Montag, 8. August 2016

Eine

... kurze Story !

Ausgewählt, extra für euch ... :-)


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Endlich

 Ich dachte, mein großer Augenblick wäre gekommen und freute mich.
Endlich nicht mehr nur blöd danebenstehen, endlich durfte ich eine wichtige Aufnahme übernehmen. Voller Tatendrang fragte ich daher,
„Was darf ich machen?“
Ich sah mich schon mit einem Fotoapparat bewaffnet am Strand stehen und Carlos knipsen.
„Mein Kaffee, du darfst mir meinen Kaffee geben“, kam kurz und trocken aus Frankys Mund.
„Ups! Dein Kaffee …“
„Sag jetzt nichts Falsches.“
„Tja ... Also … Dein Kaffeebecher … Der liegt schon leer im Müll.“
„Guter Witz Nick. Los, gib her!“ Franky lachte kurz auf.
„War kein Witz. Deinen Kaffee hat …“, ich wurde unterbrochen.
„Wahrscheinlich Christa getrunken.“
„Woher weißt du?“
„Hab geraten. War doch letztes Mal auch so.“

Franky hatte recht und ich lachte. Das Lachen hätte ich vielleicht lieber unterdrücken sollen. Aber nun war es raus.
„Und warum hast du Horst mir keinen neuen Kaffee geholt? Weshalb hat ihn überhaupt Christa getrunken? Du bist zu blöd zum Kaffee holen und willst an meine Fotoausrüstung? Kannst du knicken!“
Etwas dagegen zu sagen machte jetzt keinen Sinn und so machte ich mich ein weiteres Mal auf den Weg zum Kiosk.

Meine Freunde waren mit Feuereifer dabei und beiden hatten mächtigen Spaß. Ich freute mich für sie, schließlich war es doch das Schönste auf der Welt, wenn man Spaß bei dem hat, von dem man lebt.
Mich hatte keiner von ihnen vermisst, obwohl ich natürlich auch den zweiten Kaffee für Franky verbockt hatte. Aber ich fand, mich traf in diesem Fall keine Schuld. Als ich auf dem Weg vom Kiosk zurück zum Strand war, sah ich ein kleines Mädchen hinter einem Strandkorb sitzen. Von dort aus beobachtete sie Carlos beim Surfen und staunte dabei mit offenem Mund.
„Erwischt“, sagte ich und Lina erschrak sich. Sie beruhigte sich aber sofort, als sie mich erkannte.
„Ich hatte schon Angst, dass du Herr Moritz bist.“
„Wer ist Herr Moritz?“ Ich hatte keine Ahnung.
„Mein Lehrer.“
„Und genau zu dem bringe ich dich jetzt auch.“
„Bitte nicht.“ Ein flehendes Gesicht sah mich an.
„Kleine, du musst zur Schule.“
„Nick. Ich würde so gerne weiter bei Carlos zusehen. Danach gehe ich auch sofort zur Schule.“, sie sah mich dabei mit ihren süßen kleinen Kinderaugen an.
„Nein, du musst jetzt in die Schule.“
„Bitte Nick. Nur heute.“, Lina nahm mich in den Arm.
„Zum Teufel. Aber nur, bis Carlos fertig ist.“
„Danke Nick.“
„Eine Bedingung habe ich noch. Wenn du zur Schule gehst, sagst du Herrn Moritz die Wahrheit. Deiner Oma übrigens heute Nachmittag auch. Versprochen?“ Ernst war mein Blick.
„Ja, versprochen.“

