Samstag, 12. März 2016

Komische Sachen

Manchmal sagt Papa komische Sachen


Lina war schon sehr verwundert, als sie dabei war, den Wunsch ihres Vaters zu erfüllen. Ihre Spiele hatte sie bereits, an der langen Wand ihres Zimmers, übereinander gestapelt. Der Turm aus Spielen war zwar ziemlich krumm, aber er stand. Stolz sah sie ihn an und war sich sehr sicher, dass ihr Papa sich darüber freuen würde.
Immerhin hatte sie die großen Kartons nach ganz unten gepackt und dann die anderen, kleineren Spiele, darauf gestellt.

Neben den Spielen gab es einen weiteren Stapel. Alle CD`s waren dort aufgetürmt und nach Hörspielen geordnet.
Toll fand Lina die Idee von ihrem Vater allerdings nicht. Wenn sie jetzt ein Hörspiel der „Wilden Hühner“ hören wollte, musste sie die CD, mitten aus diesem Turm herausziehen. Beim ersten Versuch war der CD-Turm sogar umgekippt. Was allerdings ein noch sehr viel schwierigeres Problem darstellte war es, wenn Lina die CD wieder in den Stapel zurück legen wollte.
Sie musste alle CD`s, die über den „Wilden Hühnern“ lagen, herunter nehmen, die CD an ihren Platz legen und alle anderen wieder darauf packen.
Aber vielleicht hatte Lina auch nur noch nicht den einfachen Trick entdeckt. Ganz bestimmt gab es eine bessere Möglichkeit. Warum hätte ihr Papa es sonst, so von ihr verlangen sollen.
Lina nahm sich fest vor, ihren Vater heute Abend danach zu fragen und damit sie es nicht vergessen würde, schrieb sie es auch gleich auf einen Zettel.


Auf dem Zettel hatte sie schon eine andere Frage notiert.
Schließlich hatte ihr Vater gesagt, dass sie alle ihre Schuhe vor das Bett stellen sollte. Doch jetzt konnte sie nur noch über Umwege in ihr Bettchen krabbeln. So richtig praktisch fand sie es nicht.
Okay, Lina hatte zwar eingesehen, dass es nicht toll von ihr war, fünf Paar Schuhe in die Küche zu stellen. Aber immerhin waren sie in der Küche nicht so doll im Weg, wie jetzt vor ihrem Bett.

Zum dritten Mal fiel dieser blöde T-Shirt-Stapel nun schon um. Was Lina wirklich ärgerte war, dass sie nicht Schuld daran war. Ohne, dass sie gegen den Stapel gekommen war, kippe er einfach zur Seite. Sie musste ihn nicht nur immer wieder aufbauen, sondern auch mindesten drei dieser verflixten T-Shirts immer wieder zusammenlegen.
Eine völlig überflüssige Arbeit und außerdem auch eine Arbeit, die nur sie machen musste. Die Klamotten ihrer Eltern lagen nämlich noch immer im Kleiderschrank und Lina vermutete, dass sie dort auch liegenbleiben würden.

Gespannt war Lina auch auf die Antwort von ihrem Papa, wohin sie nachher ihre Jacken legen sollte.
Von der gemeinsamen Garderobe im Flug sollte sie die Jacken entfernen. Aber warum ihr Vater, nachdem sie gefragt hatte, wohin sie die Jacken legen sollte, gesagt hatte, dass sie die Jacken auf ihrem Bett ausbreiten sollte, verstand sie noch immer nicht.
„Voll unpraktisch.“, hatte sie gedacht, es aber nicht gewagt zu sagen. Schließlich wirkte ihr Vater etwas genervt und Lina wusste nur zu gut, wann sie lieber den Mund halten sollte.

Lina sah sich in ihrem Zimmer um und so richtig gut gefiel es ihr nicht, was sie dort sah. Überall waren Stapel verteilt. Neben den T-Shirts gab den Hosenstapel, der etwas schräg stand und nur noch hielt, weil er an den Stapel der Pullis angelehnt war.

Das ganze Zimmer war voll und eine Aufgabe hatte sie noch zu erledigen.
Ihr Blick ging weiter durchs Zimmer und in ihrem Kopf grübelte sie, wo um Himmelswillen, sie ihre gesamte Playmobilsammlung aufbauen konnte.
Viel Platz war nicht mehr und so entschied sie sich dafür, das Playmobil-Hotel, den Reiterhof und den Zoo, im Zick Zack, um die Stapel aus Klamotten und CD`s, herum zu bauen.

Mit einem lauten scheppern flog der Turm aus CD`s um. Die eine Hälfte lag im Zimmer verteilt auf dem Fußboden, während Lina dabei war, unter der anderen Hälfte, heraus zu krabbeln.
Nicht nur, dass sie diesen blöden Stapel jetzt noch mal aufbauen musste. Nein, Lina konnte die ganzen blöden CD`s auch wieder neu sortieren. Außerdem tat ihr Knie weh, da sie dort am dollsten, von den dämlichen Dingern, getroffen wurde. Garantiert bekam sie jetzt auch noch einen blauen Fleck, auf dem ihre Mutter wieder, aus spaß an der Freude, herumdrücken würde.

