Samstag, 13. Februar 2016

Lektüre

Und nun liebe Freunde

... gebt fein acht.

Kerry und ich haben euch etwas mitgebracht! :-) ;-)

Eine kleine Leseprobe aus unserem Buch
"Salz auf deinen Lippen"



Meerblick

Wasser. Nichts als Wasser war um uns herum, und irgendwie empfand ich es als ziemlich unheimlich.
Ich ärgerte mich über mich selbst, als ich diese Gedanken in meinem Kopf hatte, während ich neben einer wunderschönen Frau saß. Mitten in unserem Gespräch kam ich darauf und wurde sie komischerweise auch nicht wieder los. Hatte ich Angst? Angst vor dem großen Meer und vor den tückischen Tiefen, von denen man immer hörte? Oder war ich es einfach nur nicht mehr gewohnt, mich mit einer Frau zu unterhalten? Klar hatte ich häufig Gespräche mit irgendwelchen Mädels, wenn ich ihnen im Fitnessstudio bei Übungen behilflich war. Oder anschließend an der Bar, wenn ich einen Energydrink zu mir nahm und gefragt wurde, ob es irgendetwas für den Muskelaufbau sei. Doch hier war es anders. Malin schien an mir und nicht an meinem Körper Interesse zu haben. Außerdem waren wir in der gleichen Situation. Während sie ihren Urlaub mit Mama verbringen durfte, tat ich es mit meinem Vater. Manchmal schrieb das Leben merkwürdige Geschichten, waren meine nächsten Gedanken und schon hatte ich eine Idee. Eine Weltklasse-Idee, wie ich fand, und während ich bereits an ihr feilte, wurde ich immer stiller.
„Ich geh dann mal.“ Mehr sagte Malin nicht, als sie bereits dabei war, von ihrem Stuhl aufzustehen.
„Tschüss.“ Völlig in Gedanken sorgte irgendein Automatismus dafür, dass dieses Wort aus meinem Mund hüpfte. Erst als Malin schon einige Schritte gegangen war, begriff ich, was gerade passierte. Ich sprang ebenfalls auf und machte mich auf den Weg hinter ihr her. Als ich auf ihrer Höhe war, griff ich nach ihrem Arm und hielt sie kurz fest.
„Geh nicht. Ich würde mich freuen, wenn du dich wieder zu mir setzt und wir noch etwas zusammen trinken.“
„Aber du redest ja gar nicht mit mir. Es fühlte sich eben an, als würdest du gerne alleine sein wollen. Du warst so in deinen Gedanken versunken.“ Eigentlich war dies der Moment, in dem ich sonst immer meine Klappe hielt. Doch da Malin mir sehr sympathisch war und ich sie außerdem auch für meinen Plan brauchte, sprang ich über meinen Schatten und sprach weiter.
„Bitte, komm zurück und setz dich wieder zu mir. Dann können wir noch was zusammen trinken.“ Bereits jetzt von meiner Idee zu erzählen, dazu fehlte mir der Mut.
„Na gut. Aber nur, wenn du auch ab und zu ein Wort sagst.“ Malin zwinkerte mir zu, während wir uns wieder hinsetzten.
„Möchtest du noch eine Cola?“
„Nein, ich habe Kaffeedurst.“
„Okay, dann starte ich mal einen neuen Versuch. Bisher war ich in Sachen Kaffee ja nicht wirklich erfolgreich.“ Ein kleiner Wink genügte und die Bedienung kam zu uns. Malin hatte sich für einen Cappuccino entschieden, während ich erneut versuchte, endlich einen Milchkaffee zu bekommen. Der Kellner nahm unsere Bestellung auf und wiederholte sie sogar richtig. Kurz darauf standen unsere Heißgetränke auf dem Tisch. Da wir uns die letzten Minuten über diese schwimmende Stadt, die sich Schiff nannte, unterhalten hatten, war es jetzt an der Zeit, das Thema zu wechseln. Noch immer kreiste meine Idee durch mein Hirn, und ich war gespannt, wie Malin sie wohl finden würde.
„Prost Kaffee“, sagte ich und hob meinen Becher. Während Malin und ich uns in die Augen sahen, führten wir das Porzellan zu unseren Lippen und nippten an dem uns eben servierten Getränk.
„Hui, der Cappuccino ist nicht nur heiß, sondern auch noch extrem lecker. Wie ist dein Milchkaffee?“
„Falsche Frage!“ Obwohl meine Betonung aus meiner Sicht berechtigterweise relativ verärgert klang, lächelte ich Malin an.
„Warum? Schmeckt er nicht?“
„Ich kann nicht beurteilen, wie oder ob der Milchkaffee hier schmeckt. Ich habe keinen.“
„Du hast keinen? Wir haben doch eben einen bestellt.“
„Korrekt! Aber wir haben keinen bekommen.“ Demonstrativ hielt ich meinen Becher in Malins Richtung.
„Das ist Kaffee mit Milch.“
„Und du bist ein Schlaumi.“ Wieder grinste ich und nahm einen großen Schluck.
„Gib ihn doch zurück. Oder bestell dir einfach noch einen Milchkaffee.“
„Noch einen Milchkaffee?“ Beide mussten wir lachen, dann schob ich unsere Becher etwas zur Seite und beugte mich zu meinem Gegenüber vor.