Nun saßen wir zusammen am Strand und beobachteten Carlos und Franky. Wobei Lina nur Augen für Carlos hatte und ich abwechselnd zu beiden sah. Es hätte ja sein können, dass ich tatsächlich mal gebraucht wurde. Da es aber nicht so war, trank ich meinen Kaffee und beobachtete Lina. Als ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte, griff ich nach dem anderen Becher. Leider war der Kaffee bereits kalt und so ging ich schnell zum Mülleimer und säuberte den Strand von meinen Bechern.
Als ich wieder bei Lina war, erzählte sie mir mit großer Begeisterung von Carlos letzten Sprüngen. Sie versuchte die Sprünge am Strand nachzumachen, was leider nicht so gut funktionierte. Erst, als ich ihr half und sie hoch in die Luft warf, fühlte sich auch wie ein Surfer.
„Ich will so gut werden wie Carlos“, rief Lina mit strahlenden Augen.
„Dann musst du aber ordentlich üben.“
„Ich weiß. Mache ich auch.“
Es war lustig. Ich hatte mit Lina mindestens genauso viel Spaß, wie meine Freunde bei ihrem Spot. Wir lachten, hielten uns die Augen zu, fasten uns an den Kopf und sangen sogar zusammen. Die Zeit verging viel zu schnell, und als Carlos endgültig aus dem Wasser kam, sah mich Lina fast etwas traurig an.
Aber abgemacht ist abgemacht und versprochen ist versprochen. Lina machte sich auf den Weg zur Schule. Sie hatte zwar etwas Angst davor, tat es aber für mich.

Ich brachte sie noch hoch zur Promenade und holte anschließend am Kiosk drei  Becher Kaffee. Als ich die drei Becher, ohne Zwischenstopp, zu meinen Freunden gebracht hatte, war ich irgendwie stolz auf mich. Erst, als wir den Kaffee getrunken hatten, bemerkte Franky, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, ihm einen Kaffee zu besorgen.
„Mensch Nick, du hast es tatsächlich geschafft. Ich bin wahnsinnig stolz auf dich.“, Franky lachte.
„Ja, ich bin ein Held.“ Freudig über das Lob sah ich zu Franky.
„Nein, ein Held bist du erst, wenn du ein Bier organisiert hast.“
„Dann werde ich mich auf den Weg machen und zum Helden aufsteigen.“
Auch das Sixpack brachte ich fehlerfrei und ohne Zwischenstopp vom Kiosk an den Strand. Wir saßen zwischen der Fotoausrüstung und den Surfbrettern und stießen auf den tollen Tag an.
„Auf uns“, sagte Carlos.
„Wir waren gut.“, meinte Franky.
Doch ich sagte nur „Prost.“, da ich nun wirklich nicht viel dazu beigetragen hatte.
Aber die strahlenden Gesichter meiner Freunde machten mich glücklich und ich war stolz darauf, solche Freunde zu haben:

Als ich klein war, hasste ich Dia-Abende und auch später, wenn irgendwelche befreundeten Pärchen ihre Urlaubsfotos zeigten, auf denen sowieso alles gleich aussah, war ich ehr gelangweilt. Aber heute Abend, als ich mir gefühlte zweitausend Surffotos ansehen durfte, war es anders. Es machte Spaß, sich die Bilder anzusehen. Franky hatte Weltklasse Fotos gemacht, die natürlich nur deshalb so gut waren, weil Carlos ein absoluter Topsurfer ist und es heute Morgen eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte.

Wenn wir nicht heute einen Grund zum Feiern hatten, wann dann? Wir machten einen Kneipenbummel und landeten ganz zum Schluss in der Wunderbar. Es waren viele Frauen, genau wie wir, auf Partytour und wir trafen einige mehrmals am Abend in unterschiedlichen Kneipen und Bars.
Auch in der Wunderbar waren so einige der Frauen, denen wir heute bereits begegnet waren. Einige waren ausgesprochen hübsch, einige ausgesprochen willig und einige wenige sogar hübsch und willig. Doch heute hatte keine Frau eine Chance bei uns. Es war unser Abend und wir wussten genau, wie wir ihn beenden wollten.


Zusammen mit einem Scheidebier auf dem Balkon und genau dort saßen wir auch irgendwann und schauten Löcher in den Nachthimmel. Geredet hatten wir heute genug und so schwiegen wir und genossen es.


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