Dienstag, 16. Februar 2016

Eine Idee

Lina hatte eine Idee


Und zwar eine richtig tolle.
Warum ihr Papa nicht so richtig, von dieser Idee begeistert war, konnte Lina zunächst gar nicht verstehen.

Es war ein total schöner Tag.
Am frühen Morgen fuhren Lina, Emmi, Linas Papa und sein bester Freund Franky, der extra aus Lübeck angereist war, in den Zoo.
Fast fünf Stunden wurde der Tierpark unsicher gemacht und ordentlich Geld für Tierfutter, Würstchen und andere Leckereien ausgegeben.

Die Speicherkarte im Fotoapparat war auch fast voll und da das Wetter sich, von seiner besten Seite zeigte, waren alle am frühen Nachmittag ganz schön kaputt.
Doch sie wollten sich noch unbedingt ein zweites Mal die Bären und ihre Babys ansehen. Es war so niedlich, wie die kleinen Bärenbabys am toben waren. Mit einer riesigen Freude am Leben, tobten sie durch das Gehege und spielten mit allem, was ihnen vor die kleinen Tatzen kam.

Tatsächlich fanden Lina und Emmi die kleinen Bären noch sehr viel süßer, als die kleinen Äffchen.
Auch wenn sie nicht damit gerechnet hatten, mussten sie es jetzt zugeben.
Lina löschte sogar einige Bilder von der Speicherkarte ihres Fotoapparates, damit sie noch mehr Fotos von den kleinen Bären machen konnte.

Ebenso eifrig, wie die Bären, flitzten Lina und Emmi, als flitzeflink, am Zaun vom Gehege hin und her. Sie mussten doch immer auf der Höhe der Bären sein, damit sie die besten Bilder knipsen konnten.
Erst eine halbe Stunde später kamen sie an der Bank an, auf der sich Franky und Linas Papa inzwischen hingesetzt hatten.


Mit hochrotem Kopf und Schweiß auf der Stirn, standen sie nun dort und mussten sofort etwas trinken.
„Fotograf sein ist echt ein anstrengender Beruf.“, sagte Emmi und Lina gab ihr Recht.

Jetzt waren die beiden Freundinnen aber endgültig kaputt und so ging es los.
„Müssen wir auch mit der Bahn zurück fahren?“, Lina war es, die diese komische Frage stellte.
„Möchtest Du lieber einen langen Spaziergang machen?“, Franky lachte bei seiner Antwort.
„Nein. Papa und Du könnt doch mit der Bahn fahren, zuhause in das Auto steigen und uns hier wieder abholen. Emmi und ich warten hier solange auf der Bank.“

Wortlos, dafür aber lachend, gingen Linas Papa und Franky in die Richtung vom Bahnhof.
„Sollen wir nun hier warten?“
„Los jetzt. Die Frage kannst Du dir wohl selbst beantworten.“

Während die Mädchen sich in Bewegung setzten, flüsterte Franky,
„Ich finde die Idee gar nicht so schlecht. Weißt Du was, ich würde sogar hier bei den Kindern bleiben und auf sie aufpassen, damit nichts passiert.“, nur ganz kurz sah Linas Papa seinen Freund erstaunt an. Dann lachten sie beide.

Linas Wohnung lag ziemlich genau in der Mitte von zwei Bahnstationen.
Ausgestiegen wurde an der Station, bei der man, auf dem Weg zur Wohnung, an dem kleinen Eiscafe` vorbei gehen musste.

Was genommen wurde, war schnell entschieden. Lina und Emmi bestellten sich ein Spaghetti-Eis, während sich die die Erwachsenen einen Eiskaffee gönnten.
„Noch einen Kaffee und die Sonne genießen?“, selbstverständlich war Linas Vater sofort von Frankys Idee begeistert.
„Dürfen wir schon los?“, Lina hatte keine Lust mehr. Sie wollte viel lieber mit Emmi losdüsen und spielen gehen.

Leider hatte Lina ihren Haustürschlüssel vergessen und so musste sie das Schlüsselbund von ihrem Papa mitnehmen, als sie sich, zusammen mit Emmi, auf den Weg zur Wohnung machte.
„Aber ihr bleibt in der Wohnung. Wir kommen sonst nicht rein.“, hatte Lina noch, von ihrem Vater, mit auf den Weg bekommen.

Doch bei diesem schönen Wetter, die ganze Zeit, in der Wohnung zu hocken, war Lina und Emmi irgendwie zu blöd.
Eine Wasserschlacht auf der Kükeninsel, hielten die beiden für eine sehr viel coolere Idee.
Schnell wurden mehrere leere Wasserflaschen und die Gießkanne, mit Wasser gefüllt.

