Mittwoch, 11. Januar 2017

Kommt ihr mit

... auf Männertour?

Ich lass mal eine Leseprobe da.
Vielleicht macht sie ja Neugierig auf mehr?! ;-)

Als E-Book hier:

Abfahrt


„Bist du schon wach?“, stand in der WhatsApp von Anton.
Leider schaute ich erst auf die Uhr, nachdem ich mit einem „Jetzt ja“ geantwortet hatte. Ansonsten hätten garantiert noch andere Worte in meiner Nachricht gestanden. Es war noch nicht einmal sechs Uhr, und Carlos wollte mich erst in vier Stunden abholen, damit wir anschließend gemeinsam weiter zu Anton fahren konnten. Mein Telefon klingelte, und auf dem Display konnte ich den Namen Anton Notna erkennen. Allerdings hätte ich auch, ohne auf das Display zu schauen, den Anrufer mit einem vorwurfsvollen „Anton, was willst du?“ begrüßen können. Wer sonst hätte zu dieser Uhrzeit und nach der WhatsApp von vor fünf Minuten wohl anrufen sollen?
„Nick, ich kann nicht mehr schlafen. Ich bin total aufgeregt und habe auch ein wenig Angst vor dem, was kommt“, sagte Anton und ich konnte ihn ja sogar verstehen. Mir erging es ähnlich, außer, dass ich ohne seine Nachricht jetzt noch schlafen würde.
„Hey Toni, alles wird gut. Wir machen das Richtige. Du wirst es sehen.“ Anton meckerte nicht einmal darüber, dass ich ihn eben Toni genannt hatte und das, obwohl er es sonst hasste.
„Sag mal Nick, willst du nicht schon jetzt zu mir kommen? Wir könnten dann gemeinsam frühstücken gehen und zusammen darauf warten, dass Carlos uns abholt.“
„Zu dir kommen ist schlecht, weil meine Eltern erst gegen neun Uhr den Briefkastenschlüssel abholen, und außerdem würde mein Wagen dann die ganze Zeit bei dir stehen und nicht in der Garage. Aber pass auf, ich mache mich schnell fertig und dann hole ich dich ab. Auf dem Rückweg halten wir im Schweinske und dann warten wir zusammen bei mir auf unseren Routenplaner.“
„Super, bis gleich.“ Die Erleichterung war in seiner Stimme zu hören. Allerdings war ich auch froh darüber, die nächsten Stunden nicht alleine verbringen zu müssen.
Wir bestellten unser Frühstück und Anton fragte, ob ich auch meine Joggingsachen eingepackt hätte. Klar hatte ich, allerdings hatte ich vergessen, meine Badeshorts und Sonnenbrille rauszulegen. Ich schnappte mir einen Bierdeckel und notierte beides darauf, bevor ich ihn in meiner Hosentasche verstaute. Anton erzählte mir, dass er gestern noch wegen seiner Knieschmerzen beim Arzt war und jetzt wusste, dass die Schmerzen bei längerer Belastung deshalb da sind, da er eine leichte Arthrose im Knie hatte. Aber der Arzt meinte auch, dass es noch nicht ganz so schlimm sei und er ruhig weiter Sport machen könnte. Er sollte dabei nur nicht übertreiben. Dann grinste er und fing an, von der tollen Arzthelferin zu schwärmen.
„Nick, du glaubst nicht, wie hübsch die war. Ein solches Lächeln hast du noch nicht gesehen. Die Augen von ihr haben mit gelächelt und ihre Ausstrahlung war einfach genial.“
„Wie heißt sie?“, wollte ich wissen.
„Frau Plate.“
„Wie witzig! Meinst du nicht, dass mich ihr Vorname mehr interessiert?“
„Den weiß ich nicht.“
„Warum kennst du ihren Nachnamen, aber den Vornamen nicht? Habt ihr euch gesiezt?“
„Nein, natürlich geduzt.“
„Und den Vornamen deiner Traumfrau hast du von gestern auf heute vergessen?“
„Ich habe den Vornamen nicht vergessen, da ich diesen nicht gekannt habe.“
„Verstehe ich nicht.“
„Den Nachnamen kenne ich von ihrem Namensschild.“
„Hast du nicht nach dem Vornamen gefragt?“
„Nee, mir fiel nichts ein, um ein Gespräch mit ihr zu beginnen.“
„Dir fiel nichts ein? Du bist doch der, der jede Frau vollquatscht.“
„Aber nicht, wenn es eine solch tolle Frau ist.“
„Die Handynummer hast du aber. Oder?“
„Nein.“
„Du Amateur! Na ja, du wirst ja die Nummer der Praxis haben.“
„Ja, die habe ich.“
„Na dann rufe sie doch einfach dort an, du kennst ja ihren Nachnamen.“
„Geht nicht. Die Nummer habe ich auf einem Zettel notiert und der hängt an meiner Pinnwand.“ Erst jetzt fiel mir auf, dass er mir gestern gar nichts von seiner Arzthelferin erzählt hatte und auf meine Frage, warum nicht, erzählte er:
„Ich wollte nichts von ihr erzählen, da ich sie vergessen wollte, weil wir doch heute auf Männertour fahren. Hat aber nicht funktioniert.“
Nach dem Frühstück fuhren wir zu mir und mussten nur noch eine halbe Stunde auf Carlos warten. Meine Eltern kamen, holten den Briefkastenschlüssel ab und verschwanden relativ schnell wieder. Sie konnten noch immer nicht verstehen, dass ich für vier Monate durch die Weltgeschichte düsen wollte. Ich glaube, sie waren zu konservativ dafür. Früher gab es so etwas halt nicht. Erst vier Wochen Urlaub machen und anschließend drei Monate unbezahlt frei zu nehmen, war für sie eine fremde Welt. Aber da mussten sie jetzt durch. Genau wie ich da durch musste. Immerhin waren es meine Eltern. Ich wurde von ihnen erzogen und hatte natürlich eine Menge von ihnen mitbekommen. Mir war auch etwas unwohl dabei. Vor allem, je dichter die Abfahrt kam. Aber es musste einfach sein …