Zunächst sagte ich Malin, dass der Milchkaffee jetzt Nebensache war. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass ihre Mutter, genau wie mein Vater auch, in keiner Beziehung war, erzählte ich freudestrahlend von meiner Idee. Als ich fertig war, sah Malin mich erst nur an. Dann sagte sie:
„Meinst du wirklich?“
„Klar meine ich das wirklich. Wir verkuppeln unsere Eltern. Ich glaube, ich finde diesen Plan ausgesprochen gut. Und mal ganz ehrlich, wenn wir es schaffen, dass unsere Eltern Kontakt zueinander haben, haben wir hier auf dem Schiff auch mehr Zeit für uns.“
„Mehr Zeit für uns hört sich gut an.“ Erst nachdem Malin meinen letzten Satz wiederholt hatte, wurde mir die Bedeutung meiner Worte bewusst. Schnell wollte ich dafür sorgen, dass ich den eben gesagten Satz richtigstellte.
„Also … Ich meine natürlich … Weißt du …“
„Nein. Aber du wirst mir jetzt sicherlich erklären, was du mir mit deinen Wortbrocken mitteilen möchtest.“
„Na ja, nicht wir haben mehr Zeit für uns, sondern wir haben mehr Zeit für uns.“ Bereits als ich diesen Satz gesagt hatte, wurde mir klar, wie schwachsinnig er war. Wäre ich nicht von alleine draufgekommen, hätte mich Malin mit ihrem Gesichtsausdruck darauf aufmerksam gemacht. Mir blieb nichts anderes übrig, als es erneut zu versuchen.
„Wenn mein Vater mit deiner Mutter hier Zeit verbringt, dann ist mehr Zeit für uns. Also wir haben mehr Zeit für uns.“ Ich hasste mich gerade selbst, da ich zu dusselig war, einen normalen Satz über meine Lippen zu bringen. Zu blöde war, einen Satz zu formulieren, den mein Gegenüber auch so verstand, wie ich ihn gemeint hatte.
„Pass auf, Malin. Wenn unsere Eltern gemeinsam Zeit verbringen, hast du mehr Zeit zum Lesen und ich mehr Zeit für Sport. Wir können also jeder für uns Dinge machen, die wir mit unseren Eltern zusammen nicht machen könnten.“ Ich war froh, endlich die richtigen Worte gefunden zu haben, wurde dann jedoch eines Besseren belehrt.
„Ich kann sehr wohl lesen, wenn meine Mutter neben mir liegt.“
„Ja, aber … Das war jetzt nur ein Beispiel … Weißt du …“ Ich wurde unterbrochen.
„Ich hab schon verstanden, was du meinst. Wir müssen uns dann nicht mehr so intensiv um unsere Eltern kümmern, sondern können Sachen machen, auf die wir Lust haben. Du kannst deinen Tag alleine verbringen und ich kann es auch.“ Mir fiel ein Stein vom Herzen. Malin hatte mich verstanden und alles war geklärt. Alles war geklärt? Gar nichts war geklärt! Schließlich hatte ich noch keine Antwort auf meinen Vorschlag bekommen.
„Und?“
„Und was?“
„Wie findest du die Idee?“
„Genial. Genau so machen wir’s!“

In diesem Moment kam mein alter Herr vorbei und wir mussten unser Gespräch abbrechen. Sein komisches Grinsen konnte ich nicht nachvollziehen. Daher schob ich es darauf, dass er wahrscheinlich gerade eben wieder eine Frau erobert hatte und sich noch immer darüber freute.

Mit den Worten, dass sie sich jetzt wieder auf ihre Liege legen würde, um etwas zu lesen, verabschiedete sich Malin von uns.



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