Lenny würde auch fragen, woher sie den blauen Fleck hatte. Was sollte sie ihm denn bloß als Antwort geben? Ganz sicher konnte sie ihm nicht die Wahrheit sagen. Er würde sie doch für einen Dussel halten, wenn sie zugeben würde, dass sie von einem CD-Stapel begraben wurde.

Schuld an allem war Papa und als sie auf die Uhr sah, erkannte sie, dass ihr Papa in einer halben Stunde wieder zurück sein würde.
Jetzt musste sie sich aber wirklich beeilen, da ihre Playmobilsammlung noch immer, in den Kisten im Schrank, verstaut war und sie den Auftrag hatte, alles in ihrem Kinderzimmer aufzubauen.


Als Lina den Schlüssel hörte und jemand dabei war, die Wohnungstür aufzuschließen, war sie nervös. Immerhin war sie mit dem Aufbau noch nicht ganz fertig.
Zum Glück war es Mama.

Als Linas Mutter das Kinderzimmer betrat, sah sie sich verwundert um und überlegte, ob sie lachen oder doch lieber weinen sollte.
„Wie sieht es denn hier aus?“
„Magst Du es? Ich bin fast fertig. Papa ist bestimmt ganz doll stolz auf mich.“, grinsend saß Lina in dem Chaos, das sie in den letzten zwei Stunden angerichtet hatte.

„Was hast Du denn gemacht?“, eigentlich hätte Linas Mutter sprachlos sein müssen. Doch ihre Neugier war größer.
„Papa wollte es so.“
„Findest Du es toll?“
„Nein. Ich finde es voll unpraktisch. Aber jetzt muss ich schnell weiter machen. Ich brauch nur noch den Zoo aus dem Schrank nehmen und aufbauen. Dann bin ich fertig und Papa kann sich freuen, dass ich alles geschafft habe.“

Linas Mama verließ wieder das Zimmer, um sich in der Küche einen Kaffee zu kochen.
Als Lina einigen Minuten später zu ihrer Mutter in die Küche kam, griff sie nach ihrer Hand.
„Komm mit Mama. Ich bin fertig und Du musst mir sagen, wie Du es findest.“

Am Eingang vom Kinderzimmer blieben sie stehen.
Lina hielt ihre Mama vom betreten des Zimmers ab. Sie hatte Angst, dass etwas umkippte, falls sie gemeinsam in das Zimmer gehen würden.
Allerdings wäre es auch gar nicht möglich gewesen, das Zimmer zu zweit zu betreten. Es war einfach zu voll.
Alle Sachen von Lina waren immer Zimmer verteilt. Es war nicht möglich, einen Fuß vor den anderen zu stellen.

Es gab nur noch einen Platz im Kinderzimmer, an dem man sich bewegen konnte. Der große und leere Wandschrank stand, mit geöffneten Türen, in der Ecke vom Zimmer und wunderte sich, falls sich Schränke überhaupt wundern können, darüber, dass alle Sachen, die eben noch in ihm lagen, jetzt überall verteilt waren.

„Ob Papa sich sehr freut?“
„Ganz bestimmt wird er es machen.“
„Mama, warum lachst Du so doll?“
„Mir ist einfach danach. Ich glaube, dass soll dir lieber Papa nachher erzählen. Komm Lina, wir gehen ins Wohnzimmer und gucken Fernsehen.“
„Jetzt schon?“
„Was willst Du sonst machen? In deinem Zimmer kannst Du ja schließlich nicht spielen.“


Mit einem Kakao und Keksen saßen Papas Mädels vor dem Fernseher, als sie die Wohnungstür hörten.
„Hallo ihr süßen. Was macht ihr den?“
„Wir schauen uns einen Film an. Mama hat es erlaubt.“
„Um diese Uhrzeit?“

Lina schnappte sich die Hand ihres Vaters und ging mit ihm in die Richtung ihres Kinderzimmers.
„Bekomme keinen Schreck.“, hörte er seine Frau, begleitet von lautem Lachen, rufen.

Sprachlos sah Linas Papa in das Kinderzimmer hinein.
„Bist Du stolz auf mich? Ich habe alles gemacht, was Du gesagt hast.“
„Was habe ich gesagt?“, zu mehr kam er nicht. Linas Mama stand bei den beiden und sagte,
„Komm Lina, wir schauen uns weiter den Film an. Dein Papa hat jetzt etwas zu erledigen.“

Lina saß schon wieder im Wohnzimmer, als ihre Mutter lachend zu ihrem Vater sagte,
„Deine Tochter hat alles gemacht, was Du von ihr verlangt hast. Aber ich glaube, dass Lina noch etwas zu klein ist, um Ironie zu verstehen. Dann leg mal los und beseitige das Chaos. Falls Du uns suchen solltest, wir sind im Wohnzimmer.“

Lachend ging Linas Mutter zu ihrer Tochter zurück.

Als die beiden, erst ein lautes Scheppern und anschließen ein noch lauteres Fluchen hörten, wussten sie, dass gerade der CD-Stapel umgekippt war.



(Ben Bertram)

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