Dienstag, 13. September 2016

Surfen :-)

Auf geht es!

Gern möchte ich euch etwas über Surfer erzählen.

Vielleicht ist -die Surfer beschreiben- die bessere Ausdrucksweise ... ;-)

Mitgebracht habe ich dafür einen Ausschnitt aus meinem Buch "Männertour - aber anders!"


Mein Buch gibt es als DOWNLOAD:

Aber auch als Print. Wenn ihr mögt, könnt ihr das Buch gerne auch über mich beziehen.
Doch jetzt wünsche ich zunächst viel Lesespaß :-)

Surfen!?


Leidenschaftliche Surfer sind von anderen Menschen ganz einfach zu unterscheiden. Klar, man erkennt sie an der stets gebräunten Haut und den ausgeblichenen Haaren. Aber beides könnten auch Menschen haben, die einfach nur viel Zeit am Strand und im Meer verbringen. Nein, leidenschaftliche Surfer gehen auch nach nur drei Stunden Schlaf und nach einer langen Partynacht mit ihren Surfutensilien an den Strand. Ich war mir sicher, dass Carlos es heute nicht nur wegen des tollen Wetters gemacht hatte. Er wäre auch bei Regen und Sturm surfen gegangen. Carlos saß bereits im Surfanzug auf einem seiner Surfbretter am Strand, als Anton und ich mit Strandtaschen beladen dort ankamen.
„Wo sind die Bretter?“, fragte er uns.
„Na oben am Wohnmobil“, antwortete Anton brav.
„Witzig. Dann zieht mal schnell eure Anzüge an. Anschließend holt ihr die Bretter.“
„Welche Anzüge?“
„Welche wohl, die aus euren Taschen.“
Ich sah Anton an und parallel fingen wir an, unsere Taschen auszupacken. Wir holten Strandlaken, Zeitschriften, Sonnenmilch, einen Volleyball, Bananen, Äpfel und etwas zu trinken heraus. Als wir begannen, uns einzucremen, merkte Carlos, dass wir ihn keinesfalls verarschen wollten, sondern tatsächlich einen Strandtag geplant hatten.
„Was meint ihr, warum oben die anderen beiden Bretter und die Surfanzüge vor dem Wohnmobil gelegen haben?“
„Zum Auslüften“, erwiderte Anton wahrheitsgemäß, während ich an seiner Stelle lieber mit einer Notlüge geantwortet hätte. Carlos war inzwischen leicht genervt und sauer.
„Spinnst du?“, wollte Carlos wissen.
Anschließend hielt er uns einen Vortrag, in dem viele Plattitüden, wie zum Beispiel „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“ und „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ enthalten waren. Als er fertig war, schickte er uns zurück zum Wohnmobil. Wir ließen uns schicken, zwar nur ungern, aber er hatte ja recht. Um ehrlich zu sein, ärgerte ich mich auch etwas über mich selbst. Immerhin hatte ich heute Morgen doch selber zu Anton gesagt, dass wir alles machen müssen, um Carlos wieder zum richtigen Surfen zu bewegen. Allerdings freute ich mich auch über Carlos. Denn gerade hatte er uns bewiesen, dass mein Plan gar nicht so aussichtslos zu sein schien.
In Surfanzügen standen wir nun bereits seit einer Stunde im knietiefen Wasser der Ostsee. Keiner von uns beiden schaffte es, länger als wenige Sekunden auf diesem blöden Brett zu stehen. Unsere Bretter hatten keine Segel, da Carlos der Meinung war, dass wir uns so besser mit dem Brett und dem notwendigen Gleichgewichtssinn vertraut machen würden. Nach zwei Stunden ging es etwas besser. Allerdings leider nur unwesentlich. Während wir weiter an unserm Gleichgewichtssinn arbeiten durften, war Carlos weit draußen auf dem Wasser und machte das, was er so liebte und wirklich ausgesprochen gut konnte. Wir hatten allerdings kein Auge für seine Kunst. Uns hatte der Ehrgeiz gepackt und tatsächlich wurden wir immer besser. Als ich gerade zu Anton sagen wollte, dass ich es jetzt gepackt hätte und nicht mehr wie ein Depp vom Brett fallen würde, machte ich einen tollen, leider jedoch ungeplanten Abgang. Anstatt mir eine Tüte Mitleid zu spenden, fragte mich Anton, ob ich schon Sprünge üben würde und gab mir noch den Tipp, dass ich beim nächsten Sprung versuchen sollte, einfach mal dabei auf dem Brett zu bleiben. Plötzlich fegte Carlos mit einer irren Geschwindigkeit zwischen uns hindurch, sprang vom Brett und stand nur zwei Meter von uns entfernt im Wasser, während sein Brett weiter in Richtung Strand fuhr.
„Pause“, rief Carlos und ruckelte dabei gleichzeitig an unseren beiden Brettern, sodass wir fast zeitgleich von den Brettern fielen und im Wasser landeten.

Am Strand warteten belegte Brötchen und kühles Bier auf uns. Carlos hatte die Brötchen bereits heute Morgen besorgt, und so konnte jetzt eine richtig coole Stunde mit Chillen eingelegt werden. Es wurden zwei Stunden. Wir waren alle drei eingeschlafen, und wäre nicht dieser blöde Hund an uns vorbei, über uns hinweg und durch uns hindurchgelaufen, hätte unsere Augenpflege sicher noch länger gedauert. Der Hund gehörte Blondie, was wir allerdings erst erkannten, nachdem Carlos und ich mit einigen kleinen Steinen nach ihm geworfen hatten.
„Wie süß, ihr spielt mit Susi“, rief Blondie schon von weitem und ergänzte:
„Ich dachte schon, Susi hätte euch geweckt und ihr seid sauer oder so.“
„Alles ist gut. Echt süß dein Hund.“, log Anton, der normalerweise nicht auf Hunde stand.
„Seid ihr surfen gewesen?“
„Nein, wir schützen uns mit den Anzügen nur vor der Sonne“, sagte ich und legt mich wieder hin, während Carlos meinte:
„Und die Bretter liegen hier, damit wir vor angreifenden Hunden aufs Wasser flüchten können.“
Blondie setzte sich zu uns. Nun ja, eigentlich setzte sie sich eher zu Carlos und wir durften auch dabei sein. Wir verbrachten den restlichen Tag damit, in der Sonne zu liegen und uns von unseren heutigen mehr oder weniger erfolgreichen Surfversuchen sowie von der letzten Nacht zu erholen. Blondie war fit, oder wie Carlos so schön sagte, gemein fit. Immerhin hatte sie gestern ab dem frühen Nachmittag damit begonnen, Caipis zu vernichten. Aber im Gegensatz zu uns schien sie im Training zu sein.