Schwer beladen machten sich die beiden Freundinnen auf den Weg zur Kükeninsel. Eine Wolldecke und einen kleinen Korb, der mit vielen kleinen Leckereien gefüllt war, hatten sie ebenfalls dabei.
Nach der Wasserschlacht wollten sie ein Picknick machen und sich von diesem schönen, aber auch anstrengenden Tag zu erholen.

„Sind dahinten nicht eben Lina und ihre Freundin um die Ecke gebogen?“, fragte Franky, als er zusammen mit Linas Papa, auf dem Weg zur Wohnung war.
„Da musst Du falsch geguckt haben. Die warten doch Zuhause auf uns.“
„Komisch. Ich hätte darauf wetten können. Aber Du hast bestimmt Recht.“

Obwohl die Hauseingangstür offen war, klingelte Linas Papa, bereits an der Klingel, die sich unten an der Tür zum Hauseingang befand.
Doch es passierte nichts. Niemand drückte auf den Türöffner.
Während Linas Vater sich sofort Gedanken um Lina und Emmi machte, sagte Franky,
„Wenn ich laut Musik höre, kann ich die Türklingel auch nicht hören.“

Die Wohnung von Lina und ihren Eltern, war im Erdgeschoß.
Da die Fenster allerdings so hoch angebracht waren, dass man nicht hinein schauen konnte, mussten Linas Papa und Franky etwas machen, was sie schon seit vielen Jahren nicht mehr getan hatten.
Eine Räuberleiter musste her und so stand Linas Papa jetzt, mit ineinander gefalteten Händen vor dem Fenster. Franky setzte ein Fuß hinein und mit einem schnellen Schwung, hob Linas Papa, seinen Freund in die Luft.

„Kannst Du sie sehen?“
„Nein. Das Kinderzimmer ist leer.“

In Gedanken versunken öffnete Linas Vater seine zusammengefalteten Hände.
Was er gerade getan hatte, wurde ihm allerdings erst so richtig bewusst, als Franky fluchend auf dem Boden saß und fragte,
„Sag mal, hast Du sie noch alle? Du kannst mich doch nicht einfach fallen lassen.“

Nachdem Franky wieder auf seinen Beinen stand, gingen sie zusammen ins Treppenhaus. Linas Papa klopfte gegen die Wohnungstür. Doch es kam keine Reaktion. Auch als er wieder und wieder den Klingelknopf drückte, passierte nichts.
Inzwischen hatte er sich sogar auf die Fußmatte gekniet und war damit mit beschäftigt, einen Blick durch den Briefkastenschlitz der Wohnungstür zu werfen.

Endlich konnte er etwas hören.
Leider bemerkte Linas Vater erst nach einigen Sekunden, dass das Lachen nicht aus der Wohnung, sondern aus dem Mund seines Freundes, kam.
„Sag mal mein Bester, was genau gibt es jetzt eigentlich zu lachen?“
„Schau mal.“, Franky deutete zu den Joggingschuhen, die Linas Vater gehörten und die er immer vor der Wohnungstür stehen hatte.
„Ja und? Die stehen hier immer. Aber mal ganz ehrlich, im Moment interessiert es mich mehr, was mit Lina und Emmi ist.“


Franky lachte und obwohl er der beste Freund von Linas Vater war, fand Linas Vater das Verhalten gerade ziemlich unpassend.
„Kannst Du endlich mit deinem blöden lachen aufhören? Sag mir lieber, was wir jetzt unternehmen wollen?“
„Wir gehen zur Kükeninsel. Aber vorher gehe ich noch aufs Klo. Der Kaffee will wieder raus.“, Franky lachte noch immer. Deute aber auf einen Zettel, der ganz rechts an der Wohnungstür klebte und den Linas Vater bisher nicht gesehen hatte.

Lieber Papi,
Emmi und ich sind auf der Kükeninsel.
Wir machen eine Wasserschlacht und ein Picknick.
Ich hab dich lieb.
Der Schlüssel ist in deinem Schuh versteckt.
Deine Lina

Endlich konnte auch Linas Papa wieder lachen.

Als Linas Vater am Abend seiner Tochter erklärt hatte, dass ein versteckter Schlüssel wenig Sinn macht, wenn man einen Zettel an die Tür hängt und auf diesem Zettel schreibt, wo der Schlüssel sich befindet, lachten beide.

Aber dann wurde Linas Papa wieder ernst.
„Lina, es ist gefährlich so was zu machen. Jeder Einbrecher hätte in unsere Wohnung gekonnt. Bitte mach so was niemals wieder.“
„Das verspreche ich dir Papa.“

Dann nahmen sich die beiden in den Arm und freuten sich darüber, einen solch schönen Tag mit ihren besten Freunden gehabt zu haben.


(Ben Bertram)

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