Mittwoch, 3. Februar 2016

Fußball

Fußball ist blöd …!


Auweia …
Die Worte von Lenny hatten Lina nicht nur tief getroffen. Nein, sie begann auch tatsächlich damit, diese gemeinen Worte zu glauben.

Vielleicht waren die Worte auch gar nicht gemein. Immerhin war Lenny der Beste im Sportunterricht und wenn er solche Dinge sagte, mussten sie einfach stimmen.
„Jedes kleine Kind kann einen Ball richtig fangen und wer nicht auch mit dem linken Fuß einen Ball schießen kann, der sollte gleich damit aufhören Fußball zu spielen.“

Passiert war es heute im Sportunterricht.
Endlich wurde Lina, als eine der ersten, in eine Mannschaft gewählt. Sie war glücklich darüber und auch stolz darauf, dass sich ihr Üben ausgezahlt hatte.
Die letzten Tage hatte sich Lina häufig mit Emmi und anderen Mädchen aus der Klasse verabredet. Zusammen übten sie auf der Kückeninsel das Fußballspielen und alle wurden von Tag zu Tag besser.

Zumindest dachte Lina es.
Aber da Lenny der Meinung war, dass sie es nicht können würde, hatte sie sich wohl getäuscht. Er musste es schließlich wissen. Immerhin spiele er im Fußballverein und hatte zwei Mal in der Woche Fußballtraining.

Niemals würde sie es lernen. Aber seit heute, hatte sie auch gar keine Lust mehr darauf, dieses dämliche Spiel, überhaupt zu spielen.
Warum sollte sie es auch machen? Auch beim nächsten Fußballspiel in der Schule, würde sie sich wieder von Lenny auslachen lassen müssen.

Linas Vater wunderte sich zwar etwas darüber, dass Lina und Emmi an den nächsten Tagen, nicht mit ihrem Fußball in der Hand, zur Kückeninsel liefen. Aber immerhin waren es Mädchen und vielleicht hatten sie einfach nur keine Lust mehr, hinter dem runden Ding her zu laufen.

Am Wochenende schien die Sonne.
Doch anstatt sich die Zeit draußen zu vertreiben, saßen Emmi und Lina nun schon seit fast zwei Stunden im Zimmer hörten Musik.
Musik zu hören ist eine tolle Sache, dass fand zwar auch Linas Vater, der aber trotzdem der Meinung war, dass die Mädels ruhig etwas das tolle Wetter genießen sollten.

„So Mädels. Was haltet ihr davon, wenn ihr jetzt mal auf den Weg nach draußen macht?“
„Ach nö.“
„Warum denn nicht? Schnappt euch die Fahrräder und auf geht’s.“
„Wir haben aber keine Lust.“
„Dann nehmt euch den Ball und trainiert für das Fußballturnier.“
„Für welches Fußballturnier?“
„Ihr Pappnasen. Freitag ist doch das Sommerturnier in der Schule.“
„Da spielen wir aber nicht mit. Fußball ist blöd.“

Obwohl Linas Vater bestimmt drei Fragen in seinem Kopf hatte, sagte er nichts. Manchmal ist es besser zu schweigen und sich ganz in ruhe Gedanken zu machen.
Irgendetwas musste passiert sein. Aber Linas Vater war sich sicher, dass er jetzt ganz bestimmt keine Antwort darauf bekommen würde.

Zehn Minuten später stand Linas Papa wieder vor der Kinderzimmertür. Nachdem er geklopft und ein lautes, „Komm rein.“, gehört hatte, öffnete er die Tür.
„So Mädels, mitkommen.“
„Wohin?“
„Zur Kückeninsel.“
„Was wollen wir da?“
„Trainieren.“
„Was trainieren?“
„Für euer Fußballturnier. Ich habe euch letztes Wochenende versprochen, dass wir zusammen dafür trainieren werden und was ich versprochen habe, dass halte ich auch.“


Obwohl Emmi und Lina die Lust auf Fußball komplett vergangen war, schlurften sie hinter Linas Papa her.
Als sie auf der Kückeninsel angekommen waren, setzten sie sich ins Gras und schauten die kleinen Wolken an, die wie Schäfchen am Himmel entlang flogen.