Die nächsten Tage verbrachten wir drei damit, unsere Fähigkeiten beim Surfen zu verbessern. Zwar auf einem erheblich unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad, aber immerhin waren Anton und ich tapfer und willig. Allerdings hatten wir auch einen guten Lehrmeister, der sich abwechselnd darum kümmerte, dass wir zwei aus der Kreisklasse in die Kreisliga aufgestiegen waren. Er selber hatte auch schon fast wieder den Stand erreicht, den er einmal vor vielen Jahren hatte. Heute waren sogar hohe Wellen. Zumindest für die Ostsee konnte man diese Wellen als hohe Wellen bezeichnen. Anton und ich hatten nach fast zwei Stunden aufgegeben, da wir bei diesem Wellengang keine Chance hatten, auch nur einen kurzen Moment auf dem Brett zu bleiben. Wir saßen inzwischen in dicken Jacken am Strand und sahen unserem Freund zu. Carlos war weit draußen und versuchte sich daran, wieder Sprünge zu üben. Seine Surfkunst schien auch andere zu interessieren. Immerhin war nach einiger Zeit ein zweiter Surfer auf dem Wasser zu sehen, der sich Carlos langsam näherte. Anton und ich standen bereits. Uns war kalt und wir wollten zum Wohnmobil gehen, um einen Tee zu kochen, als wir sahen, was dort auf dem Wasser abging. Gegenseitig trieben sich vor unserer Nase zwei Surfer zur Hochleistung. Es wurden mit Vollspeed die Wellen abgeritten, es gab Drehungen und Sprünge, die Anton und ich zwar kannten, allerdings bisher nur auf dem Worldcup Sylt live erlebt hatten. Klar boten dort die Herren Nash oder Dunkerbek noch waghalsigere Manöver, und natürlich sprangen diese Herren auch höher und mit Loopings, aber wir waren von Carlos und dem anderen Surfer total beeindruckt.
Ich freute mich noch mehr darüber als Anton, da ich mir für Carlos genau dies gewünscht hatte und um ganz ehrlich zu sein, hatte ich in diesem Moment feuchte Augen. Anton merkte meine Gefühlsregung, legte seinen Arm um mich und sagte,
„Du Nick, ich glaube, der Plan geht auf.“
„Scheint so.“ Anton ging anschließend zum Wohnmobil und kam kurze Zeit später mit einer Thermoskanne Tee und drei Bechern zurück.
„Die sind ja noch immer dabei.“
„Ja, die beiden sind im wahrsten Sinne voll in ihrem Element.“
„Konntest du den anderen Typen schon erkennen?“
„Nein, die waren noch nicht nah genug am Strand. Hier sind wohl die Wellen zu niedrig“, sagte ich und in diesem Moment sahen wir erst den Fremden und gleich danach Carlos, wie sie eine große Welle anfuhren, um diese für ihre Loopings zu nutzen. Carlos war so weit vom Ufer entfernt, dass wir ihn, wenn wir nicht gewusst hätten, dass er es war, nicht erkannt hätten. Doch sein Freudenschrei nach dem gestandenen Looping war so laut, dass er wahrscheinlich bis nach Hamburg zu hören war. Kurze Zeit später kamen die zwei Surfer mit vollem Speed auf uns zu. Vorne im Weißwasser drehten sie noch einige Kurven, und als sie am Strand ankamen, lief ich auf Carlos zu und umarmte ihn.
„Du verrückter Spinner!“, rief ich und Carlos brachte nur ein
„War das geil!“ heraus.
Erst jetzt sah ich, dass Anton sich mit dem anderen Surfer unterhielt. Als ich genauer hinsah, konnte ich auch erkennen, wer es war. Aus dem Surfer wurde nämlich, nachdem er die zum Surfanzug dazugehörige Kapuze abnahm, eine Surferin. Es war Blondie.
„Du bist gut“, sagte Blondie zu Carlos.
„Du bist besser“, war seine Antwort.
„Aber nicht viel und wenn du so weitermachst, auch nicht mehr lange.“
„Morgen zur gleichen Zeit am gleichen Ort?“, fragte Blondie.
„Gerne. Aber auf unser heutiges Event müssen wir vorher noch anstoßen.“
„Wann und wo?“
„Komm doch heute Abend zum Wohnmobil. Gegen acht Uhr. Wir werfen den Grill an, stellen den Heizlüfter an den Tisch und lassen es uns gutgehen. Ihr zwei seid natürlich auch dabei“, sagte Carlos und blickte zu uns.
„Wir haben schon was vor. Für heute haben wir uns vorgenommen, das Nachtleben der Insel zu erforschen“, sagte ich und war angenehm überrascht, dass Anton es sofort begriff.
„Klasse, bis heute Abend.“ Blondie gab Carlos zum Abschied einen Kuss auf die Wange, griff nach ihrem Surfbrett und düste hinaus aufs Meer. Allerdings nicht, ohne sich nochmal zu uns umzudrehen und zu winken.

„Tolle Frau“, hörte ich Carlos murmeln, während er ebenfalls am Winken war.
„Was hast du gesagt?“ Ich fragte nach, da ich mir nicht zu hundert Prozent sicher war, ob ich es richtig verstanden hatte.
„Nichts.“
„Okay“, sagte ich und war mir in diesem Moment sicher, dass ich ihn eben richtig verstanden hatte.
„Was hat er gesagt?“, fragte Anton.

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