Montag, 16. Januar 2017

Die Klingel klingelt ;-)

Oder, was so alles passieren kann

... wenn man ganz schön aufgeregt ist ... !

Aber nie im Leben hätte ich es zugegeben ... Mal ehrlich, warum sollte ich aufgeregt sein?
Ausgerechnet ich, der vor NICHTS & NIEMANDEM Angst hat ... ;-)

Aber lest doch einfach selbst ...




Klingeln ist schön

>>So ein Quatsch. Sag mir doch, warum ich aufgeregt sein sollte?<<
>>Eventuell wegen nachher?<<
>>Nein. Auf keinen Fall.<<
>>Und warum tigerst Du seit kurz vor sechs Uhr durch die Wohnung?<<, Carlos grinste.
>>Ich hatte zuletzt einfach zu viel Schlaf.<<
>>Genau.<<, nun grinste Carlos nicht mehr. Er lachte!

Es klingelte und ich öffnete Franky die Tür.
Mit einer großen Tüte Brötchen in der Hand kam er herein und sah mich fragend an.
>>Wieso habt ihr schon Brötchen?<<
>>Gute Frage. Ich dachte ja, weil Nick aufgeregt ist und deshalb nicht mehr schlafen konnte. Aber dies scheint nicht der Grund zu sein.<<, Carlos hatte sich, jetzt wieder grinsend, eingemischt.
>>War Nick etwa Brötchen holen?<<
>>Ja.<<
>>Dann ist er aufgeregt.<<
>>Ihr könnt mich mal. Alle beide.<<
>>Wenn sich dann deine Aufregung legt, machen wir es sogar. Aber nur um Dir zu helfen.<<
>>Danke Franky. Ich verzichte!<<

Der Kaffee war fast fertig und Carlos begann damit, die Brötchen aufzuschneiden. Ich hatte inzwischen den Tisch gedeckt und eigentlich stand unserem Frühstück nichts mehr im Weg.
Doch dann klingelte es wieder. Wir sahen uns an und während meine Freunde sitzen blieben, ging ich zur Tür. Als ich durch den Spion sah, konnte ich niemanden erkennen und so drückte ich auf den Summer, um die Hauseingangstür zu öffnen.

Einen Augenblick später standen Lina und Christa, bewaffnet mit einer riesigen Brötchentüte, in meiner Wohnung.
>>Wir haben euch doch nicht etwa geweckt? Lina war so aufgeregt wegen heute Nachmittag und wollte euch unbedingt mit Brötchen überraschen.<<
>>Nicht nur Lina ist aufgeregt.<<, Franky konnte sich den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verkneifen und während es sagte, klopfte er mir auf die Schulter.
>>Du auch?<<, Lina war neugierig.
>>Nein meine Kleine. Ich bin nicht aufgeregt. Carlos und Franky glauben es nur.<<
>>Ach so. Komisch, ich wäre bestimmt aufgeregt.<<

Die Brötchentüte legten wir auf den Küchentresen. Es wären schon vorher viel zu viele Brötchen gewesen und nun hätten wir unser ganzes Haus, zumindest unsere Etage zum Frühstück einladen können.
Carlos holte einen Becher für Christa und goss ihr einen Kaffee ein. Ich war dabei, für Lina einen Kakao zu machen und musste aus ihrer Brötchentüte das Mohnhörnchen rausfingern.
Auf meine Frage, was sie auf das Mohnhörnchen geschmiert haben wollte, reagierte Lina nicht. Sie hatte Bobby entdeckt und war schwer beschäftigt.
>>Was frisst die?<<
>>Alles an Obst und Gemüse. Am liebsten aber Löwenzahn.<<

Bevor ich Lina aufhalten konnte, war die Wohnungstür Tür wieder zu und Lina durch sie hindurch verschwunden. Der Kaffee dampfte und als wir gerade in die Brötchen beißen wollten, klingelte es.
Lina stand mit einem großen Haufen Löwenzahn wieder auf dem Balkon und legte ihn Bobby direkt vor die Nase.
>>Bist Du jetzt soweit kleine Lady?<<
>>Ich bin keine Lady.<<
>>Attacke jetzt. Setz dich hin. Ich habe Hunger.<<, bei meinen Worten zwinkerte ich Lina zu.