Da hatte Linas Vater wohl eine schwierige Aufgabe vor der Nase. Die beiden Freundinnen zum Fußball zu animieren, würde nicht leicht werden.
Kurz überlegte Linas Papa, ob er sich zu den beiden Mädels ins Gras legen sollte. Doch dann entschied er sich dafür, lieber ein bisschen mit dem Ball zu spielen. Zunächst begann er damit, den Ball mit seinen Füßen hoch zu halten.

Linas Vater war etwas aus der Übung und so kullerte der Ball einige Male quer über die Kückeninsel.
Bei diesem Versuch, ließ er den Ball jedoch mit Absicht, in die Richtung der Mädels rollen.
Zum Glück ging sein Plan auf. Lina sprang hoch und schoss den Ball zu ihrem Vater zurück.
„Hey, was für ein cooler Schuss. Du bist wirklich gut geworden.“
„Findest Du wirklich?“
„Klar. Jetzt Du Emmi.“

Im Dreieck wurde der Ball hin und her geschossen und mit jedem neuen Schuss, stieg der Spaß, der beiden Freundinnen am Fußball, wieder an.
„Darf ich mal mit links schießen?“
„Natürlich Lina. Auf geht’s.“

Wieder kam der Ball auf Lina zugerollt und tatsächlich trat sie, mit ihrem linken Fuß, gegen den Ball.
Es war kein toller Schuss. Aber so richtig schlecht, war er auch nicht.
„Ich auch.“, Emmi wollte jetzt auch die Schusstechnik ihres linken Beines testen und nachdem sie beim ersten Versuch, noch ein großes Luftloch getreten hatte, klappte es danach, von Versuch zu Versuch besser.

Als sie sich eine Stunde später, alle zusammen, auf den Weg zum Eismann machten, strahlten die Mädels um die Wette.
Linas Vater musste ihnen sogar versprechen, dass er bis Freitag, jeden Tag mit ihnen, einen Augenblick trainieren würde.

An den nächsten Tagen wurde auch noch das Fangen von Bällen mit in das Trainingsprogramm aufgenommen. Sicherlich gab talentierte Fußballspieler als Emmi und Lina. Doch sie hatten Spaß dabei und wenn man eine Sache mit Spaß macht, kommt fast immer etwas Schönes dabei heraus.

In ihrem Sportzeug ging Lina am Freitag aus der Wohnungstür. Beeilen brauchte sie sich allerdings nicht, da sie sich heute, ganz bestimmt vor Aufregung, viel zu früh auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht hatte.
Obwohl es noch fast zehn Minuten vor der verabredeten Zeit war, stand auch Emmi bereits an der Bushaltestelle und wartete.

Das Fußballturnier konnte beginnen.

Freudestrahlend kam Lina am Nachmittag nach Hause. Als ihr Vater die Wohnungstür geöffnet hatte, sprang ihm seine Tochter direkt in die Arme und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
„Habt ihr das Turnier gewonnen?“
„Nein. Unsere Mannschaft ist dritter geworden. Aber weißt Du was?“
„Was gab es tolles?“
Lenny hat mit seiner Mannschaft nur den vierten Platz geschafft. Im Spiel um den dritten Platz haben wir sie geschlagen.“


„Dann ist Fußball also gar nicht mehr so blöd?“, Linas Papa war neugierig auf die Antwort seiner Tochter.
„Es geht so.“

Kurz bevor Lina in ihrem Zimmer verschwand, blieb sie stehen und sah noch mal ihren Vater an.
„Ich habe sogar ein Tor geschossen. Sogar mit dem linken Fuß. Aber ich werde es Lenny nicht verraten. Sonst wird er vielleicht noch trauriger, als er es jetzt schon ist.“
„Das ist eine gute Idee.“, antwortete Linas Vater und war wahnsinnig stolz auf seine kleine Maus.

Lina war in ihrem Zimmer verschwunden. Kam aber kurze Zeit später wieder heraus.
„Du Papa, aber jetzt müssen wir doch nicht mehr jeden Tag auf der Kückeninsel trainieren?“
„Nein. Natürlich nicht“
„Das ist schön. Wir wollen nämlich eine Bande gründen und dann habe ich für Fußball keine Zeit mehr.“

„Was für eine tolle Idee.“, sagte ihr Vater.
Allerdings musste er sich eingestehen, etwas traurig zu sein. Ihm hatte das tägliche Training mit Emmi und Lina viel Spaß gemacht.
Aber er war auch etwas stolz.

Immerhin hatte er es geschafft, dass Fußball nun nicht mehr blöd war.



(Ben Bertram)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen