Sonntag, 17. Januar 2016

Cappuccino

Lina macht Cappuccino


Auch Lina wurde nicht als Schulkind geboren.
Nein, auch sie war vorher ein kleines Mädchen und hatte super viel Spaß im Kindergarten.

Wie alle kleinen Kinder hat sie es geliebt, in der Sandkiste mit Baggermatsch zu spielen und sah natürlich anschließend, wie eine kleine Suddelsau aus.
Am schlimmsten natürlich an den Tagen, an denen noch ein wichtiger Termin stattfinden sollte.
Immer wenn ihr Papa es eilig hatte und mit ihr direkt nach dem Kindergarten irgendwo hin musste, sah er eine kleine verdreckte Maus an der Eingangstür vom Kindergarten stehen.

Auch heute ahnte er schon das Schlimmste, als er auf dem Weg zum Kindergarten war.
Obwohl er Lina heute Morgen extra gesagt hatte, dass sie heute noch zum Kinderarzt mussten, glaubte er nicht daran, dass ihn seine kleine Maus, in sauberen Klamotten, empfangen würde.
Immerhin war heute tolles Wetter und Lina hatte garantiert vergessen, dass sie heute gemeinsam zum Arzt mussten.

Doch Linas Papa hatte eine klasse Idee.
Er packte Wechselwäsche für seine Tochter ein. Als er fünf Minuten vor der eigentlichen Abholzeit im Kindergarten angekommen war, sah er stolz auf die Tasche mit der frischen Wäsche.


Natürlich suchte er seine Tochter zunächst in der Sandkiste. Doch er fand sie nicht. Nachdem er den ganzen Außenbereich abgesucht hatte, kam Linas beste Freundin zu ihm und sagte,
„Suchst Du Lina?“
„Ja. Weißt Du wo sie ist?“
„Klar.“, mehr kam nicht.
„Sagst Du es mir auch?“, Linas Papa musste lachen.
„Lina ist im Haus.“

Etwas verwundert machte sich ihr Vater auf den Weg ins Haus und begann damit, Lina dort zu suchen.
Endlich fand er sie auf dem Dachboden, der als Werkstatt für die Kinder eingerichtet war.
„Hallo kleine Maus.“
„Hallo Papa. Darf ich das Bild noch schnell fertig malen?“
„Da haben wir keine Zeit für. Du musst dich doch noch umziehen.“
„Warum muss ich mich umziehen?“

Erst jetzt sah Linas Vater, dass die Klamotten von Lina sauber waren und er sich seinen Satz hätte sparen können.
„Du bist ja gar nicht eingesuddelt.“
„Ich musste doch heute vorsichtig sein. Du hast es mir heute Morgen gesagt.“
Stolz auf seine Tochter ging er mit ihr, Hand in Hand, zum Auto. Sie mussten sich beeilen, da der Termin beim Kinderarzt schon in zehn Minuten begann.

Eine Stunde später waren die beiden fertig und saßen im Garten.
Ihr Vater las in der Zeitung, während Lina in der Sandkiste saß und dabei war Kuchen zu backen.
„Papa, was für Kuchen möchtest Du?“
„Apfelkuchen wäre cool.“
„Okay. Möchtest Du Sahne auf dem Kuchen haben?“
„Na klar.“

Wenige Augenblicke später hielt Linas Papa eine Sandform in der Hand und musste den Kuchen essen.
„Du isst ja gar nicht richtig.“, Lina war enttäuscht.
„Wie soll ich denn richtig essen?“
„Ich habe dir doch extra einen Löffel neben den Gartenstuhl gelegt. Der liegt da aber noch immer.“
„Oh. Entschuldige bitte. Ich hatte ihn gar nicht gesehen.“, Linas Papa schnappte sich den Löffel und schon ging es los.