Einfach verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen, war das Motto, das nun für uns gelten sollte.
Endlich war Carlos da und wir begannen damit, unser Gepäck im Wohnmobil zu verstauen. Carlos meinte irgendwann, ob wir eigentlich noch alle Tassen im Schrank hätten. Ich verstand ihn, denn irgendwie hatten wir schon ziemlich viel Gepäck im Flur stehen, welches im Wohnmobil untergebracht werden musste. Anton verstand ihn nicht ganz, da er gerade mit zwei Taschen beladen im Treppenhaus stand. Er stellte die Taschen ab und kam zurück.
„Klar haben wir. Warte kurz.“ Anton ging in meine Küche und stand einige Sekunden später mit drei Bechern in der Hand vor Carlos. Mit einem
„Hier Bitte. Nimmst du die Becher, oder soll ich sie ins Wohnmobil bringen?“ streckte er Carlos die Becher entgegen.
„Was soll ich damit?“, wollte Carlos wissen, während ich lachend in der Küchentür stand.
„Du wolltest doch Becher haben“, entgegnete Anton. Carlos nahm die Becher und trug sie kommentarlos zurück in die Küche. Da sich meine beiden besten Freunde bestens bei mir auskannten, stellte er die Becher auf ihren Platz zurück, griff sich eine der Taschen, die im Flur standen, und trug dies kopfschüttelnd zum Wohnmobil.
„Was hat er? Eben wollte er noch welche haben.“ Anton sah mich verständnislos an.
„Mach dir keinen Kopf. Alles ist gut.“
Endlich war alles verstaut, zumindest fast alles, da ich den beiden noch nichts von unserer weiblichen Begleitung gebeichtet hatte.
„Äh, Jungs. Wartet mal kurz, ich muss euch noch etwas sagen.“
„Was gibt's? Willst du auch noch drei Becher mitnehmen?“, fragte Carlos und setzte ein ironisches Lächeln auf.
„Nein, will ich nicht.“ Wir beide lachten und Anton stand mit einem Fragezeichen über seinem Kopf neben uns und fragte:
„Also doch Becher? Warum hast du sie eben wieder weggestellt?“
„Willst du mich verarschen?“ Carlos war etwas genervt.
„Nein. Wie kommst du darauf?“
„Anton, wir brauchen keine Becher. Bitte lass sie im Schrank!“ Anschließend sah Carlos zu mir und meinte:
„So Nick, jetzt du. Was willst du noch beichten? Ich warne dich, fang bloß nicht wieder von der Wii oder dem anderen Mist an.“
„Bobby muss mit.“
„Klar, mit Terrarium.“ Carlos lachte.
„Nein, ohne.“
„Ach, wir lassen sie einfach im Wohnmobil laufen.“ Carlos lachte weiter.
„Nein, ich habe gestern ein neues Gehege für Bobby gebaut.“ Nun lachte Carlos nicht mehr, sondern ging in mein Wohnzimmer. Anton folgte ihm, während ich lieber im Flur stehen blieb. Meiner Meinung nach war es besser, in diesem Augenblick etwas Abstand von Carlos zu halten. Jetzt war es Anton, der lachte. Carlos zeigte mir lediglich einen Vogel.
Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt und damit gerechnet, eine ganze Menge Überzeugungskraft und vielleicht sogar Erpressungsversuche aufbringen zu müssen. Aber der Drops war schneller gelutscht als gedacht. Anton schnappte sich Bobbys neues Gehege und trug es zum Wohnmobil. Carlos konnte es sich nicht verkneifen zu fragen, ob ihn noch weitere Überraschungen erwarten würden. Ich begann von der Wii zu sprechen, doch noch bevor ich meinen Satz beendet hatte, flog mir ein Sofakissen mitten ins Gesicht. Als ich mit meiner erneuten Steckdosenrunde fertig war und die Haustür abgeschlossen hatte, drehte ich mich kurz zur Wohnungstür um. Ich zog nochmals am Griff, ob die Tür auch richtig verschlossen war und blickte dabei auf mein Namensschild. Eine Träne kullerte, als ich las: Hier wohnen Bibi, Nick und Bobby.
Anton hatte mir schon diverse Male gesagt, dass ich das Türschild endlich durch ein anderes ersetzten sollte. Aber ich brachte es einfach nicht über mein Herz. Ich hatte in der Wohnung alles verändert, aber ein Zeichen unserer Liebe musste bleiben. Schließlich war Bibi über viele Jahre meine große Liebe gewesen und ich war mich sicher, niemals wieder so lieben zu können.
„Freudentränen oder Abschiedstränen?“, fragte mich Carlos. Anton war still, er wusste, welche Bedeutung meine Tränen hatten.
„Ich hab nur was im Auge. Los Alter, gib Gas.“

Mit einem „Ab in die Freiheit“ drückte Carlos auf das Gaspedal und unsere Tour begann.


Als Print gerne direkt über mich :-)


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