Samstag, 5. April 2014

Zeltaufbau ...


... aber am Strand ...!



Habt ihr schon mal ne Familie dabei beobachtet, wie sie am Strand ein Zelt aufgebaut hat ...?

Ich schon ... UND ich hatte mächtig viel Spaß ...!  ;-)

Passt mal auf! So ging es ab ...

Ich saß auf meiner Decke am Strand und sah mir die Menschen an, die ihren Urlaubstag genossen. Köstlich amüsierte ich mich darüber, wie eine Familie direkt neben mir versuchte, eines dieser komischen Strandzelte aufzubauen.
Diese Art von Zelten, die es vor vielen Jahren noch gar nicht gegeben hatte und die auch niemand vermisst hatte. Sie hätten damals auch keine Chance gehabt zu „überleben“. Die Dinger wären von mir und meinen Fußballfreunden einfach umgeschossen worden oder wir hätten direkt neben den Zelten zur Grätsche angesetzt und dabei so viel Sand aufgewirbelt, dass die Zeltbauer von selber umgezogen wären.

Diese Familie hier wäre garantiert bei jeder Pfandfinderaufnahmeprüfung mit Pauken und Trompeten durchgefallen.
Das Oberhaupt der Familie stand vor den Sachen und begann damit, sie zu ordnen. Er sah seinen Sohn an und sagte Oberlehrerhaft zu ihm:
>>Die Plane dort ist das Zelt! <<
Der Junge sah seinen Vater an und es sah so aus, als wolle er etwas dazu sagen. Der ungefähr zehn Jahre alte Piefke, war aber schon so schlau, besser seinen Mund zu halten. Die Alternative wäre wahrscheinlich gewesen, Stubenarrest bis zur Rente zu riskieren.

Nun legte der Vater sich die Stangen zurecht und fing an, diese ineinander zu stecken. Selbst aus fünf Meter Entfernung sah ich schon, dass da irgendetwas nicht zusammen passte. Ich lehnte mich also zurück und sah gespannt dabei zu, was mir noch so geboten wurde.

Das etwas passieren musste war klar. So dämlich wie er sich anstellte, ging es gar nicht anders.

Als der Vater damit begann, wie Häuptling rote Socke um die Stangen herum zu tänzeln, war ich nicht mehr der einzige Zuschauer. Nach und nach interessierten sich immer mehr Urlauber für seinen Stangentanz. Mit diesem Auftritt hätte er auf dem Kiez in Hamburg, eine echte Alternative zu den vielen Stangentänzerin sein können.

Er war zwar nicht annähernd so sexy, hätte dafür aber etwas für die Lachmuskeln der Kiez-Besucher bieten können. Er war typisch Deutsch! Seine Sandalen hatte er noch immer an und selbstverständlich trug er Socken. Seine siebenachtel Hose, oder sollte es doch eine dreiviertel Hose sein, hing auf halb acht. Das T-Shirt war eine einzige Frechheit und ich war kurz am überlegen, ob ich mit meinem Handy ein Bild von ihm machen sollte. Lies es aber, da ich keine Aufbau-Details verpassen wollte. Neon gelb war sein T-Shirt, dass vorne mit dem Schriftzug „Alles Bier zu mir“ und hinten mit einem riesigen Bild eines leeren Bierglases versehen war. Natürlich passte das T-Shirt zuletzt vor zehn Jahren und so quoll sein Bierbauch bei jeder noch so kleinen Bewegung, unter dem Shirt hervor. Seine Zigarette qualmte durchgehend, während er sie in einem seiner Mundwinkel eingeklemmt hatte.

Weshalb irgendeine Frau mit diesem Mann ein Kind gezeugt hatte, konnte ich mir nicht erklären. Oder doch?
Franky hätte jetzt ironischer Weise gesagt, „Sie liebt ihn halt…!“
Gemeint hätte er mit seinem Satz allerdings, dass der Typ wahrscheinlich einfach viel Kohle hatte.

Tatsächlich war er irgendwann mit seinem Stangenaufbautanz fertig.
Dafür griff er jetzt nach der Plane, suchte nach dem Eingangsloch und verschwand mit den Stangen darin.
Einen Augenblick war Ruhe.
Aber dann ging es los. Das ganze Zelt ging rauf und runter, hin und her und es sah so aus, als würde er darin mit einem Bitbull-Terrier kämpfen.

Seine Frau und der Sohn standen staunend vor dem flatternden Ding aus Ballonseide.
>> Ahh…!<<, hörte man ihn kurz sagen, vorauf einen Augenblick später ein,
>>Aua…! Scheiße…!<< folgte.

Ich musste lachen und sah in meinen Gedanken schon den Rettungshubschrauber am Strand landen. Zum Glück war Ebbe und somit wäre für die Landung ausreichend Platz gewesen.

Der Rettungshubschrauber kam nicht.

Dafür wurden mir Unmengen von Schimpfwörtern präsentiert, von denen ich einige noch nie gehört hatte. Mir war klar, dass jetzt alles passieren konnte. Ich meinte, alles bis auf eine Sache. Nie im Leben würde er es schaffen, dass Zelt aufzubauen und zwar so aufzubauen, dass es auch stehen bleiben würde.

So kann man sich täuschen.
Ich gebe es nur ungern zu, muss es der Fairness halber jedoch machen.
Er hatte es tatsächlich geschafft.
Als das Zelt endlich stand, stand auch der Vater und zwar stolz wie Pfau direkt daneben und wenn ich gewusst hätte, was die Steigerungsform von Stolz ist, hätte ich dieses Wort benutzen müssen.

Der Sohn hatte sich inzwischen cleverer Weise zum Meer verzogen und war dabei, eine Sandburg zu bauen. Seine Frau hatte sich, zu ihrem Leidwesen, nicht verzogen und so durfte sie nun, nach Aufforderung ihres Mannes, ein Bild vom Objekt der Begierde machen. Er wollte vor dem Zelt posieren und sie musste knipsen.
Leider machte sie einen verhängnisvollen Fehler. Eigentlich meinte sie es nur gut, aber auch gut gemeinte Vorschläge müssen nicht immer die Besten sein.
>>Karl-Heinz, stell Dich doch lieber neben das Zelt. Wenn Du davor stehst, kann man es gar nicht so gut erkennen.<<
>>Gute Idee mein Schatz.<<
>>Etwas dichter ran musst Du noch.<<
>>Ist es so gut mein Schatz?<<
>>Fast Karl-Heinz. Du musst noch einen Schritt zurück. Dann habe ich dich …<<, weiter kam sie nicht. Karl-Heinz stolperte über eine der Zeltschnüre. Nicht nur, dass er komplett im Sand gelandet war. Nein, auch sein Zelt stand nicht mehr, sondern wurde mit ihm zusammen zu Boden gerissen.

>>Du dusselige Kuh. Sogar zum Fotografieren bist Du zu blöd. Wenn ich nicht alles alleine mache. Eingecremt bin ich auch und nun klebt an mir der halbe Strand. Du bist wirklich nur zum Poppen zu gebrauchen.<<

Zu gebrauchen war ab jetzt, zumindest meiner Vermutung nach, auch der Fotoapparat nicht mehr. Der landete nämlich, nachdem Karl-Heinz seinen ziemlich dämlichen Satz gesagt hatte, direkt vor seinen Füssen im tiefen Sand.
Den Rest des Tages verbrachte Karl-Heinz alleine neben seinem zusammengeknüddelten Zelt. Seine Frau spielte den restlichen Tag mit dem Sohn unten am Wasser oder ging spazieren.


Ich hoffe, ihr hattet ähnlich viel Spaß wie ich ...

Übrigens, die Geschichte ist wirklich passiert ...!
Wenn ihr noch mehr erfahren möchtet, schaut doch mal in mein Buch ...


Habt nen lustigen Tag

Euer

Ben

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