Frauengeschichten und allen gemeinsamen Erlebnissen von Hasi und mir.
UND Oma Anna kannte Pia. Doch heute war ich nun schon fast eine Stunde still.

Als ich heute bei ihr angekommen war, fehlten mir zunächst die richtigen Worte. Doch dann bedankte ich mich für alles, was sie getan hatte, damit ich meinen Traum leben konnte und nicht mehr nur mein Leben träumen musste.
Ich erzählte Oma Anna von dem DANKE, dass ich in unseren Baum geschnitzt hatte und davon, dass der Reiher wie immer in der Flussbiegung stand.
Nur von Pia erzählte ich heute nichts.

Ich wusste einfach nicht, was ich meiner Oma Anna von Pia erzählen sollte. Ich liebte sie, dass war mir genauso klar, wie ich mir sicher war, dass es keinen Sinn hatte, weiter an Pia zu denken. Unsere letzten Treffen waren zu merkwürdig verlaufen und ich war mir sicher, dass Pia, diesen in meinen Augen beknackten Fernsehanwalt nie verlassen würde.
Nie, würde sie das Highsociety Leben, gegen ein unsicheres Leben mit einem Typen wie mir aufgeben.
Nie, würde sie ihre Glamourpartys, gegen das Leben mit mir und meinen Freunden, auf unserem Anwesen, tauschen.
Auf keinen Fall, hätte eine Beziehung zwischen Pia und mir, auch nur die geringste Chance.
Ich, wäre nur eine willkommene Abwechslung, für eine verwöhnte und garantiert eingebildete Frau, die nur ein Abenteuer für einen, aus meiner Sicht, viel zu kurzen Zeitraum suchte.

Und so verließ ich meinen Platz auf der Bank aus Stein, kniete mich nochmals vor dem Grab von Oma Anna hin und legte ihr eine große Sonnenblume vor den schlichten grauen Grabstein.

Oma Anna liebte Sonnenblumen und deshalb brachte ich ihr bei fast jedem Besuch eine, dieser wunderschönen Blumen, mit.

Ich verabschiedete mich bei Ihr und versprach, morgen, vor meiner Rückreise nach Sylt, nochmals bei ihr vorbeizuschauen.
Während dieser Worte liefen wieder meine Tränen und ich war mir nicht sicher, ob es wieder Tränen aus Dankbarkeit für Oma Anna oder Tränen aus der Gewissheit heraus waren, dass ich mich gerade von meiner Beziehung mit Pia getrennt hatte.
Von einer Beziehung, die leider niemals eine Beziehung gewesen ist.

Ich wollte mich nun zunächst wieder in die wartende Arbeit und unsere offenen Zukunftspläne, auf dem Anwesen, kümmern. Allerdings, erst ab morgen. Heute wollte ich noch Fiete und Lola, sowie meine Eltern, besuchen.


Und gibt es den kompletten Roman :-)



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