Samstag, 17. September 2016

Fußball

Fußballfieber


Nicht nur die Jungs aus der Schulklasse waren verrückt nach Fußball. Immerhin gab es eine Weltmeisterschaft und wenn man mitreden wollte, muss man auch die Spiele gesehen haben.

Außerdem standen die Jungs aus Linas Klasse auf Mädchen, die sich für Fußball interessieren. Da ist es bei kleinen Jungs, ganz genauso, wie bei älteren Schulkindern. Wobei es ja sogar, auch bei Erwachsenen Männern noch so ist.
Jeder Mann findet es doch cool, wenn er von den Frauen bewundert wird.


Das blöde für Lina war allerdings, dass sie Fußball zwar ganz cool fandt, manchmal sogar freiwillig mitspielte, sie es aber es pottenlangweilig befand, sich ein Fußballspiel im Fernsehen anzusehen.

Als die Vorrunde der Weltmeisterschaft lief, hatte sie manchmal, neben ihrem Papa auf dem Sofa gesessen und sich ein Spiel angesehen.
An einigen Tagen sogar fast zehn Minuten. Dann war es ihr allerdings nicht nur zu langweilig, sondern auch noch viel zu blöd.

Cool am Fußball gucken war eigentlich nur, dass immer Chips auf dem Wohnzimmertisch standen. Wahrscheinlich waren auch die Chips der Grund, weshalb Lina immer mal wieder, kurz zu ihrem Papa kam und sich zu ihm setzte.

Die Spiele in der Vorrunde waren allerdings ganz häufig am frühen Abend. So hatte Lina, bevor sie dann lieber ihr Kinderprogramm im Schlafzimmer der Eltern anstellte, immer etwas mitbekommen, von dem sie am nächsten Tag in der Schule berichten konnte.
Jetzt war es anders.
Die wichtigen Spiele fanden jetzt erst am späten Abend statt. Das Halbfinale, in dem Deutschland zum Glück spielen durfte, war erst um zehn Uhr am Abend.

Viel zu spät für die kleine Lina, die meistens schon viel früher in ihrem Bettchen lag und vom Traumzug träumte.
Doch heute musste sie das Spiel einfach gucken. Alle aus ihrer Klasse hatten gesagt, dass sie sich das Spiel ansehen würden. Da konnte Lina doch nicht als einzige das Spiel verpassen.
„Papa, darf ich heute Abend auch das Spiel sehen?“
„Um die Uhrzeit schläfst Du doch schon immer.“, sagte ihr Vater und lächelte.
„Heute aber nicht. Alle gucken das Spiel.“


Linas Vater überlegte kurz und sagte dann,
„Okay kleine Maus.“
„Ich darf?“
„Klar darfst Du. Wenn alle anderen es gucken, kannst Du doch nicht fehlen.“
„Gibt es auch Chips?“
„Na logisch!“

Es war ungefähr halb Neun, als Lina im Schlafanzug aus ihrem Zimmer kam und sich zu ihrem Papa auf das Sofa setzte.
„Wann geht es los?“
„Das dauert noch über eineinhalb Stunden.“
„So lange noch?“

Lina griff in die Schüssel mit den Chips und begann, während sie die Chips aß, zu grübeln.
„Du Papa, ich habe eine Idee. Ich gehe ins Bett.“
„Willst Du doch nicht das Spiel sehen?“
„Doch. Du weckst mich einfach, wenn das Spiel beginnt.“
„Soll ich wirklich?“
„Ja sollst Du. Machen wir es so?“

Huckepack wurde Lina erst zum Zähneputzen ins Bad und anschließend ins Bett gebracht. Nachdem Lina noch eine Gutenachtgeschichte von ihrem Papa erzählt bekommen hatte, schlief sie ein.

Die Spieler standen bereits auf dem Feld und sangen die Nationalhymnen, als Linas Vater in das Zimmer seiner Tochter ging.
Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante und gab Lina einen Kuss auf die Stirn. Doch es kam keine Reaktion. Erst, als er die Bettdecke zur Seite schob und Lina einen weitern Kuss, dieses Mal auf die Nase, gab, wurde seine Tochter wach.

Völlig verschlafen sah Lina ihren Papa an.
„Das Spiel beginnt. Willst Du zu mir auf das Sofa kommen?“
„Was?“
„Gleich geht es los. Die Spieler sind schon auf dem Rasen.“
„Warum?“
„Weil gleich das Spiel beginnt.“, Linas Papa musste lachen.

Anstatt aufzustehen, drehte sich Lina auf die andere Seite.
„Möchtest Du nicht Fußball gucken?“
„Nein. Ich bin müde.“

Als Linas Vater schon fast aus dem Kinderzimmer gegangen war, hörte er seine Tochter sagen,
„Aber morgen musst Du mir sagen, wie sie gespielt haben.“
„Das werde ich machen.“
„Versprichst Du es mir?“
„Großes Indianerehrenwort.“, antwortete ihr Vater, der sich allerdings nicht sicher war, ob Lina seine Antwort noch gehört hatte, oder bereits wieder tief und fest schlief.

Das Spiel war der Hammer. Es gab reichlich Tore und eventuell hätte sogar Lina Spaß an diesem Fußballspiel gehabt.
Als Lina ihren Vater am nächsten Morgen, auch mit einem Kuss auf die Nase, geweckt hatte, war ihre erste Frage,
„Wie stand es zur Halbzeit?“
„Wir haben 7:1 gewonnen.“
„Cool. Aber wie stand es zur Halbzeit?“
„Warum ist denn der Halbzeitstand so wichtig?“
„Das sag ich dir später.“
„Zur Halbzeit stand es schon 5:0 und wir haben wirklich toll gespielt.“
„Wer hat die Tore geschossen?“

Linas Vater musste alles aus der ersten Halbzeit erklären. Sogar, als Lina im Badezimmer stand, musste ihr Papa dabei sein und Fragen beantworten.
Doch immer, wenn er etwas von der zweiten Halbzeit berichten wollte, brach Lina Gespräch ab.


Mit dem Schulranzen auf dem Rücken stand Lina in der Wohnungstür und gab ihrem Vater einen Abschiedskuss.
„Wer hat noch mal die Tore in der ersten Halbzeit geschossen?“

Linas Papa zählte, ungefähr zum achten Mal, die Torschützen auf. Als er fertig war, flitze Lina los.
Zum umdrehen hatte Lina heute keine Zeit und so kam sie sehr schnell und völlig aus Atem, an der Schule an.

Natürlich war heute Morgen Fußball das Thema. Alle Kinder redeten über das gestrige Fußballspiel. Sogar in der ersten Unterrichtsstunde wurde darüber gesprochen, da auch die Lehrer, noch immer, total begeistert waren.

Heute kam nach der Schule, nicht nur Emmi mit zu Lina nach Hause. Auch Lenny und Felix waren dabei. Beide hatten ein Deutschlandtrikot an und waren mit den deutschen Farben geschminkt.
„Hey Jungs. Das war ein tolles Spiel gestern!“

Als Linas Papa die Antwort von Lenny hörte, musste er lachen, verkniff es sich aber.
Er sah seine Tochter an, die den Blick ihres Vaters mit einem Augenzwinkern beantwortete.

„Ja, es war ein tolles Spiel. Schade, dass Lina in der Halbzeit eingeschlafen ist. Aber immerhin hat sie ja 5 Tore gesehen und die erste Hälfte war ja auch die bessere Halbzeit.“

Eine Antwort gab Linas Papa nicht. Die Kinder waren sowieso im Kinderzimmer verschwunden.



(Ben Bertram)

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