Montag, 29. August 2016

Leseprobe :-)

Liebesrausch auf Sylt

oder auch Crazy Desire... ;-)

Vielen lieben Dank für eure schönen Worte zu meinem gestrigen Blog und dem neuen Buch. Da mir eure Wünsche ja fast immer Befehl sind, gibt es heute eine Leseprobe 😊
Habt Freude! 



Freier Tag

Klar mochte ich meine Cousine. Ansonsten hätte ich Sina und ihrer Freundin Karo ganz sicher nicht das Angebot gemacht, vom heutigen Donnerstag bis Sonntag bei mir zu übernachten. Allerdings hatte ich vor einigen Wochen, als ich die Zusage gegeben hatte, zwei Dinge nicht gewusst. Mein Dienstplan stand damals noch nicht, und somit hatte ich auch keine Ahnung, dass ich ausgerechnet heute an ihrem Ankunftstag einen meiner seltenen freien Tage hatte. Ich hätte diesen Tag sehr viel lieber für Ausschlafen, Sport und ein Sonnenbad am Strand genutzt, anstatt Sina bereits am frühen Morgen am Autozug in Empfang zu nehmen. Doch nicht nur der frühe Morgen passte mir nicht in den Kram. Noch schlimmer war, dass ich am heutigen Tag den Inselführer für die beiden jungen Hühner spielen musste. Ja, die zwei Schicksen waren schon eine Herausforderung für mich. Eine Herausforderung, da ich ihre Freundin bisher nicht kannte und sie am liebsten auch gar nicht kennengelernt hätte. Sie sah aus wie eine wandelnde Litfaßsäule mit ihrem viel zu dick aufgetragenen Make-up. An ihren Klamotten prankten in großen Lettern die derzeit angesagtesten Markenlabels. Noch dazu war sie einfach nur anstrengend und nervig. So nervig, dass ich am frühen Nachmittag Boje anrief und ihn zu uns bestellte. Ich hatte die Hoffnung, dass ich die beiden Mädels mit einer männlichen Verstärkung an meiner Seite etwas besser ertragen würde.

