Freitag, 29. Juli 2016

LeseFreude

Mögt ihr?

Klar mögt ihr ;-)

DANKE für die vielen lieben Nachrichten, die mich gestern erreicht haben. :-)
Ich habe mich sehr gefreut und selbstverständlich alle Komplimente von EUCH, auch an Kerry weitergegeben.
Klar mag ich einen Schnipsel aus dem Buch verraten! Wie könnte ich euren Bitten widerstehen?

Wie wäre es mit diesem Ausschnitt aus dem neuen Sylt-Roman?



Tränen vor Glück (Jonas)

Wie lange ich an diesem Abend bereits im Strandkorb saß, meine Füße dabei im Sand vergraben hatte und auf das Meer sah, wusste ich nicht. Es war mittlerweile stockdunkel und ich konnte bereits die Sterne am Himmel beobachten.
Wie gerne hätte ich in diesem Moment mit Smilla hier gesessen. So wie wir es früher immer getan hatten. Zu der Zeit, in der wir dachten, dass uns nichts und niemand trennen könnte. Noch immer war ich mir sicher, dass uns tatsächlich nichts auf dem normalen Weg hätte trennen können. Kein anderer Mensch und keine noch so prekäre Situation wäre dazu in der Lage gewesen. Sehr sicher waren wir uns. Vielleicht sogar in manchen Augenblicken zu sicher. Wir liebten uns und waren glücklich über jeden unserer gemeinsamen Momente. Jeder Augenblick war ein Highlight für uns, jede gemeinsame Minute war eine Minute, die wir genossen. Jeder Blick in unsere Augen entfachte ein Feuer und sorgte dafür, dass sich unsere Herzen sofort in unserem Verliebtsein-Modus befanden. Jede noch so kleine Berührung fühlte sich wie ein kleiner Stromstoß an. Es verlief ein Zucken durch den gesamten Körper und das Verlangen nach noch mehr Berührungen stieg in Sekundenschnelle an.
Immer wieder quälte mich der Gedanke daran, dass ein besoffener Kerl, der auch noch die Frechheit besaß, in einem Auto zu fahren, unser Leben zerstört hatte. Natürlich war Smilla die Leidtragende. Sie hatte den Unfall gehabt. Sie musste sich zunächst durch diese Reha quälen und mit den Schmerzen leben. Sie war es auch, die ein neues Leben starten musste. Nein, sie musste sogar lernen, dass sie ein Leben besaß. Dass es eine Zeit vor dem Heute gegeben hatte und ihr Leben nicht gerade erst begonnen hatte. Doch auch mein Leben hatte er zerstört. Er hatte mir das Liebste genommen. Mich dazu verurteilt, auf den Menschen verzichten zu müssen, den ich so sehr liebte. Ja, ich hatte sogar in einigen Augenblicken die Gedanken, diesen Typen aufzuspüren. Ihn zur Rede zu stellen. Meine Fäuste zu benutzen und sie sprechen zu lassen. Ja, manchmal sogar Gedanken daran, ihm etwas anzutun. Doch ich tat nichts davon. Wenn ich ihm gegenübergestanden hätte, wäre alles möglich gewesen. Ja, ALLES!
Doch es gab auch noch die Chance, dass Smilla mich irgendwann wieder brauchte. Dass ich wieder für sie da sein durfte. Dann wollte ich dazu bereit sein und mir nicht ein Gefängnis von innen ansehen müssen.

Ich wiederholte einen meiner Sätze von eben und machte mir Gedanken darüber, ob man wirklich in ein neues Leben starten konnte oder ob es nicht eigentlich nur ein neuer Lebensabschnitt war. Doch auch nachdem ich den Satz diverse Male zerlegt und wieder zusammengesetzt hatte, blieb ich in Smillas Fall bei dieser Meinung. Sie musste tatsächlich ein neues Leben beginnen.
Auch wenn die Ärzte und Smillas Eltern es mir bereits gefühlte 1000 Mal erklärt hatten, konnte ich es noch immer nicht verstehen. Nein, ich konnte es wirklich nicht verstehen, auch wenn Didi und Steffi mir häufig unterstellten, dass ich es nur nicht wahrhaben wollte.
Warum um Himmels willen konnte sich Smilla nicht mehr an mich erinnern? Diese Frage hatte ich mir in der Zeit nach dem Unfall wieder und wieder gestellt. Sie war wie eingebrannt in meinem Gehirn und ich wurde sie nicht wieder los. Egal, was ich tat, und auch egal, wie ich mich verhielt, konnte ich es nicht begreifen, geschweige denn vernünftig damit umgehen.
Wäre es zumindest so gewesen, dass Smilla mich nur in den ersten Wochen nicht erkannt hätte. Vielleicht hätte ich es dann irgendwann kapiert. Doch so war es nicht.
Daher verschwand ich aus ihrem Leben. Nur so war es möglich, dass sie Platz für Neues in ihrem Leben hatte. Wäre ich dageblieben, hätte sie mich sowieso nicht gekannt. Selbst wenn Smilla sich irgendwann für das UNS entschieden hätte, wäre es nicht aus Überzeugung gewesen. Sie hätte es getan, da es ihr erzählt wurde. Weil sie es aufgrund ihrer Vergangenheit machen musste. Weil ich es war, mit dem sie vor ihrem Unfall eine Beziehung geführt hatte. Nicht, weil sie von dem UNS überzeugt war und mich liebte.
Nur aus diesen Gründen hatte sie auch ihre Eltern wieder als ihre Eltern akzeptiert. Noch immer war das Verhältnis von Anja und Thomas zu ihrer Tochter häufig ein eher kühles Verhältnis. Es bestand auf dem Papier und nicht immer im Herzen. Zumindest nicht in Smillas Herzen.
Den Platz, den ich einmal in Smillas Leben eingenommen hatte, gab es nicht mehr. Sosehr ich mich auch bemühte und um diesen Platz kämpfte, ich bekam ihn nicht zurück. Unsere Zeit war vorbei und somit unsere Beziehung beendet.
Meine letzte Rückfahrt von Smilla und ihren Eltern verbrachte ich heulend im Auto. Über achtzig Kilometer lang hatte ich durchgehend geweint. Ich hatte das Wichtigste in meinem Leben verloren, und mir war klar, dass ich es niemals wieder zurückbekommen würde.

Die ersten Wochen danach hatte ich mich komplett zurückgezogen. Mein Leben bestand aus: aufstehen, zur Arbeit gehen, Feierabend machen, eventuell kurz das Notwendigste einkaufen, ein paar Stunden auf dem Sofa verbringen und wieder ins Bett gehen.
Die Frage nach dem WARUM hing wie ein Damoklesschwert über mir, und ich fand keinen Weg, der mir half, dagegen anzukämpfen. Nach und nach schaffte ich es, wieder in das normale Leben einzutauchen. Was ich allerdings nicht schaffte, war, Smilla und unsere Zeit zu verdrängen. Geschweige denn, unsere Zeit zu vergessen.
Um andere Frauen oder um eine andere Beziehung machte ich mir keinen Kopf. Jede Frau, die ich ansah, verglich ich mit dem wunderschönen Gesicht meiner Smilla. Jedes Gespräch mit einer anderen Frau sezierte ich so lange, bis ich die Worte als unangenehm empfand und daran dachte, dass Smilla so etwas nie gesagt hätte. Jede Bewegung und jedes Handeln von anderen Frauen verglich ich mit meinem Lieblingsmenschen, und so fiel es mir nicht schwer, sofort wieder auf Abstand zu gehen.
Die Zeit heilt alle Wunden. Wer auch immer diesen Satz gesagt hat, kannte meine Smilla nicht! Niemals würde die Wunde, die durch unsere Trennung in meinem Herzen aufgerissen wurde, verheilen können. Kein Medikament, keine Operation und kein Verbandszeug konnte diese schmerzhafte Wunde in mir heilen. In manchen Momenten dachte ich darüber nach, ob ein Leben alleine überhaupt einen Sinn machte. Nein, die Idee an einen Selbstmord hatte ich nicht. Ich verbot sie mir, da ich noch immer auf das Wunder hoffte und in diesem Augenblick für Smilla da sein musste.

Den Gedanken, einen letzten Versuch zu starten und Smilla zu zeigen, wie sehr ich sie liebte, trug ich die ganze Zeit in mir. Da ich jedoch die Worte der Ärzte und die Bitte von Smillas Eltern ebenfalls in mir trug, durfte ich diesen Versuch nicht angehen.
Dass ich es nun doch tat, lag an einem Telefonat mit Anja. Als ich erfuhr, dass ihre Tochter nach Sylt ging, um dort zu leben, um dort einen neuen Lebensabschnitt zu starten, konnte ich nicht anders. Es war unsere Insel. Es war der Ort, wo unsere einzigartige Liebe begonnen hatte, und es war das einzige Fleckchen Erde, das dafür geschaffen war, uns eine zweite Chance für unsere Liebe zu geben.
Nachdem ich mit Anja und Thomas alles besprochen und ihnen versichert hatte, dass ich nichts tun würde, was Smilla schaden würde, willigten sie ein. Selbstverständlich hielten wir vorher Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sowie mit einem Spezialisten für Amnesie.

Wieder kullerten Tränen über meine Wangen.
Doch hier im Strandkorb liefen, zum ersten Mal nach langer Zeit, Tränen vor Glück über mein Gesicht. Der Anfang war geschafft. Ich wusste nur zu genau, dass die Aussicht darauf, dass sich mein sehnlichster Wunsch erfüllte, nur sehr gering war. Doch wie klein die Chance auch war, ich musste es versuchen.

Ich war bereit und gleich morgen wollte ich starten.

Wenn es EUCH gefallen hat, dann könnt ihr hier den ganzen Roman downloaden:



Liebe Grüße
Ben


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