Montag, 3. April 2017

Der Tag davor!

Aufgeregt war ich!

Und so habe ich ausgesehen ;-)


Wie wäre es mit einem Schnipselchen?

Dann kam der 30. Januar. Irgendwie herrschte heute Aufregung im Haus meiner Pflegefamilie. Irgendwann hatte sogar ich mitbekommen, weshalb es so war. Nach einigen Tagen ohne Besuch wollte mal wieder jemand kommen, um mich anzusehen.
Muss das sein? Mich will doch sowieso niemand! Genau diese Gedanken hatte ich in meinem Kopf. Sogar unsere morgendliche Runde war ausgefallen. Es ging nur kurz an die Straße, damit ich dort mein Geschäft erledigen konnte. Als die Zeiger der Uhr angezeigt hatten, dass es zehn Uhr war, klingelte es auch schon.
Immerhin ist der Kerl pünktlich. Warum auch immer es mir in diesem Augenblick wichtig war, ich hatte keinen Schimmer.
Natürlich blieb ich auf meinem Sessel liegen. Besser gesagt, ich verzog mich noch weiter in eine Ecke des Sessels hinein und sah dabei zu, wie die beiden Haushunde zur Tür liefen.
Kurze Zeit später kamen alle zurück in das Wohnzimmer. Alle? Nein, es war noch jemand dabei. Der fremde Mann musste der Typ sein, der für die Hektik am heutigen Morgen verantwortlich war. Doch nicht nur das. Wegen ihm durfte ich, anstatt eine Hunderunde zu drehen, nur kurz auf den kleinen Grünstreifen vor unserem Haus.
Wie auch immer. Heute hatten die Menschen Besuch bekommen. Erneut kam jemand Fremdes in dieses Haus, das niemals mein Haus und erst recht niemals mein Zuhause werden würde.
Doch irgendwie fühlte es sich heute anders an. Der Mann, der sich meiner Pflegefamilie mit dem Namen Ben vorgestellt hatte, lächelte ziemlich häufig in meine Richtung. Er tat es von seinem Platz aus, während er dabei einen Kaffeebecher in der Hand hielt. Dieser Ben machte keine Anstalten, mich zu streicheln. Er hatte nicht mal die Idee, mich kurz zu berühren. Nein, er ließ mich sein, wie ich war. Ich wurde nicht aufgefordert, zu ihm zu kommen. Sollte nicht Pfötchen geben oder vor ihm Sitz machen. Er saß einfach auf seinem Platz und schenkte mir ein freundliches Lächeln.
Die Menschen redeten miteinander. Er stellte Fragen über mich und schien interessiert an allem zu sein, was mich betraf.
„Wird der Hund noch größer?“ Mit „der Hund“ war ich gemeint.
Hey, ich habe einen Namen. Zwar einen Blöden, aber immerhin einen, der mir besser gefiel, als einfach nur Hund genannt zu werden.
„Archie ist jetzt ungefähr 41 Zentimeter hoch. Viel größer wird er nicht werden. Vielleicht noch zwei Zentimeter.“
„Okay.“ Was Ben mit diesem Wort ausdrücken wollte, wusste ich nicht. War ich ihm zu klein? Oder vielleicht sogar zu groß?
„Welche Rassen sind eigentlich in dem kleinen Kerl vermischt?“ Während seiner Frage sah er zu mir.
„Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Niemand weiß es. Dafür kann ich Ihnen aber sagen, dass Archie bereits kastriert ist. Leider wurde er es zu früh. Daher weiß er selbst nicht, dass er ein Rüde ist.“
WAS WEISS ICH NICHT? Was denkst du eigentlich, wie blöd ich bin? Entsetzt sah ich zu meinem Pflegevater.
„Okay.“ Erneut sagte Ben lediglich dieses eine Wort.

Dann wurde es still. Ben stellte keine Frage mehr, und auch die anderen hatten lediglich einen erwartungsvollen Ausdruck auf ihrem Gesicht.
Die beiden Hunde meiner Pflegefamilie hatten inzwischen immer wieder aufs Neue versucht, an Streicheleinheiten bei diesem Ben zu gelangen. Doch sie bekamen keine. Zusammengekauert in meiner Ecke, amüsierte ich mich köstlich darüber. Unser Besuch hatte keinen Bock auf die beiden Haushunde. Ja, er ignorierte sie ebenso, wie ich es tat. Er war ein Typ wie ich, und ich musste mir eingestehen, dass mich genau dieses Verhalten neugierig auf ihn machte.

Dann drangen wieder Worte in meine Ohren.
„Archie kann nicht richtig sein Geschäft verrichten. Da er nicht weiß, dass er ein Junge ist, pinkelt er breitbeinig und hebt dabei kein Bein. Leider landet dadurch das meiste auf seinen Vorderpfoten, die daher immer wieder gewaschen werden müssen.“ Mein Pflegevater schien in Redelaune zu sein.
Halt doch einfach mal den Mund. Musst du die ganzen Insider verraten? Warte mal ab, ich werde es selbstverständlich noch lernen.
Was waren das nur für Menschen? Warum sagten sie solche Dinge über mich? Meine Schwester hatte mir gezeigt, wie man sein Geschäft erledigte und ehrlich gesagt, war es doch auch vollkommen egal, wie man pinkelt. Ich war echt entsetzt darüber, wie meine Pflegefamilie über mich sprach. Warum nur stellten sie mich vor unserem Besuch als Vollhonk dar?
Diesen Ben schien es jedoch nicht weiter zu interessieren. Während diese Sätze gesagt wurden, sah er mich einfach nur an. Er hatte einen ähnlichen Blick wie ich. Wir brauchten keine Worte und keine Berührungen. Wir verstanden uns einfach so. Dann sprach der Mann aus meiner Pflegefamilie weiter.
„Auf seinen Namen hört er auch nicht, und da er so ängstlich ist, kann Archie auch nur an der Leine seine Spaziergänge machen. Sie werden eine Hundeschule mit ihm besuchen müssen. Intensiv lernen, damit er ein normaler Hund wird.“
Ein normaler Hund? Hatte ich richtig zugehört? Was bildete sich der denn bitte ein? Ganz ehrlich, so … Meine Gedanken wurden von Ben unterbrochen.
„Ich finde, dass der kleine Mann ein ganz normaler Hund ist.“ Wie geil war das denn? Ich klappte meine Ohren nach vorne und war gespannt, was dieser Ben noch so von sich geben würde. Er hatte mich eben in Schutz genommen. Ben war es egal, was andere über mich sagten oder dachten. Er hatte sich längst ein eigenes Bild über mich gemacht. Ganz ohne Vorurteile, die ihm von anderen aufgeschwatzt wurden

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