Montag, 4. April 2016

Leseprobe :-)

Da ist sie ...

Viele haben danach gefragt und heute darf ich sie präsentieren!

Eine Leseprobe aus unserem neuen Roman

Sprachlos

Obwohl ich in diesem Moment meinen Vater und Rita beobachten wollte, konnte ich meinen Blick nicht von meiner Frau lösen. Malin war noch immer alles für mich, und jeder Tag, den ich mit ihr gemeinsam erleben durfte, war ein wunderschöner Tag.
Ich sah sie an und bemerkte ganz deutlich, wie aufgeregt sie war. Wie die Neugier in ihr aufstieg und sie sich darauf freute, wie ihre Mutter und mein Vater gleich reagieren würden. Nur ab und an schaffte ich es, meinen Blick auf unsere Eltern zu richten, und ich war glücklich darüber, mit welcher Freude sie sich ihre kleinen Geschenke ansahen.
Da mein Vater wie so häufig seine Brille nicht dabeihatte, musste Rita ihm vorlesen.
„Mach schon, Rita. Was steht auf der Karte?“
„Ach Dieter, hättest du deine Brille dabei, könntest du selbst lesen.“
„Ich hab sie aber nicht dabei.“
„So wie immer.“ Schluchzend sagte Rita diese letzten Worte. Tränen liefen über ihre Wangen, und trotzdem versuchte sie jetzt, meinem Vater seinen Wunsch zu erfüllen.
„Liebe Oma, lieber Opa, bevor ihr mich …“ Stockend brach Rita ab.
„Mach schon, Pummelchen.“ Ungeduldig und neugierig sah mein Vater sie an.
„Liebe Oma, lieber Opa, bevor …“ Es ging einfach nicht. Zu viele Freudentränen liefen über ihr Gesicht. Malin war es, die, ohne sich die Karte nehmen zu müssen, den dort geschriebenen Text aufsagte.

Kopfschüttelnd saß mein Vater auf seinem Stuhl. Er saß einfach nur da und sah mich schweigend an. Sein Gesicht zeigte weder einen Ausdruck von Freude noch irgendeine andere Reaktion. Dann ging sein Blick abwechselnd zwischen seiner Frau, Malin und mir hin und her.
Fast wie in Zeitlupe schob er zunächst seinen Stuhl ein wenig nach hinten und stand schließlich auf. Nachdem er seiner Frau einen Kuss auf die Stirn gegeben hatte, ging er um den Tisch herum und kam zu uns. Wir saßen noch immer händchenhaltend nebeneinander und sahen zu Rita. Aus ihren Freudentränen waren inzwischen ganze Bäche geworden. Bäche, gegen die sie gar nicht erst versuchte anzukämpfen. Mein Vater hatte sich nun zwischen uns gekniet und seine Arme um unsere Schultern gelegt. Während er mir mit seiner rechten Hand durch meine vom leichten Sommerwind wild durcheinander gewehten Haare wuschelte, strich er mit seiner linken Hand über Malins Rücken.
Selten hatte ich meinen alten Herrn so sprachlos erlebt. Irgendjemand musste in diesem Moment etwas sagen. Da weder meine Frau noch unsere Eltern dazu in der Lage waren, war ich es, der diesen Part übernahm. Allerdings war der Gedanke leichter, als tatsächlich die passenden Worte zu finden.
Auch mein Herz klopfte vor Glück. Genauso wie es mein Herz immer tat, wenn ich daran dachte, dass Malin und ich Eltern werden würden.

„Möchte jemand einen Kaffee?“ Erstaunt wurde ich von sechs Augen angesehen. Fast so, als hätte ich gerade eine Kuh zum Fliegen gebracht.
„Was ist? Habe ich etwas Falsches gesagt?“
„Manchmal ist es besser, einfach nichts zu sagen. Wer will in einem solchen großartigen Moment schon Kaffee?“ Mein Vater stand auf und zog mich, noch immer oder schon wieder kopfschüttelnd, an sich heran.
„Ich werde Opa. Noah, ich werde Opa!“ Nach seinen Sätzen schloss mein Vater mich fest in seine Arme. Sehen konnte ich seine Tränen nicht, und doch spürte ich ganz deutlich, wie sie auf meiner Schulter ankamen und mein T-Shirt durchnässten.
Da Rita noch immer nicht in der Lage war aufzustehen, hatte Malin sich inzwischen auf den Weg zu ihr gemacht. Als sie vor ihr stand, streckte sie Rita ihre Hände entgegen. Freudestrahlend wurde Malin von ihrer Mutter angesehen. Dann stand Rita auf und nahm ihre Tochter liebevoll in die Arme.

Zu gerne hätte ich gehört, was die beiden sich in diesem Augenblick zu sagen hatten. Leider war ich zu weit weg. Allerdings vermutete ich, dass meine Frau es mir heute Abend erzählen würde.

Liebe Grüße
Kerry und Ben


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