Endlich konnten wir tatsächlich mit dem Frühstück starten. Tatsächlich schaffte ich es, meine erste Brötchenhälfte mit Honig zu bestreichen und war kurz davor, von meinem Brötchen abzubeißen.

 Doch dann klingelte es schon wieder.
Leicht verwirrt sahen wir uns an. Es waren bereits alle da, die auf die Idee kommen konnten, uns zum Frühstück zu überraschen.
Carlos war es, der aufstand und die Tür öffnete. Die Tür war noch gar nicht richtig geöffnet und doch konnten wir schon hören, wer davor stand.
>>Überraschung.<<, hörten wir zwei Stimmen laut und deutlich rufen.

Franky sah mich an und während ich aufstand, um unseren Besuch zu begrüßen, standen unsere Mütter bereits mitten im Wohnzimmer.
Mit einer dicken Umarmung wurden Franky und ich von unseren Müttern begrüßt. Sie wollten doch auf keinen Fall den heutigen Nachmittag verpassen. Es war selbstverständlich, dass sich unsere Mütter mein heutiges Event nicht entgehen lassen konnten. Aus diesem Grund waren sie bereits gestern Nachmittag nach Sylt gekommen und hatten in einem Hotel eingecheckt. Gebucht hatten sie nur für zwei Tage, da sie Franky und mich ja schon bald für zwei Wochen besuchen kommen wollten.
>>Na mein Kleiner, bist Du ordentlich aufgeregt wegen nachher?<<

Bevor ich antworten konnte, musste ich warten, dass die Anderen mit ihrem Lachen aufgehört hatten. Meine Freunde und Christa lachten, da ich schon wieder meine heutige Lieblingsfrage beantworten musste. Lina lachte aus einem anderen Grund.
>>Du Nick, Deine Mama sagt Kleiner zu Dir. Genau wie Du es immer bei mir machst. Du sagt doch auch ganz oft Kleine wenn Du mich rufst.<<
>>Stimmt.<<, mir war es bisher gar nicht aufgefallen. Wahrscheinlich übernimmt man von seinen Eltern doch viel mehr, als einem bewusst war.
>>Nein Mama, ich bin nicht aufgeregt. Es gibt doch gar keinen Grund.<<

Eine Antwort bekam ich nicht. Der Blick meiner Mutter genügte allerdings, um zu erkennen, dass sie mir natürlich nicht glaubte.
>>Ihr habt ja schon Brötchen.<<, Frankys Mutter war sichtlich darüber enttäuscht, als sie eine riesige Brötchentüte aus dem Stoffbeutel zog.
>>Ja. Aber ist nicht schlimm. Wir frieren die restlichen Brötchen einfach ein und brauchen so die nächsten Jahre keine Brötchen mehr kaufen gehen.<<
>>Gute Idee mein Junge.<<, Frankys Mutter verstand die Ironie in seinem Satz nicht. Aber es ihr zu erklären, hatten wir jetzt keine Lust. Wir wollten endlich mit dem Essen beginnen.
Auch wenn wir es nicht wollten, unsere Mütter begannen sofort mit dem Aufräumen und Abwaschen. Einerseits war es zwar schön, die Sachen erledigt zu haben. Doch andererseits war unsere gemütliche Frühstücksatmosphäre sofort dahin.
>>Mütter halt.<<, flüsterte mir Franky ins Ohr. An unserem Grinsen konnte Carlos erahnen, worüber wir uns amüsierten.