„Möchtest Du auch noch ein Eis?“
„Bei diesem schönen Wetter möchte ich natürlich ein Eis.“
„Was für Kugeln?“
„Egal.“
„Egal ist quatsch. Jeder möchte seine Lieblingskugeln essen.“
„Okay. Dann nehme ich Melone, Cappuccino und Orange.“
„Cappuccino habe ich nicht als Eis.“
„Dann nehme ich halt Schokolade.“

Mit einem anderen Sandförmchen kam Lina an der Liege an und gab ihrem Papa sein Eis. Während Linas Vater das Eis löffelte, saß seine Tochter wieder in der Sandkiste und spielte Bäcker.
„Papi, möchtest Du auch einen Cappuccino?“
„Ein Cappuccino wäre jetzt der Hammer.“, bekam Lina zur Antwort.

Vertieft in seine Zeitung saß Linas Vater im Gartenstuhl. Das es schon seit einigen Minuten relativ ruhig im Garten war, hatte er gar nicht mitbekommen. Auch, dass er noch immer keinen, aus Sand und Wasser gemischten, Cappuccino in der Hand hielt, störte ihn wenig.

Doch plötzlich wurde es laut. Es war ein Geräusch das er kannte, aber in diesem Moment nicht zuordnen konnte.
Er sah zur Sandkiste, konnte seine Tochter aber nicht sehen.
Leicht irritiert sah er sich im Garten um. Lina war verschwunden und er hatte keine Idee, wo seine kleine Maus wohl stecken könnte.

Dann nahm er wieder dieses laute Geräusch wahr. Linas Vater sah sich um und plötzlich erkannte er das Geräusch.
Der Sprung über den Liegestuhl war kein Problem. Leider stand auf der anderen Seite noch immer die Sandform, mit dem leckeren Eis, auf dem Boden. Genau darauf landetet Linas Vater und lag, da er das Gleichgewicht verloren hatte, der Länge nach auf dem Rasen.

Doch das Geräusch war noch immer zu hören.
Schnell rappelte er sich auf und lief, über die Terrasse, in die Küche.
Gerade noch rechtzeitig konnte er Lina zur Seite nehmen. Einige Sekunden später schoss der heiße Milchschaum, genau in die Richtung, wo Lina eben noch gestanden hatte. Sie hatte den Schlauch für den Milchschaum, vergessen in den Becher zu stecken.


Die ganze Küche war voller Schaum, der sich langsam wieder zurück, in die flüssige Variante von Milch, auflöste.
Aber es war Linas Vater egal. Den Dreck konnte man wieder wegwischen. Er war nur froh, dass seiner Tochter nichts passiert war.
„Lina, was hast Du denn gemacht?“
„Du wolltest doch einen Cappuccino haben.“
„Aber doch einen aus Sand und Wasser. Genau so, wie Du auch den Kuchen und das Eis gemacht hast.

Lina sah ihren Vater erstaunt an.
„Aus Baggermatsch gibt es doch aber nur Kuchen und Eis.“
„Tatsächlich? Das habe ich nicht gewusst.“
„Aber so was weiß doch jedes kleine Kind.“
„Da habe ich jetzt wohl etwas dazugelernt.“

Während Lina wieder in der Sandkiste saß und dabei war, für ihren Vater einen Kuchen zu backen, musste ihr Vater lachen.
Er stand in der Küche und war am putzen.
„Da habe ich heute wohl etwas gelernt.“, sagte er leise zu sich selbst und sprach weiter,
„Cappuccino gibt es also nur als echtes Getränk.“

Und genau einen solchen machte er sich jetzt auch.
Dazu gab es Kuchen. Natürlich selbstgemacht von Lina.



(Ben Bertram)

1 Kommentar:

  1. Ja, was lernen wir nun wirklich daraus ?? Lass Dein Kind nie aus den Augen. Entpanne erst, wenn es im Bett liegt und das Gute Nacht Lied gesungen ist.
    Danach kann man Luft holen und Zeit fuer Relaxen.

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