Als Boje in der Sansibar eintraf, hatte ich erst ein Bier, die Frauen allerdings schon zwei Erdbeerbowlen, getrunken. Während Sina noch fast nüchtern war, merkte man Karo die Drinks deutlich an.
„Essen hätte geholfen.“ Klar war ich genervt, hatte meinen schroffen Ton allerdings erst bemerkt, nachdem meine Cousine mir unter dem Tisch einen Tritt gegen das Schienbein verabreicht hatte. Ich quittierte ihn mit einem Achselzucken und freute mich darüber, dass Boje sich ab jetzt um Karo kümmerte.
Die beiden verstanden sich sofort, und ich war am Überlegen, ob es für oder doch eher gegen meinen Freund sprach. Vielleicht hatten mich aber auch nur die vorherigen Stunden geprägt, und ich sah das Verhalten von Karo daher kritischer, als es eigentlich war.
Auf der anderen Seite wusste ich von mir selbst, dass die Gefühle manchmal seltsame Wege gingen. Immerhin hing ich mit meinen Gedanken seit Wochen bei einer Frau, die ich gar nicht wirklich kannte, die mir aber dennoch unter die Haut gegangen war.
„Träumst du?“ Ich erschrak, als Sina mich aus meinen Gedanken riss.
„Nein. Ich genieße die Sonne.“ Den wahren Grund meiner geistigen Abwesenheit wollte ich meiner Cousine nicht auf die Nase binden.
„Die Sonne? Spinner! Du musst es mir ja nicht sagen.“ Zickig wäre die verniedlichte Variante vom Ton gewesen, in dem Sina mir antwortete.
„Geht’s noch? Was pampst du mich so an?“ Ich fand, dass ich diese Art keineswegs verdient hatte. Schließlich war ich noch immer dabei, meinen freien Tag für sie zu opfern.
„Schau selbst.“ Mit dem Zeigefinger der linken Hand deutete Sina gen Himmel und drehte sich anschließend, ohne ein weiteres Wort zu sagen, zu ihrer Freundin und Boje um.
Erst jetzt erkannte ich die Wolken, die sich über die Sonne gelegt hatten. Wolkenwand passte besser, und es war sehr deutlich zu erkennen, dass die Sonne schon eine ganze Weile hinter dieser Wand versteckt sein musste. Da mein Cousinchen mir nun sowieso ihren kalten Rücken präsentierte, konnte ich mich auch wieder meinen Gedanken widmen. Schnell war ich erneut dort angelangt, wo Sina mich eben mit ihrer Frage herausgerissen hatte.
Diese Frau ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Zum ersten Mal gesehen hatte ich sie, als Jonas und Smilla ihren vorläufigen Abschied von Sylt gefeiert hatten. Dieser Abend, der mir so viel bedeutet hatte, da ich die beiden sehr schätze und sie nicht nur Gäste von mir, sondern mit der Zeit Freunde geworden waren. Mit Prosecco hatten wir an diesem Abend ihre Abfahrt und auch ihre Liebe gefeiert. Eine Liebe, wie ich sie noch niemals vorher erlebt hatte. Die Liebe hatte sie erneut zusammengeführt. Zum zweiten Mal hatten sie sich auf meiner Insel ineinander verliebt. Die Liebe hatte bewiesen, wie stark sie ist und dass sie sich nicht von einem Vergessen von ihrem Weg abbringen ließ. Smilla hatte Jonas vergessen. Nicht, weil sie ihn nicht mehr geliebt hatte, sondern weil sie ihn nicht mehr kannte. Von einem Moment auf den anderen war alles aus ihrem Gedächtnis verschwunden gewesen. Alle Schubladen waren verschlossen, und schuld daran war ein betrunkener Autofahrer, der sie umgefahren hatte.
Doch die Liebe war stärker, und seit diesem gemeinsamen Proseccoabend wusste ich, dass die Liebe das stärkste Gefühl der Welt war. Aber nicht nur das hatte ich durch Smilla und Jonas begriffen. Nein, seit diesem Abend wusste ich ebenfalls, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nie wahrhaftig geliebt hatte. Seit der Geschichte der beiden hatte ich einen Wunsch. Einen Wunsch? Nein, einen Traum! Auch ich wollte auf diese Art lieben dürfen und geliebt werden.
Frauengeschichten hatte ich viele. Bedingt durch meinen Job ergaben sich häufig Möglichkeiten für mich, die ich fast immer dankend angenommen hatte. Manchmal wurde aus einer Nacht sogar eine längere Zeit. Allerdings hatte ich inzwischen begriffen, dass all diese Affären nichts mit einer richtigen Beziehung, geschweige denn mit einer wirklichen Liebe zu tun hatten. Natürlich wusste ich, dass es keinen Sinn hatte, krampfhaft nach der Liebe zu suchen. Die Liebe musste mich finden. Allerdings nahm ich mir vor, der Liebe bei ihrer Suche nach mir behilflich zu sein.
Diese tolle Frau, die bei der Abschiedsfeier ebenfalls anwesend gewesen war, hatte es mir angetan. Mein Herz hatte es mir sofort durch heftiges Klopfen mitgeteilt. Allerdings wäre es mir auch sonst bewusst gewesen, da ich mich schon eine ganze Weile kannte. Sozusagen von meinem ersten Tag an, und daher verriet mir mein eigenes Verhalten, dass sie etwas ganz Besonderes für mich war. Ansonsten war ich ein Schnacker. Ich konnte nur selten meine häufig viel zu vorlaute Klappe halten. Bei den meisten Gesprächen übernahm ich ausgesprochen gerne die Rolle des Alleinunterhalters.
An diesem Abend war es nicht so gewesen. Fast schüchtern und verklemmt stand ich am Bistrotisch und suchte nach Worten. Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie mein Blick durch die Gegend wanderte, anstatt auf meinen Gesprächspartner gerichtet zu sein. Auch wenn ich mich noch heute dafür in den Hintern beißen könnte, hatte ich keine Chance, es zu ändern.
In den letzten Wochen hatte ich die Frau meiner Begierde häufig, meistens zum Feierabendbier, bei uns sitzen sehen. Es wäre so einfach gewesen, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Leider schaffte ich es nicht. Ganz im Gegenteil! Oftmals bat ich sogar einen Kollegen darum, ihre Bestellung aufzunehmen.
„So geht es nicht weiter. Gleich morgen werde ich es machen.“
Dass ich diesen Satz aussprach, anstatt ihn wie geplant nur zu denken, wurde mir erst bewusst, als Sina mich fragend ansah.
„Was willst du machen?“
„Nichts.“ Meine Antwort war kurz und knapp.
„Nichts ist ja wohl Quatsch.“
„Nichts, was dich etwas angeht. Besser?“ Sofort drehte meine Cousine ihren Kopf wieder zur Seite und spielte die beleidigte Leberwurst.

Wer mag, findet hier den kompletten Roman :-)

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