Dienstag, 27. Dezember 2016

Kann man

... zwischen den Tagen umziehen?

Mann kann! :-)

Zum Beispiel nach Sylt ;-)
und eine Leseprobe gibt es direkt dazu:

Der vorhergesagte Wind kam.
Es stürmte heftig und große Wellen peitschten an den Brandenburger Strand in Westerland.
Einige Surfer waren auf dem Wasser und Franky knipste wie ein Großer.
Ich saß zur selben Zeit in einem Strandkorb und hatte mein Notebook dabei, um zu schreiben. Zunächst war ich noch sehr abgelenkt und sah mehr bei Franky und den Surfern zu. Nach und nach wurde es jedoch immer weniger, da mir viele tolle Geschichten einfielen. Schon bald war ich total vertieft in mein Manuskript und bekam weder von den Surfern, noch von Franky, irgendetwas mit.

Ungefähr zwei Stunden später kam Franky zu mir und setzte sich neben mich in den Strandkorb.
„Hast du schöne Bilder gemacht?“ Neugierig fragte ich.
„Irgendwie schon.“ Sein Blick war etwas traurig und ich wusste genau, was dieses irgendwie bedeutete.
„Irgendwie heißt dann wohl nein, oder?“
„Sie sind gut, aber gut reicht mir nicht. Ich bräuchte einen richtig guten Surfer. Einen, der außergewöhnliche Dinge auf dem Wasser macht. Dieser Auftrag ist eine riesige Chance für mich und ich muss und will richtig gute Fotos abliefern.“ Mit enttäuschtem Blick schaute mein Freund auf das Display seiner Kamera.
„Soll ich dir helfen?“
„Kannst du surfen und gehst aufs Wasser, damit ich tolle Actionbilder machen kann?“ Verwundert und glücklich zusammen sah mein Freund mich an.
„Nein.“
„Tolle Antwort. Sondern?“ Deutlich war Frankys ironische Stimmenlage zu erkennen.
„Ich kann ja mal bei Carlos anrufen und ihn fragen, ob er Zeit und Lust hat nach Sylt zu kommen.“ Lust hatte Carlos ganz sicher. Ob er auch Zeit hatte, würden ich gleich herausfinden.
„Würdest du das machen? Meinst du, er würde kommen?“ Nun war mein Freund wieder besser drauf und saß strahlend neben mir.
„Das finden wir auf einem ganz einfachen Weg heraus.“ Ich zog mein Handy aus der Tasche und rief sofort bei Carlos an. Immerhin waren hier auf Sylt, im Sommer die Deutschen Meisterschaften und ein wenig Training konnte vorher ja nicht schaden. Nach ungefähr zwei Minuten legte ich auf. Er ging nicht an sein Handy und ich nahm mir vor, es später noch mal zu versuchen.

Erst einmal ging ich hoch zur Promenade, um Franky und mir einen heißen Kaffee zu besorgen.
Der Kaffee war heiß. Sehr heiß sogar. Fast zu heiß und ich war froh, als ich ihn kurz auf dem weißen Geländer an der Promenade abstellen konnte.
Nachdem ich mir in die Hände gepustet hatte und diese langsam wieder zu ihrer normalen Temperatur zurückfanden, wollte ich mich auf den Weg zu Franky machen. Doch dann blieb ich noch kurz stehen, da ich jemanden erblickt hatte.
„Guten Tag darf ich Sie etwas fragen?“
„Moin, dürfen Sie. Wo wollen Sie denn hin?“ Ich war erstaunt, denn ich hatte die Gegenfrage nicht verstanden.
„Nach unten zu meinem Freund will ich und den Kaffee abliefern. Aber warum fragen sie?“
„Nein mein Junge. Ich meinte, wohin Sie sonst noch wollen. Ich soll Ihnen doch bestimmt den Weg erklären.“ Jetzt erst verstand ich, was die ältere Dame meinte.
„Nein, ich brauche keine Erklärung für einen Weg. Ich wollte kurz mit Ihnen sprechen.“
„Ach so, was gibt es denn mein Junge?“ Freundlich wurde ich angesehen.
„Sie sind doch die Oma von der kleinen Lina?“
„Ja, stimmt. Ist etwas passiert?“, erschrocken sah mich Linas Oma an und wurde kreidebleich.
„Nein, alles gut! Ich wollte Ihnen keine Angst machen.“
Ihr Gesicht nahm wieder Farbe an. Schnell hatte sie wieder eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, die fast alle Insulaner, zumindest die Wassersportler und Rentner haben.
Nachdem ich Linas Oma einen Kaffee angeboten hatte, standen wir nebeneinander und lehnten uns an das Geländer der Promenade. Dass der zweite Kaffee eigentlich für Franky gedacht war und er unten am Strand auf mich wartete, hatte ich bereits vergessen.
Ich erzählte ihr von meinen zufälligen Treffen mit Lina und, dass Lina sich gerne weiter mit mir am Strand treffen wollte. Doch sie wusste alles bereits und erzählte mir, dass Lina ihr ausführlich von unseren Treffen berichtet hatte.
Sie kannte tatsächlich jedes noch so kleinste Detail und erzählte mir mit Freude in der Stimme davon, wie glücklich Lina immer nach unseren Treffen ist. Zuerst wollte sie Lina untersagen, sich mit mir, mit einem fremden Mann, zu treffen. Doch dann entschied sie sich dafür, es aus zwei Gründen nicht zu tun. Der eine Grund war, dass Verbote eine Sache ja noch viel interessanter machten und sie es sowieso nicht durchgehend kontrollieren konnte. Grund Zwei war noch viel simpler. Die Treffen taten Lina gut. Auch wenn sie immer nur kurz waren.
Wir klönten noch eine ganze Weile, doch dann sah Linas Oma auf die Uhr und verabschiedete sich von mir, da sie zum Pilates musste.
Mit einem erleichterten Gewissen, allerdings ohne Kaffee, kam ich wieder bei Franky an und setzte mich zu ihm in den Strandkorb.
Er sah mich an, und da ich so gar nicht wusste, warum er mich so fragend ansah, zuckte ich mit den Schultern und fragte:
„Ist was?“
„Willst du mich verarschen?“
„Nö, wie kommst du darauf? Hab doch nichts gemacht.“ Was wollte er? Ich hatte keinen Schimmer.
„Das ist es ja.“
„Was ist es ja?“ Konnte Franky nicht normal mit mir sprechen? Fast etwas sauer ging mein Blick in seine Richtung.
„Das du nichts gemacht hast. Besser gesagt, du nichts gebracht hast.“
„Sag mal Franky, ist dir nicht gut?“
„Mir nicht gut? Du bist vorhin losgegangen um Kaffee zu holen, kommst nach geschlagenen dreißig Minuten ohne Kaffee zurück und tust so, als wäre ich der Blödi. Wahrscheinlich hast du schön im Warmen ´ne Kleinigkeit gesessen, einen Kaffee getrunken und gedacht, lass den Franky mal frieren. Hier ist es ja schön gemütlich. Eigentlich blöd von Franky, dass er jetzt da unten bei diesem Wind, zitternd im Strandkorb sitzt.“ Hui, mein Freund war wirklich sauer. Allerdings auch berechtigt.
„Dein Kaffee! Stimmt, da war was. Aber glaube mir, ich hatte dir einen Kaffee gekauft.“ Eigentlich war jetzt schon klar, dass er mir nicht glauben würde.
„Und dann kam eine Möwe und die hat dir den Kaffee aus der Hand gerissen.“
„So ähnlich.“ Ich lachte.
„Nick, wenn du es schon vergessen hast, dann sag wenigstens warum. Ne Frau?“
„Ja, eine Frau.“
„Ein toller Freund bist du. Lässt mich wegen so ´ner dusseligen Tussi hängen. War sie wenigstens hübsch?“ Gereizt wurde ich angesehen.
„Nein, hübsch kann man nicht sagen. Aber interessant.“
„Na toll, nicht mal hübsch. Jetzt bin ich echt enttäuscht von dir. Sogar eine nicht hübsche Frau ist dir wichtiger als ich.“ Abwinkend drehte er sich von mir ab.
„Erkläre ich dir gleich. Ich hole dir jetzt erst mal ´nen Kaffee“, mit diesen Worten verschwand ich und machte mich erneut auf den Weg um Kaffee zu holen.