Franky trocknete ab und Carlos stellte das Geschirr wieder in den Schrank. Ich wollte gerade, zusammen mit Lina, die vollgekrümelten Tischsets auf dem Balkon ausschütteln, als ich unterbrochen wurde. Zuerst dachte ich, dass einer meiner Freunde einen Witz gemacht hatte. Doch beide waren noch immer in ihre Aufgaben vertieft und standen in der Küche. Lina war bei mir auf dem Balkon und Christa sah sich die tollen Fotos von Franky an.
Niemand hatte einen Witz gemacht. Die Türklingel war echt und so machte ich mich ein weiteres Mal auf den Weg zur Tür.

Vor der Tür stand ein fremder Mann und als ich seine riesige Brötchentüte sah, musste ich lachen. Der Typ sah mich einigermaßen verwundert an, lachte aber auch.
>>Falsche Tür.<<
>>Ich glaube nicht.<<
>>Ich glaube aber schon.<<
>>Bist Du nicht Nick?<<

Jetzt lachte ich nicht mehr, sondern sah den Fremden leicht irritiert an. Hatte einer meiner Freunde doch eine Witz gemacht und eben einem Kumpel ne SMS geschickt. Hatten sie den Typen aus Gag beauftragt, mit ner Brötchentüte bei uns aufzutauchen? Einfach nur aus Spaß, da wir bereits jetzt halb Sylt mit Brötchen hätten versorgen können.

Klar war es so. Anders konnte es gar nicht sein. Was sollte der Typ hier ansonsten wollen?
>>Dann komm mal rein und setz dich.<<
Ich stellte ihn unsere Mütter, Christa und Lina vor. Als er Franky und Carlos ansah, sagte ich nur,
>>Ihr kennt euch ja.<<, und zwinkerte ihm zu.
>>Nein, ich kenne die beiden nicht. Aber ich vermute, dass es Franky und Carlos sind. Ich habe schließlich schon viel von euch gehört.<<, er streckte seine Hand aus und begrüßte meine beiden Freunde mit einem,
>>Hi, ich bin Micha.<<
Gerade, als ich ein „Verarscht euch selbst.“ In den Raum werfen wollte, klingelte es erneut.
>>Was ist hier eigentlich los?<<, völlig überrascht sah Carlos mich an und ich wusste in diesem Moment, dass er mit den „Klingelstreichen“ nichts zu tun hatte.

Was blieb mir anderes übrig, als zur Tür zu gehen?
Als ich sie geöffnet hatte, sah ich in ein strahlendes Gesicht.
>>Hallo mein Star.<<
>>Was willst Du denn hier?<<
>>Na, dass nenne ich aber mal ne tolle Begrüßung. Komm her, ich drücke dich aber trotzdem.<<
Britta umarmte mich und drückte mir eine Flasche Sekt in die Hand. Als wir zusammen ins Wohnzimmer gingen wurden wir relativ sparsam von allen angesehen.
Von fast allen. Da Micha der einzige war der Britta kannte, ging seine Neugier natürlich in Richtung null.

Erst als ich Britta allen anderen als meine Verlegerin vorgestellt hatte, machte es bei mit klick. Natürlich war wusste ich jetzt, wer Micha war. Ich hatte auch schon viel über ihn gehört, allerdings noch nie gesehen. Micha war Brittas Mann.

Den Sekt nahm Britta mir wieder aus der Hand. Sie gab die Flasche stattdessen an Franky weiter und als ich sie fragend ansah, hörte ich,
>>Du musst heute noch arbeiten. Denk daran, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Aber sag mal Nick, bist Du eigentlich sehr aufgeregt?<<

Statt einer Antwort von mir, hörte sie ein Lachen von allen anderen. Zu oft hatten sie die Frage heute schon gehört.


Übrigens, falls Euch meine kleine Geschichte gefallen haben sollte ...
Sie ist ein Kapitel aus meinem Buch

Männertour - Umzug nach Sylt



Habt nen bunten Tag ...
Und seid nicht zu aufgeregt ...

Ich bin es auch nicht ... ;-)

Euer

Ben

1 Kommentar: