Samstag, 7. Mai 2016

Ferien

Lina hat Ferien


Oh manno hatte sich Lina auf die Ferien gefreut.
Sechs Wochen lang keinen Matheunterricht zu haben und keine Lehrer sehen zu müssen, war schon eine tolle Voraussetzung, um schöne Sommerferien verbringen zu können.

Am ersten Ferientag hatte keine ihrer Freundinnen Zeit.
Doch anstatt sich zu langweilen, war ein Papa-/Tochter-Tag angesagt. Zunächst wurde unterwegs gefrühstückt und anschließend ging es auf eine große Einkaufstour.

Gleich morgens wurde ein Einkaufszentrum unsicher gemacht. Immerhin brauchten beide noch einige leichte Sommersachen, da es in zwei Wochen nach Menorca gehen sollte.
Das Wetter war total schön und so konnten die Beiden, den anschließenden Nachmittag, in einem Eiscafe` verbringen.
Lina hatte einen tollen Tag und auch ihr Vater genoss es sehr, den ganzen Tag mit seiner kleinen Maus zu verbringen.

Am nächsten Tag probierte Lina bereits ab neun Uhr, ihre Freundin Emmi zu erreichen. Leider hatte Emmi keine Zeit, da sie mit ihrer Oma unterwegs war und keine Ahnung hatte, wann sie wieder zurück sein würde.


Auch alle anderen Freundinnen hatten keine Zeit oder waren nicht zu erreichen.
Mit einem enttäuschten Gesichtsausdruck und völlig gelangweilt, saß Lina auf dem Sofa und spiele mit ihrem Handy.
„Wollen wir auf den Markt gehen und ein Eis essen?“, Linas Papa wollte seine Tochter aus der Langeweile erlösen.
„Nö. Ich habe keine Lust.“
„Dann vielleicht in ein Einkaufszentrum gehen und nach einem Bikini für dich suchen?“
„Ach nö.“

Irgendwie war Linas Vater, über die Antwort zwar erleichtert, da er selbst keine Lust hatte, ins Einkaufszentrum zu gehen. Doch so konnte es auch nicht weitergehen.
Die Laune seiner Tochter wurde immer schlechter und auch er selbst, war langsam schlecht gelaunt. Er hatte sich von Lina wohl irgendwie, von ihrer schlechten Laune anstecken lassen.

Endlich hatte er eine Idee.
Nein, nicht einfach nur irgendeine Idee, sondern eine richtig Gute. Er war sich ganz sicher, dass Lina begeistert sein würde. So begann er schon damit, die Tasche zu packen, bevor er Lina den Vorschlag unterbreitete.

Mit der Badetasche über der Schulter kam ihr Vater in Linas Zimmer. Mit stolzgeschwellter Brust stand er vor seiner Tochter und freute sich schon sehr auf das freudige, „Oh ja gerne.“, seiner Tochter.
„Auf geht’s. Los, wir gehen ins Freibad.“
„Ach nö. Schwimmen gehen, ohne eine Freundin dabei zu haben, ist langweilig.“, irritiert sah Linas Vater seine Tochter an und brachte die Tasche zurück in den Kleiderschrank.

„Papa, Du darfst nicht traurig sein. Aber ohne eine Freundin macht es nicht so viel Spaß. Außerdem habe ich so gar keine Lust, ins Freibad zu gehen. Im Meer wäre es toll zu baden, aber ich mag dieses Chlorwasser nicht. In der Sonne ist es außerdem auch viel zu heiß. Ich meine, auch wenn eine Freundin Zeit hätte, würde ich nicht ins Freibad wollen. Verstehst Du, was ich meine?“, erfreulich ehrlich haute Lina diesen Sätze raus und verzog sich anschließend wieder auf ihr Bett.

Jetzt hatte Linas Papa tatsächlich keine Idee mehr.
Während er dabei war, sich einen Kaffee zu kochen, grübelte er weiter. Doch ganz plötzlich wurde er erlöst.
Das Telefon klingelte und obwohl Linas Vater dichter am Telefon stand, war Lina schneller. Wie ein kleiner Flitzeflink, lief zum Telefon und nahm das Gespräch an.

„Hallo Emmi.“, mehr bekam Linas Vater nicht von dem Telefongespräch mit, da sich seine Tochter in das Kinderzimmer verkrümelte und die Tür hinter sich geschlossen hatte.

Das Emmi keine Zeit hatte, wusste Linas Vater ja bereits. Wahrscheinlich wollte sich Emmi, nur einfach mal zwischendurch, melden und erzählen, was ihre Oma bereits alles für sie gekauft hatte.

Mit seinem Kaffeebecher setzte sich Linas Vater auf den Balkon in die Sonne und war bereits nach kurzer Zeit ganz schön am schwitzen.
„Ich glaube, ich muss Lina doch zum Freibad überreden. Auch wenn wir nur für zwei Stunden hingehen sollten. Bei der Hitze hält man es ja ohne Wasser nicht aus.“, dachte Linas Vater und nippte an seinem Kaffee.

Vom Balkon aus, konnte Linas Vater erst hören, dass sich die Kinderzimmertür öffnete und anschließend sah er, wie sich ein kleines Wesen, schnell durch die Wohnung bewegte. Neugierig wartete er darauf, was sich jetzt passieren würde.

Keine drei Minuten später konnte er Lina sehen, wie sie mit einer Badetasche über der Schulter, zu ihm auf den Balkon kam.
„Hey Lina. Hast Du doch Lust ins Freibad zu gehen?“
„Ja. Bei diesem Wetter muss man einfach in die Sonne und im kühlen Wasser baden.“
„Das freut mich.“



Schnell brachte Linas Vater seinen, noch halbvollen, Becher in die Küche und stellte ihn auf die Spüle. Danach ging es im Eiltempo ins Schlafzimmer. Nachdem er seine Schwimmtasche aus dem Schrank geholt hatte, stand er wieder bei Lina.
„Kann losgehen.“, freudig sah Linas Vater seine Tochter an.
„Wohin willst Du?“, Lina war erstaunt.
„Ich denke wir gehen ins Freibad?“

Lina sah ihren Vater etwas irritiert an.
„Nicht wir. Ich gehe mit Emmi und ihrer Mutter.“
„Ach so.“
„Papi, Du darfst jetzt nicht traurig sein. Aber mit drei Frauen würde es dir doch ganz bestimmt keinen Spaß machen. Da wird doch nur über Frauensachen geredet.“
„Da hast Du wohl Recht.“, etwas enttäuscht, stellte Linas Papa die Tasche auf den Fußboden.
„Aber beim nächsten Mal gehen wir beide. Ich verspreche es dir. Jetzt muss ich aber los, Emmi und ihre Mutter warten schon auf mich.“
„Viel Spaß kleine Maus.“
„Tschüß Papi.“

Vom Fenster aus, sah Linas Papa, seiner kleinen Maus hinterher. Als Lina sich kurz umdrehte und winkte, konnte er ihr freudiges Lachen erkennen und fühlte sich gleich wieder besser.

Wenn es seiner Tochter gut ging, war auch bei ihm alles in Ordnung.

Linas Papa schnappte sich die Tasche und legte sich, an der Alster, in die Sonne.
„Falls es mir zu heiß wird, kann ich ja meine Füße auch hier im Wasser abkühlen.“, dachte Linas Vater und grinste.



(Ben Bertram)

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