War ja klar. Jetzt war es super voll und als ich nach ungefähr fünfzehn Minuten an der Reihe war, klingelte mein Handy. Natürlich genau in dem Moment, als ich mein Geld in der einen und den Kaffee in der anderen Hand hielt.
Ich war überfordert.
Wohin mit dem Kaffee? Den Becher behielt ich in der Hand. Dafür legte ich zum Bezahlen einen Geldschein auf den Tresen und ging, mit dem Handy am Ohr aus dem Laden raus. Allerdings, ohne auf mein Wechselgeld zu warten.
Carlos war am Telefon und endlich konnte ich ganz Ohr für ihn sein. Als ich ihm erzählen wollte, warum ich vorhin angerufen hatte, wurden wir wieder unterbrochen. Diesmal von der jungen Verkäuferin, die laut rufend hinter mir her lief.
Irgendwann hatte ich dann auch geschnallt, dass sie mich meinte und blieb stehen. Die junge Frau wollte mir mein Wechselgeld in die Hand drücken. Doch leider waren meine beiden Hände mit Handy und Kaffee bereits belegt. Ich bat sie, mir das Geld in die Hosentasche zu stecken, was sie dann auch, allerdings nicht gerne, tat.
Zum Glück war ich zu beschäftigt, um unsere Situation peinlich zu finden.
Dafür empfand die junge Verkäuferin es garantiert unangenehm, einem fremden Mann auf der Promenade erst hinterher zu rennen und dann in seine Hosentasche zu greifen.
Die anderen Menschen auf der Promenade hatten trotzdem ihren Spaß daran.
Aber gut, nun war ja alles geklärt und ich konnte mich endlich Carlos und unserem Telefonat widmen.
Ich stand wieder an dem Platz auf der Promenade, an dem ich eben auch mit Linas Oma gestanden hatte. An das Geländer gelehnt unterhielt ich mich mit Carlos und er fand meinen Vorschlag, dass er zum Surfen nach Sylt kommen sollte, total cool.
„Logisch kann Franky mich beim Training fotografieren. Ist doch super, wenn beide etwas davon haben“, sagte Carlos und so verabredeten wir und für das nächste Wochenende. Carlos konnte natürlich bei mir wohnen und solange bleiben, wie er wollte.
Wir unterhielten uns noch über Rügen und mir schien es, als ob Carlos froh war, dort für einige Zeit verschwinden zu können. Aber so richtig wollte er nicht mit der Sprache rausrücken.

Ich hatte mit Carlos alles geklärt und den Kaffee hatte ich auch schon fast ausgetrunken, als ich wieder bei Franky ankam.
Während ich mich zu Franky in den Strandkorb setzte, stellte ich den Kaffeebecher auf dem ausgezogenen Fußteil ab. Ganz ohne schlechtes Gewissen lehnte ich mich stolz zurück und wollte gerade damit beginnen, Franky von den tollen Carlos-News zu erzählen.
Doch ich kam nicht dazu.
„Sag mal, geht’s noch?“, ich hatte keine Ahnung, was Franky meinte und sah ihn verwundert an.
„Mal ganz ehrlich Nick, so blöd kannst doch nicht mal du sein.“
„Was denn?“ Ich war mir keinerlei Schuld bewusst.
„Merkst du wohl selbst!“
„Nö, ich merke nichts. Sag schon.“
„Du Vollpfosten willst mich doch echt verarschen. Aber gut, es ist dir gelungen. Ich gehe jetzt selbst.“ Franky stand auf und ging die Holztreppe zur Promenade hinauf. Auch, als ich ihm hinterher sah begriff ich weder wo er hingehen wollte noch weshalb er so angefressen war. Aber vermutlich würde er es mir erklären, wenn er wieder zurück war.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen